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Herzgesundheit

Warum Prävention die beste Herzmedizin ist

Fotos: Mirjam Hagen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache in Deutschland. Dabei könnten viele Risikofaktoren früh erkannt und beeinflusst werden. Im Interview erklärt der Kardiologe Dr. med. Nana Bimpong-Buta, welche Warnsignale häufig übersehen werden, warum Diabetes auch das Herz gefährdet und weshalb Prävention die wichtigste Grundlage für ein gesundes Herz ist.

Dr. med. Nana Bimpong-Buta

Kardiologe, SPIEGEL-Bestseller-Autor, Keynote Speaker

Instagram: @herzens__doc

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland. Warum ist das trotz moderner Medizin noch immer so?

Die moderne Medizin kann heute unglaublich viel leisten. Wir können Herzinfarkte behandeln, verengte Herzkranzgefäße mit Stents versorgen und viele Menschenleben retten. Trotzdem sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiterhin die häufigste Todesursache nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Allein in Deutschland versterben daran immer noch ca. 1.000 Menschen, täglich ! Der Grund liegt oft nicht in fehlenden Behandlungsmöglichkeiten, sondern darin, dass viele Risikofaktoren über Jahre unbemerkt bleiben.

Bluthochdruck, Diabetes, Bewegungsmangel, Rauchen, chronischer Stress oder Übergewicht verursachen häufig lange Zeit keine Beschwerden. Das Herz leidet oft still. Viele Menschen fühlen sich gesund, obwohl bereits Veränderungen an Gefäßen oder Herzmuskel bestehen. Deshalb braucht es neben moderner Medizin vor allem mehr Prävention. Wer seine Risikofaktoren kennt, Vorsorgeangebote nutzt und Warnsignale ernst nimmt, kann sehr viel für seine Herzgesundheit tun. Aus meiner Sicht gilt: Herzmedizin beginnt nicht erst im Krankenhaus – sie beginnt im Alltag.

90 % der Herztode könnten wir verhindern!

Welche Warnsignale nehmen Menschen zu oft auf die leichte Schulter?

Viele Menschen denken bei Herzproblemen sofort an starke Brustschmerzen. Doch die Realität ist oft deutlich unspektakulärer. Häufig werden Symptome wie Luftnot bei Belastung, ungewohnte Erschöpfung, Herzstolpern, Schwindel oder ein Druckgefühl in der Brust als Stress, Alter oder mangelnde Fitness abgetan.

Besonders tückisch ist, dass sich Herz-Kreislauf-Erkrankungen oft schleichend entwickeln. Der Körper sendet kleine Signale, die leicht übersehen werden können. Wer beispielsweise plötzlich weniger belastbar ist als früher oder beim Treppensteigen schneller außer Atem gerät, sollte aufmerksam werden, insbesondere wenn bereits ein gewisses Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankung besteht, und erkannt wurde.

Mein Rat lautet deshalb: Hören Sie auf Ihr Herz- und Baugefühl. Wenn Beschwerden neu auftreten, wiederkehren oder sich verschlechtern, sollten sie fachärztlich abgeklärt werden. Lieber einmal zu viel nachfragen als ein wichtiges Warnsignal zu übersehen. Denn je früher wir Herzprobleme erkennen, desto besser können wir behandeln und vorbeugen. Das steht fest.

Wie hängen Diabetes und Herzerkrankungen zusammen, und warum wird dieser Zusammenhang so häufig unterschätzt?

Viele Menschen verbinden Diabetes vor allem mit erhöhten Blutzuckerwerten. Tatsächlich betrifft die Erkrankung jedoch den gesamten Körper – insbesondere die Blutgefäße. Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker kann die Gefäßwände schädigen und damit das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzschwäche deutlich erhöhen.

Das Problem: Diabetes verursacht oft über viele Jahre kaum Beschwerden. Gleichzeitig entwickeln sich die Schäden an Herz und Gefäßen schleichend im Hintergrund. Deshalb wird die Erkrankung häufig unterschätzt oder erst viel zu spät erkannt.

Für mich ist Diabetes daher nicht nur eine Stoffwechselerkrankung, sondern auch ein Baustein von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Umso wichtiger sind regelmäßige Kontrollen, ein gesunder Lebensstil und eine frühzeitige Behandlung. Wer seinen Blutzucker gut einstellt, schützt nicht nur seine Zuckerwerte, sondern auch sein Herz.

Herzprobleme äußern sich nicht bei allen Menschen gleich. Gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen, die häufiger übersehen werden?

Ja, und genau das kann lebenswichtig sein. Während Männer bei einem Herzinfarkt häufiger über die klassischen starken Brustschmerzen klagen, zeigen Frauen oft andere Symptome. Dazu gehören Luftnot, Übelkeit, ausgeprägte Erschöpfung, Schwindel oder Schmerzen im Rücken, Nacken oder Oberbauch. Wir sprechen hier von sog. „atypischen“ Symptomen, weil sie über andere Nervenbahnen vermittelt werden.

Die Herausforderung ist hier, dass diese Beschwerden nicht immer sofort mit dem Herzen in Verbindung gebracht werden – weder von den Betroffenen noch manchmal im medizinischen Alltag. Gerade Frauen kümmern sich häufig zuerst um andere und stellen ihre eigene Gesundheit hinten an. Nicht-Erkennen kann fatal sein. Denn dadurch kann wertvolle Zeit verloren gehen.

Deshalb ist es wichtig, Herzmedizin geschlechterspezifisch zu denken. Beschwerden sollten immer ernst genommen und individuell bewertet werden. Das Herz sendet Warnsignale – sie können bei Männern und Frauen nur unterschiedlich aussehen.

Was können Menschen konkret tun, um ihr persönliches Risiko zu senken?

Die gute Nachricht ist: Viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind vermeidbar. Eine große internationale Studie („Interheart-Studie“) konnte zeigen, dass rund neun von zehn Herzinfarkten vermeidbar sind. Das bedeutet: Wir können mehr beeinflussen, als viele Menschen glauben.

Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf, Nichtrauchen und ein guter Umgang mit Stress gehören zu den wirksamsten Maßnahmen für ein gesundes Herz. Gleichzeitig bleiben Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhte Cholesterinwerte oft lange unbemerkt – deshalb ist Vorsorge so wichtig.

Genau das ist auch meine Herzensmission: Herzmedizin in einfachen Worten erklären und Menschen konkrete Wege zur Umsetzung zeigen. Über meine Aufklärungsarbeit, unsere Herzensdoc-Community und meinen Podcast „Leben auf Pump“ möchte ich Menschen dabei unterstützen, ihr Herz besser zu verstehen – bevor es Hilfe braucht.

Dr. Dr. med. Nana Bimpong-Buta ist Kardiologe, Internist, Notfallmediziner und SPIEGEL Bestseller- Autor des Buches HAPPY HEART. Als TV-Experte, Keynote Speaker und Lehrbeauftragter der Universität Witten/Herdecke setzt er sich dafür ein, Herzmedizin verständlich, menschlich und präventiv zu vermitteln. Seine Mission: Menschen helfen, ihr Herz besser zu verstehen, bevor es Hilfe braucht.

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