Eine Idee aus Erlangen zeigt, wie mit Draht aus Federstahl, einer einfachen Biegemaschine und lokaler Ausbildung neue Chancen entstehen.
Wenn Sahil Sethy heute liest, ist etwas selbstverständlich geworden, das lange schwierig war: Er kann die Buchstaben in seinen Büchern erkennen. Schon als Kleinkind verletzte sich der Junge aus dem indischen Bhubaneswar am linken Auge. Wie stark sein Sehvermögen darunter litt, blieb unentdeckt. Sahil gewöhnte sich daran, fast nur mit dem rechten Auge zu sehen. Beim Lesen neigte er den Kopf zur Seite, in der Schule fiel es ihm schwer, mitzuhalten.

Dann kam die EinDollarBrille zu einem Sehtest an seine Schule. Zum ersten Mal wurden Sahils Augen untersucht. Die Fachkräfte erkannten: Eine Brille allein würde nicht reichen. Wenige Tage später wurde er in einem Partnerkrankenhaus am Grauen Star operiert. Heute kann Sahil wieder von der Tafel und aus seinen Büchern lesen. Seine Lehrer erleben ihn entspannter, aufmerksamer und selbstbewusster.
Hinter solchen Veränderungen steht die Idee von Martin Aufmuth. Der Erlanger Lehrer entwickelte eine robuste Brille aus Federstahldraht, die ohne Strom auf einer manuellen Biegemaschine hergestellt werden kann. Die Materialkosten: rund ein US-Dollar. Doch die EinDollarBrille ist mehr als ein günstiges Produkt. Sie bildet Menschen vor Ort zu Fachkräften aus, schafft Arbeitsplätze und baut dauerhafte Versorgungsstrukturen auf. Die Brillen werden zu einem erschwinglichen Preis verkauft – Hilfe zur Selbsthilfe statt kurzfristiger Versorgung.

Auch wirtschaftlich ist gutes Sehen relevant: Unkorrigierte Kurz- und Alterssichtigkeit verursachen weltweit Produktivitätsverluste von rund 270 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Seit 2012 wurden von der Organisation mehr als 1,1 Millionen Menschen mit Brillen versorgt, über 2,95 Millionen Sehtests durchgeführt und 572 Arbeitsplätze vor Ort geschaffen.
Wirkung in vier Zahlen
- Nur 1 US-Dollar Materialkosten.
- 1,1 Mio. Menschen mit Brillen versorgt.
- 572 Arbeitsplätze vor Ort geschaffen.
- Weltweit 270 Mrd. US-Dollar Produktivitätsverlust durch Fehlsichtigkeit.

Gutes Sehen schafft Chancen.
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