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Magen und Darm

VOLKSKRANKHEITEN SODBRENNEN, BLÄHUNGEN & VERSTOPFUNG

Foto: Shutterstock, 2708668415

Prof. Dr. med. Fischbach

Vorsitzender der Gastro Liga
und Experte für Gastroenterologie

Sodbrennen ist das klassische Symptom der Refluxkrankheit. Schätzungsweise 30 bis 40% der Bevölkerung leiden gelegentlich oder häufig daran. Oft kann dem durch einfache Maßnahmen wie kleine Mahlzeiten, kein spätes Essen, Schlafen mit leicht erhöhtem Oberkörper oder ein Schluck Wasser erfolgreich entgegengewirkt werden. Wenn dies nicht reicht, bieten sich säurehemmende Medikamente wie Antazida, Alginate oder Protonenpumpeninhibitoren (PPIs) an. PPIs sind zweifellos die Mittel der ersten Wahl sowohl in der Akut- wie auch in der Dauertherapie. Vor einigen Jahren sind sie wegen vermeintlicher Nebenwirkungen, die nahezu alle Organe einbezogen (z. B. Osteoporose, Demenz, Nierenerkrankungen, u. a.) in Verruf geraten. Eine kausale Beziehung zwischen diesen Folgen und der Einnahme von PPIs gilt heute als weitgehend widerlegt, sodass sie bei gegebener Indikation auch langfristig mit gutem Gewissen eingenommen werden können. Für einzelne Patienten, die trotz adäquater Medikation nicht darauf ansprechen oder diese auch nach entsprechender Aufklärung ablehnen, steht die Refluxoperation als Option zur Verfügung.

Blähungen sind ein weiteres sehr häufiges Problem. Sie beruhen oft auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten, z. B. auf Laktose, Fruktose oder Histamin. Entsprechende diätetische Restriktionen können helfen. Dabei werden im Gegensatz zu der sehr viel selteneren Nahrungsmittelallergie kleine Mengen, die es herauszufinden gilt, durchaus vertragen. Oft sind Blähungen auch Ausdruck eines Reizmagens oder eines Reizdarmes. Mögliche Begleitsymptome sind dann ein frühzeitiges Sättigungsgefühl, Bauchschmerzen oder Stuhlunregelmäßigkeiten. Diese beiden funktionellen Krankheitsbilder sind dadurch gekennzeichnet, dass ihnen keine organische Erkrankung zugrunde liegt, sie erfordern daher eine entsprechende Ausschlussdiagnostik.

Frühzeitig sollte ein
Arztbesuch immer dann
erfolgen, wenn sogenannte
Alarmsymptome bestehen.

Die Therapie von Reizmagen und Reizdarm ist multifaktoriell. Ganz im Vordergrund steht die Vermittlung eines verständlichen Krankheitsbildes als Voraussetzung, so gut wie möglich damit umzugehen. Die medikamentösen Optionen orientieren sich an den im Vordergrund stehenden Beschwerden.

Chronische Verstopfung (Obstipation) kann als isolierte funktionelle Erkrankung oder im Rahmen eines Reizdarmsyndroms mit anderen abdominellen Beschwerden auftreten. Wichtig ist auch hier der Ausschluss einer organischen Ursache. Als Basistherapie sollte auf ballaststoffreiche Nahrung und ausreichend Flüssigkeit geachtet werden. Auch stuhlregulierende Maßnahmen, z. B. mit Flohsamenschalen, bieten sich an. Gemäß Leitlinie bietet sich eine Stufentherapie für die chronische Verstopfung an.

Wann sollte man den Arzt aufsuchen?

Wenn die Beschwerden länger persistieren oder rezidivieren, ist ein Arztbesuch sicherlich sinnvoll. Frühzeitig sollte ein Arztbesuch immer dann erfolgen, wenn sog. Alarmsymptome bestehen. Hierzu zählen Schluckbeschwerden, ungewollte Gewichtsabnahme, Erbrechen, Blutarmut (Anämie), Teerstuhl oder Wechsel der Stuhlgewohnheiten (z. B. Durchfälle und Obstipation im Wechsel). In diesen Fällen ist eine endoskopische Abklärung durch Magen- bzw. Darmspiegelung erforderlich, evtl. ergänzt durch Blutuntersuchungen und eine bildgebende Diagnostik mittels Ultraschall oder Computertomographie.

Gibt es präventive Möglichkeiten?

Diese gibt es durchaus. Eine gesunde abwechslungsreiche Ernährung (sog. Mittelmeerkost), Reduktion von Übergewicht, ausreichend und regelmäßig körperliche Bewegung, ausreichend Schlaf und der Verzicht auf Nikotin und Alkohol können nachgewiesenermaßen die genannten Beschwerden verhindern oder abmildern.

Wir sprechen in diesem Zusammenhang von primärer Prävention, d.h. der Verhinderung von Erkrankungen. Sie richtet sich an jeden und sollte bereits im Kindesalter beginnen. Davon abzugrenzen ist die sekundäre Prävention, d. h. die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Erkrankungen oder deren Vorstufen. Paradebeispiel hierfür ist die Darmkrebsvorsorge, die in den letzten 20 Jahren eine Erfolgsgeschichte ohnesgleichen aufweist und, bei breiter Anwendung, noch viel mehr Chancen eröffnet.

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