Seit über 15 Kilo Gewichtsverlust weiß Podcaster Serdar Deniz, dass Abnehmen weit mehr ist als reine Kalorienbilanz – es ist auch ein mentaler Prozess. Mit seinem Podcast hat er dem Thema, das lange im Verborgenen stattfand, eine offene Bühne gegeben. Im Interview spricht er über Körpergefühl, emotionales Essen und warum Rückhalt aus dem eigenen Umfeld so entscheidend ist.
Was hat dich dazu bewogen, deine Abnehmreise so öffentlich zu machen?
Als ich mit meinem Podcast startete, war Body Positivity und gesundes Abnehmen ein immer größer werdendes Thema, aber irgendwie äußerten sich hauptsächlich Frauen dazu. Zudem fiel mir auf, dass sich kaum jemand öffentlich über das Thema Abnehmen informierte und z. B. ein Buch in der Bahn lesen würde. Das war immer etwas, was im stillen Kämmerlein passierte. Also war ein Podcast für mich die naheliegendste Lösung, um dem Thema Gehör zu verschaffen, denn den kann man auch hören, ohne dass es jemand mitbekommt.
Hat sich durch deine Reise auch dein Körpergefühl verändert, auch wie du Hunger oder Sättigung wahrnimmst?
Ich habe inzwischen über 15 kg abgenommen, das merkt man dann natürlich an den Klamotten. Mittlerweile traue ich mich, Farben zu tragen, was vorher undenkbar für mich gewesen wäre. Und ich kaufe Kleidung nun auch im Geschäft, anstatt sie nur online zu bestellen, auch das war ein Befreiungsschlag für mich und ist wahrscheinlich für normalgewichtige Menschen kaum vorstellbar. Aber ich habe Höhen und Tiefen, nach wie vor.
Was Hunger und Sättigungsgefühl angeht, passiert natürlich vieles im Kopf. Wenn man sich mit dem Thema Ernährung wirklich beschäftigt und das Ziel hat, das Gewicht zu reduzieren, dann isst man sehr viel bewusster. Aber man muss natürlich lernen, auf das Sättigungsgefühl zu hören und es dann auch nicht zu übergehen. Zudem musste ich lernen, wann es wirklich Hunger ist, und wann vielleicht eher Gelüste oder sogar „nur“ Durst. Dabei hilft mir auch die Abnehmspritze, aber auch sie ist nur ein Tool, das mit Bewegung und Ernährungsumstellung ergänzt werden muss, und ich nehme sie hauptsächlich aufgrund meines Typ-2-Diabetes.

Wenn man sich mit dem Thema Ernährung beschäftigt und das Ziel hat, Gewicht zu reduzieren, dann isst man sehr viel bewusster.
Welche Rolle spielt Darmgesundheit beim Thema Gewichtsmanagement?
Ich habe für mich festgestellt, dass eine gesündere und ausgewogenere Ernährung natürlich gut für den Gesamtorganismus und damit auch für Magen und Darm ist. Hier nehmen wir nun mal den Großteil der Nährstoffe auf, und wenn das nicht funktioniert, leidet der ganze Körper. Aber hier muss jeder seinen ganz persönlichen Weg finden, wie er zum Ziel kommt. Es gibt hier kein one-fits-all.
Gab es eine wissenschaftliche Erkenntnis über den Stoffwechsel, die dich wirklich überrascht hat?
Ja, tatsächlich! Wenn es um das Thema Stoffwechsel geht, denkt man häufig immer noch, dass ein spezifisches Organ hinter Problemen stecken müsste. Ich war zum Beispiel eine Zeitlang fixiert auf die Schilddrüse, weil ich immer wieder hörte, dass ich die doch mal checken lassen sollte. Aber Probleme im Stoffwechsel sind immer ein Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren, und man muss das immer ganzheitlich betrachten, auch wenn ein Organ vielleicht eine größere Rolle spielt.
Das gilt genauso auch für den Darm, und eigentlich für den ganzen Körper. Durch die Gespräche mit Wissenschaftlern wurde mir erst bewusst, was unser Körper leistet und welches fein abgestimmte Zusammenspiel hier stattfindet.
Du hast daher einen integrativen Ansatz zum Abnehmen verfolgt. Welche Methoden haben dir dabei am meisten geholfen?
Ich glaube, dass es bei den meisten Menschen, die eine Abnehmreise beginnen, irgendwann gar nicht mehr primär um den reinen Gewichtsverlust geht, sondern darum, sich selbst zu finden, sich im Körper wohlzufühlen, gesünder zu werden. Man wirft quasi einen Ballast ab, der nicht nur körperlich ist, sondern auch eine stark mentale Ebene hat. Und deswegen sind solche Wege auch so individuell.
Aber gewisse Bausteine sind natürlich trotzdem bei allen gleich: Natürlich geht es darum, weniger zu essen als man verbraucht, natürlich gehört Bewegung dazu, und natürlich muss man Disziplin lernen. Und natürlich braucht man Geduld und muss das Gelernte in den Alltag integrieren.
Mir hat auf meiner Reise der Rückhalt durch meine Frau, Familie und Freunde sehr dabei geholfen, dranzubleiben. Denn man braucht natürlich auch die Freiräume, um seinen Weg zu gehen. Zudem bin ich derzeit im zweiten Online-Coaching: Das hat mir auch sehr geholfen, mein eigenes Essverhalten zu verstehen und zu lernen, gegenzusteuern, weil ich ein sehr emotionaler Esser bin.
Ich glaube, dass es bei den meisten Menschen, die eine Abnehmreise beginnen, irgendwann gar nicht mehr primär um den reinen Gewichtsverlust geht, sondern darum, sich selbst zu finden, sich im Körper wohlzufühlen, gesünder zu werden.

Welche Rolle spielt Ernährung für dich heute, verglichen mit früher?
Ernährung ist immer noch ein sehr wichtiges Thema für mich, manchmal ist es vielleicht sogar noch zu wichtig. Manchmal beneide ich Menschen, die Essen einfach nur als Energieaufnahme und nicht als Belohnung betrachten. Aber ich bin gelernter Koch und weiß, wie toll es sein kann, Menschen zu bekochen, aber auch bekocht zu werden. Essen kann einfach glücklich machen, und ich möchte auch weiterhin in der Lage sein, mir etwas Gutes zu tun, indem ich etwas Gutes esse. Ich habe aber mittlerweile gelernt, dass es danach den Ausgleich braucht und greife am Tag danach eben lieber zu einem Salat.
Was hat dir geholfen, deinen Umgang mit Bodyshaming und Emotional Eating zu verändern und was würdest du jemandem sagen, der Angst hat, über sein Gewicht offen zu sprechen?
Was das Bodyshaming angeht, haben wir immer noch so großen Nachholbedarf. Es bestehen mehrgewichtigen Menschen gegenüber noch so viele Vorurteile, die es abzubauen gilt.
Deswegen würde ich zu anderen Betroffenen immer sagen: Scheiß drauf, was andere denken oder sagen. Du möchtest gesünder werden und deswegen abnehmen. Was hast du zu verlieren?
Welche eine Botschaft möchtest du Menschen mitgeben, die gerade ganz am Anfang stehen?
Da ich selbst noch nicht an meinem Gewichtsziel angekommen bin, ist das schwierig zu beantworten, weil ich weiß, dass es schwer ist, am Ball zu bleiben. Man sollte sich meiner Meinung nach aber immer wieder das Ziel bewusst machen, weshalb man das macht: Für sich selbst, für die eigene Gesundheit, für mehr Wohlbefinden im eigenen Körper, für ein gesundes Altern. Außerdem hilft es enorm, das Umfeld mit einzubeziehen und zu sensibilisieren, damit man einen emotionalen Rückhalt hat.




