Ärztin Hilla Lemon über Vorsorge, Warnzeichen und den Alltag am Bildschirm

Hilla Lemon
Ärztin für Augenheilkunde
Warum verdient unsere Augengesundheit mehr Aufmerksamkeit, auch wenn wir keine Beschwerden haben?
Unsere Augen leisten jeden Tag Erstaunliches – und trotzdem schenken wir ihnen oft erst Aufmerksamkeit, wenn etwas nicht mehr funktioniert. Das Problem: Viele Augenerkrankungen entwickeln sich über Jahre hinweg unbemerkt. Erkrankungen wie Grüner Star (Glaukom), Veränderungen der Netzhaut oder die altersbedingte Makuladegeneration verursachen anfangs oft keinerlei Beschwerden. Wenn erste Symptome auftreten, können bereits bleibende Schäden entstanden sein. Deshalb gilt: Eine gute Sehkraft bedeutet nicht automatisch gesunde Augen.
Warum sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen für gesunde Augen so wichtig?
Regelmäßige Augenuntersuchungen helfen dabei, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen – oft lange bevor Betroffene selbst Veränderungen bemerken. Je früher eine Erkrankung entdeckt wird, desto besser sind in vielen Fällen die Behandlungsmöglichkeiten und die Chancen, das Sehvermögen langfristig zu erhalten. Besonders Menschen ab etwa 40 Jahren oder Personen mit Risikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck oder einer familiären Vorbelastung profitieren von regelmäßigen Kontrollen.
Welche Warnsignale der Augen sollten wir ernst nehmen und ärztlich abklären lassen?
Plötzliche Sehverschlechterungen, Lichtblitze, ein neuer „Rußregen“ oder viele schwarze Punkte im Sichtfeld, Gesichtsfeldausfälle, starke Augenschmerzen oder plötzlich auftretende Doppelbilder sollten immer umgehend augenärztlich abgeklärt werden. Hinter solchen Beschwerden können ernsthafte Erkrankungen wie eine Netzhautablösung, ein Gefäßverschluss oder ein akuter Glaukomanfall stecken. Hier zählt oft jede Stunde, um bleibende Sehschäden zu verhindern.
Viele Menschen kennen trockene, müde oder brennende Augen durch Bildschirmarbeit. Was kann man dagegen tun und wann sollte man genauer hinschauen?
Beim konzentrierten Arbeiten am Bildschirm blinzeln wir deutlich seltener. Dadurch verdunstet der schützende Tränenfilm schneller und die Augen werden trocken, gereizt oder brennen. Hilfreich sind regelmäßige Bildschirmpausen – zum Beispiel nach der 20-20-20-Regel: Alle 20 Minuten für 20 Sekunden in etwa sechs Meter (20 Fuß) Entfernung schauen. Außerdem sollte man bewusst häufiger blinzeln, ausreichend trinken und auf eine angenehme Luftfeuchtigkeit achten. Bei anhaltenden Beschwerden, starken Schmerzen, einer Sehverschlechterung oder wiederkehrenden Entzündungen sollte die Ursache augenärztlich abgeklärt werden, da nicht immer nur trockene Augen dahinterstecken.
Welche Botschaft möchten Sie den Leserinnen und Lesern für ihre Augengesundheit mit auf den Weg geben und welche Themen sollten dabei stärker in den Fokus rücken?
Sehen ist für die meisten Menschen selbstverständlich – bis es plötzlich eingeschränkt ist. Genau deshalb sollten wir unsere Augen genauso ernst nehmen wie unser Herz oder unsere Zähne und ihnen regelmäßig Aufmerksamkeit schenken. Mehr Bewusstsein für Vorsorge & UV-Schutz, den Einfluss von weiteren Erkrankungen, wie Diabetes und Bluthochdruck auf die Augen, sowie die Bedeutung eines gesunden Lebensstils könnte helfen, viele vermeidbare Sehschäden zu verhindern. Das Wichtigste ist: Warten Sie nicht auf Beschwerden. Prävention ist auch in der Augenheilkunde der beste Schutz für gutes Sehen bis ins hohe Alter.
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