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„Man muss sich darüber im Klaren sein, dass kein Weg am Internet vorbeiführt.“

Foto: Wege aus der Einsamkeit

Wie kann man im goldenen Alter mit der schnelllebigen, digitalen Welt, in der wir leben, mithalten? Darauf möchte Dagmar Hirche möglichst vielen „Best Agern“ eine Antwort aufzeigen. Die Unternehmerin und Gründerin des Vereins „Wege aus der Einsamkeit“ bringt Interessierten in Gesprächsrunden die neuen Technologien wie Smartphones oder Tablets näher. Im Gespräch erklärt sie, welche Hürden es dabei zu bewältigen gibt und warum man auch mit 70 Jahren nicht zu alt ist, um sich mit digitalen Medien auseinanderzusetzen.

Dagmar Hirche

Vorstand Wege aus der Einsamkeit e.V.

Würden Sie sich als technikbegeistert bezeichnen?

Ganz klares Ja. Aber das muss man nicht sein, um sich mit den neuen Technologien auseinanderzusetzen. Man muss offen sein und sich darüber im Klaren sein, dass daran kein Weg mehr vorbeigeht. Man muss sich Grundkenntnisse aneignen.

Sind Sie direkt mit der Digitalisierung mitgegangen oder haben Sie ein wenig Zeit gebraucht, bis Sie sich mit den neuen Technologien auseinandergesetzt haben?

Ich bin noch die Generation Lochkarten, wenn man ins Büro kommt. Und ich war von Anfang an begeistert. Aber ich bin da ein typischer Anwender. Die Technik muss funktionieren. Wie und warum sie funktioniert, ist egal, Hauptsache sie geht.

Was wäre Ihr wichtigster Ratschlag für jemanden, der sich erst im fortgeschrittenen Alter mit Technik befassen möchte?

Habt Mut, damit anzufangen! Man kann in jedem Alter den Umgang damit lernen. Ja, es ist mühseliger und braucht mehr Zeit, je älter man wird. Es muss einem bewusst sein, dass man geduldig mit sich selbst sein soll.

Foto: Wege aus der Einsamkeit

Verstehen Sie Menschen, die Smartphones, Tablets et cetera kategorisch ablehnen, nur weil sie „neu“ sind?

Das kann ich nicht verstehen. Die Welt wird so digital, wir können uns wahrscheinlich noch gar nicht vorstellen, wie das in fünf Jahren aus- sieht. Wenn man alt werden möchte und ist gerade 70, möchte aber 90 oder sogar 100 werden, dann kann man nicht 30 Jahre lang in einer digitalen Welt leben und an ihr teilnehmen, oh- ne sich damit zu befassen. Man muss diesen Schritt jetzt machen. Ärzte oder Behörden ver- geben Termine online. Auf dem Land bekommt man viele Dinge nicht mehr analog. Wir müssen auch den älteren Menschen mitteilen: „Ihr müsst diesen Schritt jetzt lernen.“

Mit Ihrem Verein „Wege aus der Einsamkeit e. V.“ haben Sie auch eine Initiative, die Menschen über 65 Smartphones und das Internet näher bringt. Was haben Sie bei der Arbeit in diesem spannenden Themenfeld gelernt?

Wir haben gelernt, dass man die Schulung passend für die Zielgruppe machen muss. Spaß steht im Vordergrund. Wir gehen auf die Bedürfnisse ein. Ältere Menschen möchten Navigations-Apps verstehen oder Apps, die barrierefreie Orte anzeigen. Dies zeigen wir ihnen in kleinen Schritten.

Was sind die größten Hürden für Senioren, die nicht ganz so internetaffin sind, die Thematik zu verstehen?

Die Angst der Menschen, dass sie etwas kaputt machen, ist eine große Hürde. Dann kommt die Angst vor Kostenfallen dazu, dass man etwas Falsches anklickt und in der Falle sitzt. Da braucht man auch noch schärfere Reglementierungen vom Gesetzgeber. Außerdem kommt dazu, dass ein Smartphone, das fünf Jahre alt ist, fast schon nicht mehr mit den neuesten Mo- dellen vergleichbar ist. Man muss quasi immer neu lernen, wie man das Gerät bedient.

Wie hoch würden Sie den positiven Einfluss von neuen Technologien auf eine länger andauernde hohe Lebensqualität einschätzen?

Sehr hoch. Das bekomme ich auch enorm bei unseren Teilnehmern mit, die mir von neuen Hilfen berichten. Allein schon neue Dienstleistungen wie Lebensmittel beim Supermarkt bestellen und nach Hause liefern lassen. Oder skypen: Es ist was ganz anderes, wenn man seine Kinder oder Enkel, die weit weg wohnen, sieht, anstatt nur mit ihnen zu telefonieren.

Information

Für mehr Informationen besuchen Sie www.wegeausdereinsamkeit.de

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