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Essen als Medizin: Wie die richtige Ernährung die Heilung nach einer Operation unterstützt

Foto: Shutterstock, 2688376397

Nach einer Operation dreht sich meist alles um Schonung, Schmerzmittel und Wundpflege. Was dabei häufig zu kurz kommt ist die Frage, was auf dem Teller landet. Dabei ist eine Operation für den Körper eine echte Ausnahmesituation, vergleichbar mit einer Art körperlichem Stresszustand. Das Gewebe muss repariert, das Immunsystem hochgefahren werden und beides kostet deutlich mehr Energie und Nährstoffe als der normale Alltag.

Genau deshalb lohnt sich ein zweiter Blick auf die Ernährung rund um den Eingriff. Sie ersetzt keine gute medizinische Betreuung, aber sie kann den Heilungsverlauf spürbar beeinflussen angefangen bei der Wundheilung über das Infektionsrisiko bis zur Narbenqualität.

Warum der Eiweißbedarf nach einer OP regelrecht explodiert

Direkt nach einem Eingriff steigt der Bedarf an Eiweiß deutlich an, denn der Körper braucht die Bausteine aus Proteinen, um beschädigtes Gewebe zu reparieren und neue Zellen zu bilden. Wird zu wenig Eiweiß zugeführt, greift der Organismus auf die eigene Muskulatur zurück und das ausgerechnet in einer Phase, in der man sich ohnehin weniger bewegt.

„Eines der größten Probleme, die ich nach Operationen sehe, ist ein zu geringer Eiweißkonsum“, sagt Prof. Dr. Nektarios Sinis, ärztlicher Direktor der Sinis Klinik Berlin, der täglich mit Patienten nach Eingriffen wie Fettabsaugungen, Bauchdeckenstraffungen oder Brustoperationen arbeitet. Seine Faustregel: drei Mahlzeiten am Tag mit jeweils 20 bis 35 Gramm Protein, ergänzt durch die Aminosäuren Arginin und Ornithin, die die Kollagenbildung anregen und so die Wundheilung beschleunigen sollen. In der Praxis heißt das meist: lieber mehrere kleine, eiweißreiche Mahlzeiten über den Tag verteilt als zwei große. Quark, Eier, Fisch, Hülsenfrüchte oder ein Proteinshake zwischendurch reichen dafür oft schon aus.

Vitamine, Zink und Co. als stille Helfer im Hintergrund

Neben Eiweiß braucht der Körper nach einer Operation vor allem ein intaktes Immunsystem, und dabei spielen Mikronährstoffe eine größere Rolle, als viele denken. Zink ist an unzähligen Reparaturprozessen der Zellen beteiligt. Vitamin D wiederum beeinflusst, wie gut Entzündungen reguliert werden. Dabei gibt es Hinweise darauf, dass ein Mangel das Infektionsrisiko nach Operationen um das Drei- bis Vierfache erhöhen kann. Wer schon drei bis vier Wochen vor dem Eingriff auf einen guten Vitamin-D-Spiegel achtet, hat danach einen klaren Vorteil.

B-Vitamine unterstützen die Zellteilung und damit ebenfalls die Wundheilung. Dazu kommen Antioxidantien wie die Vitamine A, C und E sowie pflanzliche Stoffe wie Carotinoide, die das frisch operierte Gewebe vor zusätzlichem oxidativem Stress schützen.

Ananas, Fisch und die Kraft der Entzündungshemmung

Bei Facelifts, Nasenoperationen oder auch Laserbehandlungen setzt man in der plastisch-ästhetischen Chirurgie seit Jahren auf Bromelain und Papain. Das sind Enzyme aus Ananas und Papaya, die nachweislich entzündungshemmend und abschwellend wirken. Wichtig dabei ist, dass solche Präparate erst nach der Operation und nicht gleichzeitig mit Antibiotika eingenommen werden sollten, da sich die Wirkung sonst gegenseitig abschwächen kann.

Omega-3-Fettsäuren, wie sie in fettem Fisch wie Lachs oder Makrele stecken, wirken ebenfalls entzündungshemmend und immunmodulierend. Wer nicht regelmäßig Fisch isst, kann auf hochwertige Präparate zurückgreifen, idealerweise im Verhältnis von 2:1 zwischen EPA und DHA.

Trinken nicht vergessen

Ein Punkt, der in vielen Ratgebern untergeht, obwohl er quasi auf der Hand liegt ist der folgende: ausreichend Flüssigkeit. Gerade wenn der Körper Schwellungen abbauen und Stoffwechselprodukte abtransportieren muss, ist eine gute Flüssigkeitszufuhr essenziell. Wasser und ungesüßte Tees helfen dabei, während Alkohol und stark zuckerhaltige Getränke die Heilung eher bremsen.

Und auch wenn die Wunde längst verheilt ist, bleibt das Thema aktuell. Der Körper braucht weiterhin eine gute Nährstoffversorgung, um das erreichte Ergebnis zu halten. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst und hochwertigen Fetten ist deshalb keine kurzfristige Maßnahme für die Genesungsphase, sondern eine langfristige Investition in die eigene Gesundheit.

Wie eng Ernährung und Operationsergebnis tatsächlich zusammenhängen und welche Dosierungen dabei sinnvoll sind, beschreibt Prof. Dr. Nektarios Sinis ausführlich in seinem Beitrag zur Ernährung nach operativen Eingriffen, was ein Arzt dazu schreibt. Der Artikel lohnt sich für alle, die vor einem Eingriff stehen, definitiv nachzulesen.

Fazit: Der Teller als Teil der Therapie

Die richtige Ernährung nach der OP ist kein Nice-to-have, sondern ein aktiver Baustein der Heilung und damit genauso wichtig wie Schonung oder die richtige Wundpflege. Wer schon vor dem Eingriff auf eine gute Versorgung mit Eiweiß, Vitaminen und entzündungshemmenden Nährstoffen achtet, schafft die besten Voraussetzungen für einen komplikationslosen Heilungsverlauf.

Am Ende ist es wie so oft im Leben eine Frage der Vorbereitung. Wer sich erst am Tag der Operation Gedanken über die eigene Ernährung macht, hat wertvolle Wochen verschenkt, in denen der Körper hätte aufgetankt werden können. Sinnvoller ist es, das Thema frühzeitig anzugehen, im besten Fall gemeinsam mit dem behandelnden Arzt, der die individuellen Bedürfnisse einschätzen und gezielte Empfehlungen aussprechen kann. Für alle, die mehr dazu lesen möchten, lohnt sich ein Blick in weiterführende Fachbeiträge zum Thema. Die eigene Genesung dankt es einem doppelt.

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