Skip to main content
Home » Frauengesundheit » Endometriose & Adenomyose
Frauengesundheit

Endometriose & Adenomyose

Foto: Shutterstock, 2637647493

Endometriose und Adenomyose gehören zu den häufigsten, aber gleichzeitig am meisten unterschätzten gynäkologischen Erkrankungen. Viele Betroffene haben jahrelange Beschwerden, bevor überhaupt eine Diagnose gestellt wird. Das ist vor allem Folge struktureller Probleme, auch in der medizinischen Ausbildung.

Dr. med. Konstantin Wagner

Facharzt für Gynäkologie und Geburtsmedizin

Informative Videos auf YouTube!

Bei der Endometriose siedelt sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter an, zum Beispiel an Eierstöcken, Darm oder Bauchfell. Auch seltene Befunde außerhalb des Bauchraums sind beschrieben. Es handelt sich damit um eine Erkrankung des gesamten Körpers. Die Adenomyose ist eng verwandt, unterscheidet sich aber darin, dass dieses Gewebe in die Muskelschicht der Gebärmutter einwächst. Beide Erkrankungen gelten als chronisch entzündliche Schmerzerkrankungen. Sie sind nach heutigem Wissen nicht heilbar und können die Lebensqualität massiv einschränken. Häufig, aber nicht immer, reagieren die Herde auf hormonelle Schwankungen.

Typische Symptome sind starke, oft krampfartige Schmerzen, die zeitlich mit hormonellen Veränderungen zusammenhängen, etwa vor und während der Periode oder beim Eisprung. Die Schmerzen können in Rücken und Beine ausstrahlen und gehen deutlich über das normale Maß hinaus. Viele Betroffene berichten zusätzlich über Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, chronische Unterbauch- oder Beckenbodenschmerzen. Ein normaler Alltag ist an diesen Tagen oft kaum möglich. Auch sehr starke oder verlängerte Blutungen sind typisch, vor allem bei der Adenomyose. Hinzu kommen nicht selten Erschöpfung, Verdauungsprobleme oder ein unerfüllter Kinderwunsch.

Warum ist die Diagnose so schwierig?

Zum einen, weil Schmerzen während der Periode noch immer bagatellisiert werden. Aussagen wie „Das gehört eben dazu“ sind ein klassisches Beispiel für sogenanntes Medical Gaslighting. Zum anderen lassen sich Endometriose und Adenomyose im Ultraschall häufig nur schwer erkennen. Selbst moderne Bildgebung zeigt oft nur ausgeprägte Befunde. Lange Zeit war eine sichere Diagnose meist erst durch eine Bauchspiegelung möglich. Inzwischen ist bei typischer Symptomatik und entsprechender Bildgebung auch eine klinische Diagnose zulässig.

Was sich dringend ändern muss, ist die Aufmerksamkeit für zyklusabhängige Schmerzen.

Starke Periodenschmerzen sind nicht normal. Ärztinnen und Ärzte müssen früher nachfragen, ernst nehmen und gegebenenfalls spezialisierte Zentren einbinden. Gleichzeitig braucht es mehr Forschung. Aktuelle Studien zeigen zunehmend, dass Entzündungsprozesse und das Immunsystem eine größere Rolle spielen als lange angenommen.

Die Behandlung ist individuell und hängt von Symptomen, Lebensphase und Kinderwunsch ab. Eine wichtige Basis sollten entzündungshemmende Maßnahmen sein. Dazu zählen eine antientzündliche Ernährungsmedizin und eine gezielte Nahrungsergänzung, etwa mit Omega-3-Fettsäuren oder Vitamin D bei nachgewiesenem Mangel. Diese Ansätze ersetzen keine Therapie, können Entzündungsprozesse aber positiv beeinflussen. Ergänzend kommen hormonelle Therapien, zum Beispiel Gestagene oder kombinierte hormonelle Verhütung, infrage. Schmerztherapie, Physiotherapie und ein multimodaler Ansatz sind ebenfalls wichtig. Operative Eingriffe können sinnvoll sein, sollten aber natürlich in Absprache mit den behandelnden Ärzten sorgfältig abgewogen werden.

Mein wichtigster Rat: Wer das Gefühl hat, dass etwas nicht stimmt, sollte dranbleiben. Schmerzen sind kein normales Begleitphänomen des Zyklus.

Je früher Endometriose oder Adenomyose erkannt werden, desto besser lassen sich Beschwerden kontrollieren und Lebensqualität erhalten.

Weitere Einblicke finden Sie auf dem Instagram-Profil von Dr. med. Wagner

Illustration: Lea Hartmann

Next article