Atmen ist für uns selbstverständlich – bis es schwerfällt. Dabei gehören Erkrankungen der Atemwege weltweit zu den häufigsten Ursachen für Krankheit, eingeschränkte Lebensqualität und vorzeitige Todesfälle. Viele dieser Erkrankungen lassen sich heute jedoch verhindern, früh erkennen oder wirksam behandeln. Voraussetzung dafür ist vor allem eines: Wissen.

Prof. Dr. med. Jessica Rademacher
Besonders häufig sind chronische Erkrankungen wie Asthma und die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Bei der COPD gehen wir davon aus, dass im Jahr 2030 ca. 7,9 Millionen Menschen in Deutschland daran erkrankt sein werden.
COPD bleibt trotz großer therapeutischer Fortschritte eine oftmals fortschreitende Erkrankung und eine der häufigsten Todesursachen weltweit, obwohl sie in vielen Fällen vermeidbar wäre. Rauchen ist in Deutschland nach wie vor der wichtigste Risikofaktor, doch auch Luftverschmutzung, berufliche Schadstoffbelastungen und genetische Faktoren spielen eine Rolle.
Eine weitere regelhaft unterschätzte Erkrankung ist die obstruktive Schlafapnoe. Wiederholte Atemaussetzer während des Schlafs führen nicht nur zu Tagesmüdigkeit, sondern erhöhen langfristig auch das Risiko für Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Verkehrsunfälle. Viele Betroffene wissen jedoch nichts von ihrer Erkrankung, weil sie nachts auftritt und sich oft nur durch Schnarchen oder ausgeprägte Müdigkeit bemerkbar macht. Die zunehmende Verbreitung von Smartwatches eröffnet zudem neue Möglichkeiten der Früherkennung, da sie nächtliche Sauerstoffabfälle erfassen können.
MODERNE MEDIKAMENTE ERMÖGLICHEN VIELEN MENSCHEN MIT CHRONISCHEN LUNGENERKRANKUNGEN HEUTE EIN AKTIVERES LEBEN ALS NOCH VOR WENIGEN JAHREN.
Jedes Jahr fordern zudem Atemwegsinfektionen unser Gesundheitssystem heraus. Infekte mit Erregern wie Influenza, SARS-CoV2 oder RSV verlaufen bei den meisten Menschen unkompliziert, können für ältere Menschen sowie Patientinnen und Patienten mit chronischen Herz- oder Lungenerkrankungen jedoch lebensbedrohlich werden. Schwere Atemwegsinfekte können weit mehr als die Lunge betreffen.
Die Entzündungsreaktion im Körper erhöht vorübergehend auch das Risiko für Herzinfarkte. Impfungen, eine gute Kontrolle bestehender Lungenerkrankungen und einfache Hygienemaßnahmen gehören weiterhin zu den wirksamsten Möglichkeiten, schwere Krankheitsverläufe zu verhindern.
Seltener, aber für die Betroffenen oft besonders belastend sind Erkrankungen wie Bronchiektasen oder die Lungenfibrose. Beide führen häufig zu einer zunehmenden Einschränkung der Lungenfunktion und erfordern eine spezialisierte pneumologische Betreuung.
Bei allen genannten Erkrankungen gilt: Je früher die Diagnose gestellt wird, desto eher können moderne Therapien den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen.
Und das Gute ist: noch nie standen so viele Möglichkeiten zur Erhaltung der Lungengesundheit zur Verfügung. Ein Rauchstopp senkt das Risiko für zahlreiche Atemwegserkrankungen deutlich. Regelmäßige Bewegung stärkt die körperliche Belastbarkeit. Impfungen schützen vor schweren Infektionen. Und moderne Medikamente ermöglichen vielen Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen heute ein aktiveres Leben als noch vor wenigen Jahren.
Ebenso wichtig ist jedoch die Gesundheitskompetenz. Wer Warnzeichen wie anhaltenden Husten, zunehmende Atemnot, nächtliche Atemaussetzer oder wiederkehrende Atemwegsinfektionen ernst nimmt, sucht häufig früher ärztliche Hilfe, und verbessert damit oft seine Behandlungsmöglichkeiten. Die wichtigste Anlaufstelle bleiben Hausärztinnen und Hausärzte, sowie Fachärztinnen und Fachärzte für Pneumologie. Gleichzeitig informieren sich immer mehr Menschen über digitale Medien. Wissenschaftlich fundierte Gesundheitsportale, seriöse Inhalte in sozialen Medien oder moderne KI-gestützte Informationsangebote können helfen, medizinisches Wissen verständlich zu vermitteln. Sie ersetzen das persönliche Arzt-Patienten-Gespräch keinesfalls, können es aber ergänzen.
Lungengesundheit beginnt deshalb nicht erst mit der Behandlung einer Erkrankung. Sie beginnt mit Wissen: darüber, wie unsere Lunge funktioniert, welche Warnzeichen ernst genommen werden sollten und welche Möglichkeiten es heute gibt, Erkrankungen vorzubeugen oder erfolgreich zu behandeln. Denn gut informierte Menschen können ihre Gesundheit aktiv mitgestalten.
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Prof. Jessica Rademacher, Prof. Kathrin Kahnert und Dr. Christiane Mölgen sind Fachärztinnen für Pneumologie und Gründerinnen von PneumoPearls. Unter @pneumopearls vermitteln sie auf Social Media evidenzbasiertes Wissen zu Lungenerkrankungen verständlich und praxisnah.

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