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„Immer das große Ganze sehen“

Foto munyi.imagery via Shutterstock.com

Sandra Völker hat über 50 internationale Medaillen bei Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften und Europameisterschaften gewonnen. Im Interview spricht die Weltklasseschwimmerin über den ersten Schock, als sie von ihrer Asthmadiagnose erfuhr, und erklärt, warum es immer wichtig ist, zweigleisig zu fahren. 

Sandra Völker

Weltklasseschwimmerin mit über 50 internationalen Medaillen

Im Olympiajahr 2000 wurde bei Ihnen Asthma festgestellt. Wie kam es zur Diagnose? Hatten Sie (plötzlich) Probleme mit der Atmung?

Ich hatte schon vorher Probleme. Unter Belastung habe ich kaum Luft bekommen, ich hatte das Gefühl, mein Hals macht zu. Aus diesem Grund dachte ich anfangs auch, dass es etwas mit dem Hals zu tun hat. Asthma hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Ich habe meinem Physiotherapeuten davon erzählt und der hat mir einen Termin im Krankenhaus gemacht. Dort wurden verschiedene Tests gemacht, doch ohne Diagnose. Erst einige Monate später habe ich durch einen Histamintest die Diagnose Asthma erhalten. 

Was waren Ihre ersten Gedanken und Sorgen?

Das war hart für mich. Als ich die Diagnose hörte, war für mich klar, dass meine Karriere vorbei ist. Damals war es ja auch noch so, dass Asthmatiker quasi nicht als lebensfähig galten. Das hat sich zum Glück geändert. Und auch ich habe meine Meinung geändert und angefangen, mich mit der Krankheit auseinanderzusetzen. Das war auch mein Rettungsanker, denn ich habe begonnen, die Diagnose zu akzeptieren und sie in etwas Gutes umzuwandeln. Ich habe Asthma zu meinem Thema gemacht.

… und eine Stiftung für asthma- und allergiekranke Kinder gegründet. 

Ja, denn Trainer und Lehrer sollen eine entsprechende Ausbildung erhalten, damit sie lernen, wie man mit kleinen Asthmapatienten umgeht. Ich möchte als Leistungssportlerin beispielhaft dokumentieren, dass Sport auch von Asthmakranken bei richtiger Therapie betrieben werden kann.

Aufgeben kam für Sie nie infrage. Ein Jahr nach der Diagnose (2001) wurden Sie Weltmeisterin. Wie war das Gefühl, trotz Asthma solche Erfolge zu erzielen? 

Eigentlich genauso wie davor (lacht). Ich bin vor der Diagnose den Weltrekord über 50 Meter Rücken geschwommen, ohne zu wissen, dass ich Asthma habe. Und danach deutschen Rekord über 50 Meter Freistil mit dem Wissen, Asthmatikerin zu sein. 

Wie ging es nach Ihrer sportlichen Karriere weiter?

Ich habe mich immer mehr mit der Erkrankung auseinandergesetzt und bin auf die Suche nach dem Warum gegangen. Dadurch habe ich gelernt, dass es wichtig ist, Medikamente zu nehmen, aber auch die Komplementärmedizin nicht außer Acht zu lassen. Also Atemtherapie plus Medikamente, Akupunktur plus Medikamente usw. Ich weiß, dass beide Lager das nicht gern hören. Doch für mich ist das die Lösung für ein gutes Leben – trotz Asthma. Aus diesem Grund würde ich auch jedem Betroffenen empfehlen, immer zweigleisig zu fahren und sich nie mit dem Istzustand abzufinden. Also sich immer zu fragen: Wie kann ich noch besser zurechtkommen? Wie stärke ich mich noch mehr? 

Heute arbeiten Sie unter anderem als Speaker, Coach und Motivator. Wie kam es dazu?

Das ist aus meiner Leistungssportkarriere und meinen persönlichen Lebensumständen entstanden. Ich kenne sowohl Licht als auch Schatten. Anfangs habe ich nur Schwimmtraining gegeben, doch es war viel mehr. Die Menschen haben immer auch ihre persönlichen Themen mitgebracht. So hat das angefangen. Heute begleite ich Menschen dabei, den nächsten Schritt im Leben zu gehen. 

Der „Ein-Minuten-Aufsteh-Test“

Haben Sie häufiger Probleme mit Ihren Atemwegen? Beispielsweise durch Allergien, kaltfeuchte Luft oder bei körperlicher Belastung?  Dann machen Sie doch einmal folgenden Test:

Es wird ein sicher an der Wand stehender Stuhl mit einer Sitzhöhe von etwa 48 Zentimetern ohne Armlehnen benötigt. Ohne Hilfe der Arme müssen Sie nun versuchen, innerhalb einer Minute so oft wie möglich aufzustehen. Beim Aufstehen darauf achten, dass die Kniegelenke vollständig gestreckt werden. Dann setzen Sie sich wieder hin und stehen erneut ohne die Hilfe der Arme auf. 

Dieser Test kann einen Hinweis auf den Zustand der Lungenfunktion geben. In Studien schaffen Patienten zwischen 15 und 20 Wiederholungen pro Minute. Ist der Wert besser, wunderbar. Bei Werten unter 15 sollten Sie Rücksprache mit dem Hausarzt halten. 

Dieser Test sollte natürlich nicht von Menschen ausgeführt werden, die sich bei so einer Übung unsicher fühlen, gebrechlich sind, Probleme mit den Kniegelenken oder der Oberschenkelmuskulatur sowie neurologische Erkrankungen haben oder zu diesem Zeitpunkt unter einer nicht gut kontrollierten Atemwegserkrankung leiden. 

Bei Atemwegserkrankungen wie einem Asthma soll eine optimale Einstellung der Medikamente für eine gute Kontrolle des Asthmas sorgen. Bedarfsmedikamente zur Erweiterung der Bronchien sollen am besten gar nicht beziehungsweise nicht sehr häufig eingesetzt werden müssen.

Marina Oppermann

Deutscher Allergie- und Asthmabund e. V. (DAAB)

Quelle: Ein-Minuten-Aufsteh-Test, Taschenbuch „Luft nach oben“ von Dr. Michael Barczok, Bastei Lübbe AG, ISBN 978-3-7857-2631-0

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Leben mit schwerem Asthma: Gemeinsam aktiv werden

Reizhusten, Atemnot und eingeschränkte Ausdauer begleiten Menschen mit Asthma oft. „Ich fühlte mich wie eine Batterie, die vorher voll war und sich schlagartig entladen hat. Ich dachte oft, ich mache für meine Frau und meinen Sohn alles kaputt. Ich konnte zeitweise nichts machen und Urlaub war nicht möglich.“, so erging es Wolfgang mit seiner Asthma-Erkrankung. Doch sich damit abzufinden, war keine Option. Es kam der Punkt, da wollte er mehr. „So kann es nicht weitergehen. Das kann doch nicht alles (gewesen) sein – dazu bist du noch zu jung. Du willst doch noch mal etwas unternehmen können.“

Wer die Gelegenheit ergreift und Dinge anpackt, kann sie verändern – ob privat, im Job oder in der herausfordernden Situation mit einer chronischen Atemwegserkrankung, wie schweres Asthma. Laut Umfrage* versteckt fast die Hälfte (46 Prozent) aller Betroffenen mit unkontrolliertem Asthma die eigene Krankheit, um nicht als „anders“ wahrgenommen zu wer- den.** „Es ist eben einfach so“, denken viele Menschen mit schwerem Asthma.

Es ist Zeit für Veränderung!

Häufig geht die Asthma-Erkrankung mit Einschränkungen im Alltag einher. Der Lieblingssport kann nicht mehr weiterbetrieben werden, Urlaube müssen gut vorbereitet sein oder auch das einfache Treppensteigen kann zur Herausforderung werden. Aber das muss nicht sein. Die Initiative „Asthma-Aktivisten“ von Sanofi will zu neuem Mut, Optimismus und Selbstbewusstsein inspirieren, um das eigene Leben wieder in die Hand zu nehmen, statt sich von der Krankheit kontrollieren zu lassen. Deswegen engagiert sich die Initiative für ein klares „Ja“ zu einem aktiven Leben mit Asthma.

Der Startschuss: Asthma-Status überprüfen

Die Ersteinschätzung des Asthma-Status mithilfe des Asthma-Selbsttests ist dabei ein erster Schritt für einen positiven Veränderungsprozess. Das Ergebnis gibt einen Hinwies darauf, ob die Erkrankung möglicherweise nicht gut kontrolliert ist. Untersuchungen zeigen, dass die Mehrheit der Menschen mit Asthma ihre Asthma-Kontrolle subjektiv nicht richtig einschätzen können. Sie geben an, dass ihr Asthma gut kontrolliert sei, obwohl dies nicht immer der Fall ist. Das kann unter- schiedliche Gründe haben. Manch- mal werden Situationen, in denen Asthma-Auslöser befürchtet werden, vermieden. Das kann der Spaziergang mit Freunden sein oder sportliche Aktivitäten, die nicht mehr regelmäßig ausgeübt werden. Symptome der Asthma-Erkrankung, wie Kurzatmigkeit, Husten und Engegefühl in der Brust werden hingenommen, ohne mit der behandelnden Lungenfachärztin oder dem behandelnden Lungenfacharzt darüber zu sprechen.

Mit nur vier Fragen zu Beschwerden, Schlaf, Einschränkungen im Alltag und Häufigkeit der Bedarfsmedikation lässt sich schnell und einfach überprüfen, ob das Asthma möglicherweise unkontrolliert ist. Das Ergebnis bietet eine gute Ausgangsbasis für das Gespräch mit der Lungenfachärztin oder dem Lungenfacharzt. So besteht die Möglichkeit, die Therapie an die Situation des Betroffenen anzupassen.

Offenheit im Arztgespräch lohnt

Für eine passgenaue Behandlungsoption ist eine aktive Rolle der Betroffenen im Arztgespräch erforderlich. Fragen sollten gestellt, Beschwerden und Einschränkungen besprochen sowie Sorgen und Ängste mitgeteilt werden. Ein Asthma-Tagebuch beispielsweise kann helfen, den Krankheitsverlauf besser zu verstehen. Es können unter anderem Symptome, Häufigkeit des Bedarfsmedikaments, sowie Auslöser (z. B. Pollen, Lebensmittel etc.) fest- gehalten werden. Auch dafür bieten die Asthma-Aktivisten Unterstützung mit einer Vorlage für ein Tagebuch. Zudem geben Betroffene, als auch eine Lungenfachärztin hilfreiche Tipps für ein erfolgreiches Arztgespräch. Für Wolf- gang, der schon lange mit der Asthma- Erkrankung lebt, hat die aktivere Rolle im Arztgespräch viel verändert. Durch eine Therapieanpassung hat sich vieles zum Positiven entwickelt: „Ich habe mein altes Leben zurück. Letztes Jahr bin ich zum ersten Mal wieder 5 km gelaufen.“ Es lohnt sich, aktiv zu werden – nicht nur im Arztgespräch.

Bewusster leben – leichter atmen

Wie schon mit kleinen Veränderungen das Leben mit Asthma erleichtert werden kann, wird auf der Website Asthma-Aktivisten.de auf vielfältige Weise beschrieben. Neben Informationen zum Arztgespräch gibt es mehr rund um das Leben mit Asthma, wie beispielsweise auch Sport. Denn regelmäßiger Sport kann die körperliche Belastbarkeit verbessern. „Asthma und Sport – das passt zusammen und kann weitere positive Effekte für Menschen mit Asthma haben. Mit gut eingestelltem Asthma und langsamen Belastungssteigerungen ist Bewegung das Beste, was jeder für sich und seinen Körper unterstützend tun kann.“, so der Sport-Experte Dr. Rainer Glöckl. Er erläutert auf der Website auch, wie der innere Schweinehund überwunden werden kann und verrät sein persönliches Erfolgsrezept, um dauerhaft dran zu bleiben.

Du hast das Gefühl, Dein Asthma kontrolliert Dein Leben?
Entdecke, wie andere mit ihrer Erkrankung umgehen, und hole Dir Tipps zu alltagsrelevanten Themen von Betroffenen und Experten unter:


Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit SANOFI entstanden.

* Umfrage unter 306 Teilnehmern (51 Prozent Männer, 49 Prozent Frauen) mit unkontrolliertem Asthma, wie schwerwiegend der Einfluss der Erkrankung auf den Alltag ist. Auftraggeber der Befragung ist Sanofi.

** Die Frage wurde von 144 Teilnehmern beantwortet.

MAT-DE-2200914-1.0-03/2022

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