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Luft und Lunge

Unsere Lunge – einfach atemberaubend!

Foto: Monkey Business Images via Shutterstock

Priv.-Doz. Dr. med. habil. Kai-Michael Beeh

Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie Institut für Atemwegsforschung GmbH und Privatpraxis für Pneumologie, Wiesbaden.

Privatdozent Dr. med. Kai-Michael Beeh ist Internist und Pneumologe. 2004 gründete er das insaf Institut für Atemwegsforschung in Wiesbaden. Seit 2021 ist er zudem in eigener Privatpraxis ambulant tätig. Er ist Autor des Sachbuchs „Die atemberaubende Welt der Lunge“ (Heyne Verlag 2018) und zahlreicher Artikel in Fachzeitschriften sowie Mitautor und Herausgeber von Standard-Lehrbüchern. Als Experte für Atemwegserkrankungen ist Dr. Beeh ein gefragter Vortragsredner und in den Medien als Interviewpartner zum Thema Lungengesundheit präsent. 

Weitere Informationen unter: p3beeh.de

Einfach tief durchatmen und Luft holen – für die meisten Menschen ist das eine Selbstverständlichkeit. Tatsächlich verbirgt sich dahinter ein komplexes Wunder der Natur, das sich mit jedem Atemzug wiederholt – bis zu 20.000 Mal am Tag. An den Steuerhebeln dieses Wunders sitzt ein Organ, von dem viele seiner Eigentümer allerdings nur eine sehr vage Vorstellung haben.

Sie zwickt nicht wie ein krankes Knie, pulsiert nicht wie ein aufgeregtes Herz und ist für das Auge unsichtbar – unsere Lunge. Dabei lohnt sich auch in einer Zeit, in der das Zurschaustellen äußerer körperlicher Merkmale in sozialen Medien zur Selbstverständlichkeit geworden ist, ein genauerer Blick auf unsere „Inneren Werte“. 

Wer das sensible System der Atmung zu begreifen lernt, wird ein natürliches Interesse daran entwickeln, das wunderbare Organ „Lunge“ möglichst lange funktionsfähig zu erhalten. Atmung ist viel mehr als nur die reine Bereitstellung von Sauerstoff zur Energiegewinnung in Muskulatur und Gehirn. Sie ist die Verbindung unserer inneren Lebenswelt mit dem Außen und für viele Menschen seit Jahrhunderten ein Zugang zu Ruhe, Ausgeglichenheit und Spiritualität. 

Welche zum Teil gravierenden Folgen es für Betroffene haben kann, wenn der empfindliche Prozess der Atmung durch krankhafte Veränderungen der Lunge und Atemwege gestört wird, zeigen die Beispiele dieser Sonderpublikation. Sie zeigen aber vor allem auch, wie sich aus einem profunden wissenschaftlichen Verständnis der Atmungsphysiologie erfolgreich wirksame Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit Lungenerkrankungen entwickeln lassen. Gerade hier besteht ein großer Bedarf, denn: Lungenerkrankungen nehmen weltweit zu. 

Dieser alarmierende Trend resultiert zumindest teilweise auch aus der Unachtsamkeit, mit der wir unser (flächenmäßig) größtes Organ behandeln. Die gleiche Luft, die unserem Organismus als Lebens- und Energiespender dient, ist für die Lunge zugleich eine Bedrohung. Mit jedem Atemzug muss sie Viren, Bakterien, Luftschadstoffe wie Feinstaub oder Allergene abwehren und sich häufig noch mit Zigarettenrauch oder anderen „Genussmitteln“ herumplagen. Wie kein zweites Organ ist die Lunge durch Umwelt und Lebensführung gefährdet – und trotzdem schafft sie es auf erstaunliche Weise, bei den meisten Menschen lebenslang bis ins hohe Alter funktionsfähig zu bleiben. Dabei sollten wir sie nach Kräften unterstützen. Mit sauberer Luft, Bewegung und gesunder Lebensführung. 

Merken wir uns: Freies, unbeschwertes Atmen ist nicht immer eine Selbstverständlichkeit!

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Allergien

Wie gut ist die Luft, die wir atmen?

Ohne Luft um uns herum können wir nicht leben. Wir atmen sie ständig und mit ihr auch darin enthaltene Schadstoffe. Die bekanntesten und für die Gesundheit am relevantesten sind Feinstaubpartikel (PM10, PM2.5, ultrafeine Partikel), Stickstoffdioxid (NO2) und Ozon (O3). Die Hauptquellen von Luftschadstoffen sind der Verkehr, die Industrie, die Energieerzeugung und der Hausbrand.

Dr. Myriam Tobollik

Gesundheitswissenschaftlerin beim Umweltbundesamt

Feinstaubpartikel lösen Entzündungen und Stress in menschlichen Zellen aus, die zu akuten und chronischen Gesundheitsschäden führen können. Die Weltgesundheitsorganisation hat festgestellt, dass derzeit keine Feinstaubkonzentration benennbar ist, unterhalb derer eine schädigende Wirkung ausgeschlossen werden kann. Akute, über Stunden oder wenige Tage anhaltende Belastungen können zu Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und zu vermehrten Krankenhauseinweisungen, meist aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, führen. Chronische Belastungen über einen Zeitraum von Monaten und Jahren können sich auf die Atemwege, das Herz-Kreislauf-System, den Stoffwechsel und das Nervensystem auswirken. Damit kann Feinstaub mitverantwortlich sein für Erkrankungen wie zum Beispiel Asthma bronchiale, Arteriosklerose, Diabetes mellitus Typ 2 oder Demenz, und eine erhöhte chronische Feinstaubbelastung führt zu einer erhöhten Gesamtsterblichkeit. Insbesondere für Menschen mit vorgeschädigten Atemwegen und für ältere Personen, aber auch für Kinder mit ihren in der Entwicklung befindlichen Atemwegen ist das Risiko gesundheitlicher Schäden durch Feinstaub erhöht. 

Stickstoffdioxid als Reizgas kann bei hohen Konzentrationen insbesondere zu obstruktiven, das heißt die Atemwege verengenden Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale führen oder bestehende Atemwegserkrankungen verschlimmern. So kann Stickstoffdioxid die Wirkung von Allergenen auf allergisches Asthma verstärken. Hohe Stickstoffdioxidkonzentrationen führen zu vermehrten Krankenhauseinweisungen. Eine längerfristige Belastung kann zu einer erhöhten Gesamtsterblichkeit führen. Menschen mit Asthma sowie Kinder und ältere Menschen sind im Allgemeinen einem größeren Risiko für die gesundheitlichen Auswirkungen von Stickstoffdioxid ausgesetzt. Die gesundheitlichen Wirkungen von Ozon bestehen in einer verminderten Lungenfunktion, Atemwegsbeschwerden und der Gefahr der Ausbildung einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung. Bei körperlicher Anstrengung unter erhöhten Ozonkonzentrationen können sich diese Wirkungen verstärken. Empfindliche oder Personen mit vorgeschädigten Atemwegen wie zum Beispiel Personen, die an Asthma bronchiale leiden, sind besonders anfällig.

Belastungssituation in Deutschland

Die Konzentrationen von Feinstaub, Stickstoffdioxid und Ozon sind in den letzten Jahren in Deutschland kontinuierlich zurückgegangen. Dennoch liegen die derzeitigen Konzentrationen größtenteils über den aktuellen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation. Diese hat im Jahr 2021 ihre Richtwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit aktualisiert. So soll der Jahresmittelwert für Feinstaub (PM2.5) 5 µg/m³ nicht überschreiten. Dies war jedoch bei 99 Prozent der Messstationen in Deutschland im Jahr 2020 der Fall. Gleiches gilt für den Tagesmittelrichtwert von 15 µg/m³. Im Fall von Stickstoffdioxid überschritten im Jahr 2020 83 Prozent der Messstationen den aktuellen Jahresmittelrichtwert von 10 µg/m³. Den Tagesmittelrichtwert von 25 µg/m³ überschritten 76 Prozent der Stationen. Bei Ozon lagen im Jahr 2020 fast alle Messwerte über den aktuellen lang- und kurzfristigen Richtwerten der Weltgesundheitsorganisation.

Wie gut ist also die Luft, die wir atmen?

Fazit: Die Luft, die wir in Deutschland atmen, ist in den letzten Jahren wesentlich besser geworden im Hinblick auf die Belastung mit Luftschadstoffen. Im Sinne des vorbeugenden Gesundheitsschutzes sollte die Belastung weiter reduziert werden.

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