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Männer, bleibt gesund!

Der Arzt sagte: „Wir kriegen das hin.“

Photo: SewCream via shutterstock

Dieter R.

lebt seit Jahren mit Prostatakrebs

Im Gespräch mit Blue Ribbon Deutschland berichtet Dieter R., der an Prostatakrebs erkrankt ist, von den Höhen und Tiefen seiner Behandlung – und wie er trotz allem immer an seiner Lebensfreude festgehalten hat. 

Wie sind Sie auf die Erkrankung aufmerksam geworden? War das im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung, war es ein Zufallsbefund oder hatten Sie Beschwerden?

DR: Ich war immer regelmäßig bei den jährlichen Vorsorgeuntersuchungen, inklusive PSA Tests. Bis zwei Jahre vor meiner Operation war dieser Wert bei mir auch total in Ordnung. Bei der letzten Untersuchung im Jahr 2007, kurz nach meinem 63. Geburtstag, hat sich ein leicht erhöhter Wert ergeben. Mein Arzt schickte mich zu einer Spezialistin. Dort wurde festgestellt, dass die Prostata vergrößert war und mir wurde eine Biopsie empfohlen. 8 von 12 Proben waren befallen. Es war eine ganz eigenartige Entwicklung, kein Versäumnis. Ich habe mich, wie schon gesagt, jährlich vorsorglich untersuchen lassen.

Ich habe mich dann für eine Operation entschieden. Mir war wichtig, einen Operateur zu finden,  der dafür bekannt ist, nervenerhaltend zu operieren. Bei der Operation können ja einige Schwierigkeiten auftreten und auch bleibende Schäden verursacht werden. Die Ärztin machte mir noch den Vorschlag, es alternativ zunächst mit Medikamenten zu versuchen. Das habe ich abgelehnt. Ich hatte mich diesbezüglich auch mit meiner Lebensgefährtin abgestimmt, die den Eingriff ebenfalls für einen vernünftigen Entschluss hielt. Einfach „Nägel mit Köpfen machen“, das ist meine Art. Ich treffe gern rasche Entscheidungen, denn mit solchen Unsicherheiten will ich nicht leben. Im Juni, pünktlich zu meinem Ruhestand, kam ich ins Krankenhaus.

War Ihnen das in der Situation wirklich alles so klar?

Ja, denn wenn etwas Gefährliches da ist, muss es weg! Das ist meine Einstellung. Die Operation verlief sehr gut, alles war ok. Es wurde nervenerhaltend operiert und ich war guten Mutes. Der Empfehlung, in eine spezielle Nachsorge zu gehen, bin ich gerne gefolgt. Das Hauptproblem, die Inkontinenz, trat bei mir nicht auf – es war perfekt. Ich wurde entlassen und bin kurz darauf ins Saarland gezogen. Das war so oder so geplant. Nach einigen Monaten, ich hatte mir zwischenzeitlich vor Ort einen neuen Urologen und weitere Ärzte gesucht, stieg der PSA Wert wieder an. Hätte er nach einer Operation nicht gedurft. Ich hatte vor der Operation in München zudem ein Knochen CT machen lassen, welches völlig in Ordnung war, es waren keine Metastasen vorhanden. Der kompetente und aufmerksame Urologe im Saarland ließ allerdings nicht locker, da der PSA Wert weiterhin anstieg. Er wollte mir Tabletten verschreiben, zu deren Nebenwirkung Potenzstörungen gehören. Ich holte mir eine zweite Meinung eines anderen Urologen ein, dessen Vorschlag eine großflächige Bestrahlung war. Das lehnte ich allerdings ab, weil der genaue Herd nicht definiert werden konnte, und wegen der Gefahr der Inkontinenz. Das wäre das Schlimmste für mich gewesen. Mit dem Gedanken, dass die „Männlichkeit“ dahin sein würde, konnte ich leben. Also nahm ich die Medikamente, wie mit meinem Urologen besprochen. Da der PSA Wert zwar erhöht, aber noch im Rahmen war, wollten wir es damit versuchen. „Wie ist die Chance?“, fragte ich. Und er sagte: „Wir kriegen das hin.“  – und so war es zunächst auch.

Wie ging es weiter?

Über viele Jahre gab es bei den Werten ein Auf und Nieder im akzeptablen Bereich. Der Arzt empfahl schließlich eine Hormontherapie. Alle zwei Monate wurde ich untersucht … und der Wert stieg weiterhin an. Als der PSA Wert auf 50 angestiegen war, riet mir der Urologe zur Chemo. Das behagte mir gar nicht und ich wollte mich erst einmal weiter darüber informieren. Parallel dazu gab mir meine Hausärztin den Tipp, mich an eine Klinik für Onkologie zu wenden, in der mit Hyperthermie und komplementärer Medizin gearbeitet wird. Das hat bei mir hervorragend funktioniert. Hyperthermie ist eine Wärmeanwendung, die gezielt die Krebszellen unter extremer Hitze abtötet. Dadurch ging der PSA Wert wieder runter. 

Doch dann wurde der Krebs aggressiver. Ich begann mit einer Chemotherapie. Bis auf die Tatsache, dass meine Haare ausgefallen sind, fühlte ich mich sehr fit. Ich denke, das ist auch auf die Begleitmaßnahmen in der Klinik zurückzuführen, mit denen das psychische Gleichgewicht und das gesamte Immunsystem gestärkt werden. Ich habe mich damit abgefunden, dass ich nicht mehr gesund werde, aber gut leben kann. Der Krebs war ruhiggestellt, zugleich blieb meine Lebensqualität erhalten.

Sie machen nicht den Eindruck eines kranken Menschen.

Meine Partnerin und ich haben immer das Beste aus unserer Situation gemacht, wir sind viel gereist, gewandert und mit dem Wohnmobil gefahren. Bis der PSA Wert extrem stark anstieg und starke Schmerzen auftraten. Ich wusste nicht, ob ich gehen, liegen oder sitzen sollte. Ich konnte kaum mehr schlafen, wenn überhaupt nur mit Hilfe von Schmerzmitteln. Die Hyperthermie und die sonst so wirksamen komplementären Medikamente haben nicht mehr geholfen.

Mir wurde eine Schmerztherapie nahegelegt, bei der nukleare Substanzen ambulant als Infusion verabreicht werden. Das war meine Rettung. Erfreulicherweise hat mein Körper sofort reagiert, bereits nach zwei Infusionen war ich fast schmerzfrei. Nach sieben Infusionen war ich komplett schmerzfrei, ich konnte wieder normal gehen und der PSA Wert sank drastisch. Meine Lebensfreude und mein Optimismus waren wieder zurück. Es folgte eine Therapie, bei der stärkere nukleare Substanzen stationär verabreicht wurden. Der Behandlungserfolg grenzte für mich an ein Wunder, das verdeutlichte die PSA Kurve, und das wurde auch ganz klar, wenn man die Bilder des PET CT betrachtete.

Ich habe einen inzwischen sehr langen Prozess durchlebt. Ich weiß, dass das für einen gesunden Menschen dramatisch wirkt, vor allem bezogen auf die Dauer. Doch ich möchte aufzeigen, dass ich während dieser Zeit und trotz meiner Erkrankung ein Leben mit hoher Lebensqualität und Lebensfreude führen konnte – und kann. Ich möchte gerne allen betroffenen Männern den Rat geben: Verliert nicht den Mut, denkt positiv! Erkundigt euch, wo die kompetentesten Spezialisten tätig sind. Informiert euch! Und holt immer mindestens zwei Meinungen zu den notwendigen Behandlungen ein.

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