Hodenkrebs betrifft vor allem Männer im Alter zwischen 25 und 45 Jahren, in Deutschland erkranken jährlich etwa 4.000 bis 4.300 daran – Fußballprofi Niklas Kreuzer ist einer von ihnen. Er spricht mit uns offen über seine Diagnose, die Chemotherapie und warum Männer keine Angst vor Vorsorge haben sollten.
Welche ersten Symptome oder Veränderungen haben Sie bemerkt und wie haben Sie diese damals eingeordnet? Wie war der Weg vom ersten Arztbesuch bis zur Diagnose und anschließenden Behandlung?
Ich hatte keinerlei Beschwerden, sondern bemerkte eines Abends beim Abtasten meines rechten Hodens zufällig einen kleinen Knubbel, etwa wie ein Pickel. Zunächst dachte ich mir nichts dabei, doch ein, zwei Tage später war er immer noch da. Da kamen erste Gedanken auf – vielleicht eine harmlose Zyste? Um sicherzugehen, wollte ich das ärztlich abklären lassen. Beim Urologen wurde ein Ultraschall gemacht, und als er mir sagte, dass es sich um einen Tumor handelt, war das ein Schock.
Direkt nach dem Termin wurde ich ins Krankenhaus überwiesen, wo weitere Untersuchungen wie MRT, Bluttests und Urinproben folgten. Schon am nächsten Tag wurde der Tumor operativ entfernt, um festzustellen, ob er bösartig war – was sich eine Woche später bestätigte. Zunächst war ich erleichtert, dass keine Metastasen gefunden wurden und meine Tumormarker unauffällig blieben, wodurch ich wohl keine Chemotherapie gebraucht hätte. Doch kurze Zeit später stiegen die Werte plötzlich stark an – damit war klar, dass ich vier Zyklen Chemotherapie durchlaufen musste, über rund sechs Monate. Eine Woche Krankenhaus, eine Woche zu Hause zur Erholung – dieser Rhythmus war körperlich und seelisch extrem belastend.
Wie verlief der Genesungsprozess und wie geht es Ihnen heute?
Die Chemotherapie war eine enorme Herausforderung. Ich verlor fast alle Haare, nahm stark ab und litt unter ständiger Übelkeit. Ich war körperlich ausgelaugt, die Muskelmasse verschwunden, das Training unmöglich – das war für mich als Sportler schwer zu akzeptieren. Emotional war es eine der härtesten Zeiten meines Lebens. Ich hatte vorher nie Angst – weder im Sport noch privat. Doch plötzlich stand ich vor etwas, das ich nicht kontrollieren konnte. Ich hatte Angst um mein Leben und davor, dass meine kleine Tochter ohne Vater aufwächst. Um mit diesen Gedanken umzugehen, suchte ich psychologische Hilfe.
Zwischen Diagnose im August 2023 und Genesung im Januar 2024 schottete ich mich von der Öffentlichkeit ab. Ich wusste, dass viele für mich da gewesen wären, aber ich wollte das allein bewältigen. Beruflich war die Erkrankung natürlich ein Einschnitt. Auch wenn ich Anfang Januar wieder als genesen galt, war ich körperlich noch lange nicht bei 100 Prozent. Es dauerte Monate, bis ich wieder an meine alte Leistungsfähigkeit anknüpfen konnte – das verlangte mir Geduld und Durchhaltevermögen ab. Heute geht es mir zum Glück sehr gut. Ich habe mich vollständig erholt und bin dankbar, wieder in meinem Alltag und auf dem Platz stehen zu können. Natürlich bleibt eine gewisse Vorsicht:

Alle drei Monate gehe ich zur Kontrolle, um sicherzugehen, dass der Krebs nicht zurückkehrt – das gibt mir Sicherheit.
Was möchten Sie anderen Betroffenen mitgeben?
Wenn ich heute zurückblicke, weiß ich, dass ich damals einen Fehler gemacht habe: Ich habe mich komplett abgeschottet und mein Leben der Krankheit untergeordnet. Das hat mich psychisch stark belastet. Deshalb rate ich anderen, ihr Leben so normal wie möglich weiterzuführen – Ablenkung, Bewegung und soziale Kontakte helfen, nicht im negativen Denken zu versinken.
Nach der Erkrankung habe ich mein Leben bewusster gestaltet: Ich achte auf gesunde Ernährung, auf meinen Körper und auf ein ausgeglichenes Leben. Und ich möchte allen mitgeben: Habt keine Angst, zum Arzt zu gehen. Wer Veränderungen frühzeitig bemerkt und sich untersuchen lässt, kann durch eine rechtzeitige Diagnose sein Leben retten.





