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Männer, bleibt gesund!

PROSTATAKREBS – UND WAS DANACH KOMMT

Volker Wittkamp, Facharzt für Urologie und Chefarzt der ambulanten uroonkologischen Rehaklinik medicos AufSchalke, Gelsenkirchen

Warum die Reha nach der OP kein Luxus, sondern Teil der Therapie ist.

Viele Männer mit der Diagnose Prostatakrebs erzählen eine ähnliche Geschichte, wenn sie bei uns in der ambulanten Reha auftauchen: Zuerst der erhöhte PSA-Wert, dann das MRT, anschließend die Biopsie – und schließlich die Diagnose. Es folgt die Operation oder Bestrahlung. Ein Ablauf, der sich fast schon wie ein Protokoll liest.

Doch so ähnlich die medizinischen Wege auch sind – was die Krankheit mit jedem Einzelnen macht, ist völlig unterschiedlich. Alter, Lebenssituation, Vorerkrankungen, Familie – all das spielt eine Rolle. Und oft wird den Betroffenen erst dann wirklich klar, was passiert ist, wenn alles „überstanden“ scheint. Wenn die OP vorbei ist, der Arzt Entwarnung gibt – und man plötzlich mit den Folgen lebt. Denn nach der heilenden Therapie beginnt für viele erst die eigentliche Arbeit.

Nach einer Prostata-OP ist nichts mehr ganz wie vorher. Der Körper fühlt sich fremd an. Wasserlassen funktioniert nicht wie gewohnt – mal tröpfelt es, mal gar nicht. Der Schließmuskel, der jahrelang zuverlässig seinen Dienst getan hat, ist nach der OP geschwächt, die Nervenfasern für die Erektion ebenfalls. Erst jetzt merkt man, wie viel man vorher einfach als selbstverständlich hingenommen hat. Und oft kommen noch Erektionsstörungen hinzu.

Viele Männer reagieren darauf mit Scham. „Ich bin doch kein alter Mann“, höre ich oft. Oder: „Das hätte ich nie gedacht, dass mir das passiert.“ Aber Inkontinenz nach einer Operation ist keine Schwäche – sie kann eine normale Folge des Eingriffs darstellen, auch wenn die Operationsverfahren immer besser werden und der Anteil von Patienten mit keiner oder kaum vorhandener Inkontinenz immer größer wird. Der Körper hat einen Teil seines Schließmechanismus verloren, jetzt muss der Rest übernehmen. Das braucht Zeit, Geduld und Training.

Reha heißt: aktiv werden, nicht warten

Reha bedeutet nicht: drei Wochen Schonung und mittags Kaffee mit Sahnetorte. Reha ist Therapie. Jeden Tag. Im Mittelpunkt steht das Kontinenztraining – also das gezielte Wiedererlernen der Schliessmuskelfunktion. Viele Männer wissen anfangs gar nicht, wo dieser Muskel sitzt. Spätestens in der Reha spüren sie ihn – durch physiotherapeutische Anleitung, Biofeedback und konsequentes Üben. Dazu kommen Bewegungstherapie, ärztliche Betreuung und Gespräche. Denn körperliche Erholung funktioniert nicht ohne Kopf.

Und genau der Kopf spielt mit

Viele Männer reden nicht gern über das, was „untenrum“ nicht funktioniert. Potenzverlust, Selbstzweifel, Angst vor dem Rückfall – Themen, die man am liebsten verdrängt. Aber genau hier beginnt der zweite Teil der Reha: die psychische Stabilisierung. Wer offen über seine Sorgen spricht, findet Wege, besser damit umzugehen. Diese Gespräche können in ärztlichen Visiten stattfinden, in psychologischen Terminen – oder einfach beim Stück Sahnetorte mit anderen Betroffenen. Die ist natürlich erlaubt! Das hat nichts mit Esoterik zu tun, sondern mit Medizin. Denn psychischer Druck beeinflusst Heilung und Lebensqualität – und beides ist entscheidend.

Ziel: Alltag, aber anders

Am Ende der Reha kann im besten Fall der alte Zustand wiederhergestellt werden. Manchmal geht es aber auch darum, einen neuen Normalzustand zu finden, der funktioniert – bis der alte wieder erreichbar ist. Die meisten Männer werden wieder kontinent und sexuell aktiv. Und selbst wenn manches anders bleibt, entsteht mit der Zeit Routine. Reha hilft, diesen Weg geordnet zu gehen – mit Menschen, die wissen, wovon sie sprechen, und mit anderen Männern, die im selben Boot sitzen.

Und danach?

Nach der Reha ist nicht Schluss. Wer die Übungen weitermacht, regelmäßig trainiert und die Nachsorge wahrnimmt, hat gute Chancen auf ein stabiles Ergebnis. Viele Männer sagen rückblickend: „Ich hätte nicht gedacht, wie wichtig diese Wochen waren.“ Und genau das ist der Punkt:

Die Operation entfernt den Tumor.

Die Reha bringt das Leben zurück.

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