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Männer, bleibt gesund!

Ungewollter Harnverlust? Dagegen lässt sich viel tun!

Photo: vchal via shutterstock

Prof. Dr. Andreas Wiedemann

Chefarzt der Klinik für Urologie Evangelisches Krankenhaus Witten, Mitglied im Expertenrat der Deutschen Kontinenz Gesellschaft
(Foto: Prof. Andreas Wiedemann)

Keine Panik, wenn die Blase macht, was sie will. Viele Männer haben damit zu tun. Mein Rat: Werden Sie aktiv, lassen Sie die Ursache vom Urologen klären. Er weiß, wie man das Thema wieder in den Griff bekommt.

Das Risiko für eine Harninkontinenz steigt mit dem Alter. Noch in den mittleren Lebensjahren leiden weit mehr Frauen als Männer darunter. Ab 70 Jahren aber liegt der Anteil der Betroffenen bei beiden Geschlechtern mit je 40 Prozent auf einem gleich hohen Niveau. Doch jeder kann sein persönliches Inkontinenz-Risiko senken, indem er Symptome ernst nimmt und sie von einem Facharzt möglichst frühzeitig klären und behandeln lässt.

Der häufigste Grund für Kontinenzprobleme bei Männern ist eine gutartig vergrößerte Prostata. Die allmähliche Wandlung der Vorsteherdrüse hat nichts mit Krebs zu tun und beginnt bei einigen bereits ab einem Alter von rund 40 Jahren. Das Problem dabei: Aufgrund der Volumenzunahme der Prostata wird in vielen Fällen die Harnröhre, die mittig durch das kastaniengroße Organ verläuft, eingeengt. Das kann zu einer Reizblase führen oder das vollständige Entleeren der Blase nachhaltig beeinträchtigen. Die Folgen beider Störungen sind ähnlich und oft mit unkontrolliertem Harnverlust verbunden. Typisch ist: Häufiges Müssen am Tag und in der Nacht, wobei der Harndrang möglicherweise so überfallartig und heftig aufkommt, dass die Toilette nicht mehr rechtzeitig zu erreichen ist. Daneben können Blasenfunktionsstörungen auch durch neurologische Erkrankungen wie Parkinson, multiple Sklerose oder Schlaganfall ausgelöst werden. Die Gefahr von unkontrollierbarem Harnverlust besteht darüber hinaus nach einer operativen Entfernung der Prostata, etwa wegen Krebs. 

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Die gute Nachricht ist: Alle Arten der Inkontinenz sind behandelbar. Dabei gilt die Maxime: Je früher, desto besser. Die ersten Symptome einer Prostatavergrößerung zeigen sich etwa durch Schwierigkeiten beim Wasserlassen: Trotz Harndrang kommen nur Tröpfchen. Oder man muss zunehmend häufiger auf die Toilette, auch nachts, und das ohne lange Vorwarnfrist. Dann sollte ein Urologe aufgesucht werden, auch um eine eventuell schwerwiegende Erkrankung auszuschließen. Nach einer unkomplizierten Untersuchung, etwa mit Abtasten der Prostata, Blutentnahme zur PSA-Wert-Bestimmung und Ultraschall, weiß der Facharzt, was hinter der jeweiligen Störung steckt, welche Maßnahmen sinnvoll sind. 

Leichte Beschwerden lassen sich etwa schon mit einem veränderten Trinkverhalten beheben. Zur Behandlung von Prostataproblemen stehen im ersten Schritt zahlreiche Medikamente zur Auswahl. Nach einer Prostata-OP kann zum Beispiel auch eine Physiotherapie die Blasenkontrolle weitgehend wiederherstellen. Verschiedene Hilfsmittel, etwa Vorlagen, sorgen für Sicherheit und ermöglichen uneingeschränkte Mobilität, bis die Behandlungen ihre volle Wirkung erreicht haben. Für eine optimale Anpassung solcher Hilfsprodukte ist ebenso eine individuelle Beratung notwendig. So gibt es für jede Situation und jedes Problem im Harntrakt Lösungen, die einen Alltag mit hoher Lebensqualität ermöglichen.

Information für Betroffene

Auf der Website der Deutschen Kontinenz Gesellschaft finden Sie umfangreiche Informationen zu Harn- und Stuhlinkontinenz. Dazu örtliche Adressen von anerkannten ärztlichen Beratungsstellen sowie zertifizierten Kontinenz- und Beckenboden-Zentren.
www.kontinenz-gesellschaft.de

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