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Männer, lasst uns reden!

„Ohne Vorsorgeuntersuchung wären wir heute wahrscheinlich tot“

Foto: OpenMinded Webkonzepte GmbH

Michael (MR) und Uli Roth (UR) waren 47 Jahre alt, als sie die Diagnose Prostatakrebs erhielten. Wie sie damit umgegangen sind und was sie allen Männern raten, erzählen sie im Interview.

Sie standen mitten im Leben, als Sie von der Diagnose Prostatakrebs erfuhren. Was war Ihre erste Reaktion? Welche Gedanken gingen in Ihnen vor?

Michael: Für mich war das natürlich ein Schock. Als der Arzt mir die Diagnose mitteilte, war ich wie in einem Tunnel. Ich machte mir Gedanken über meine Familie, meinen Lebensstil, aber auch über Impotenz.

Uli: In diesem Moment bekommt man viele Informationen zum weiteren Vorgehen gar nicht richtig mit. Daher raten wir jedem, bei den folgenden Gesprächen auf jeden Fall einen Familienangehörigen oder Freund mitzunehmen, damit nichts überhört wird. Letztendlich ist es müßig, sich zu fragen: „Warum gerade ich?“ Je schneller man die Situation annimmt und sich die folgenden Schritte überlegt, desto besser.

Sind Sie beide gleichzeitig erkrankt?

Michael: Ja, wir sind fast gleichzeitig erkrankt. Durch unsere Sportler-Laufbahn waren wir es gewohnt, regelmäßig ärztliche Checks zu machen. Im Zuge dessen haben wir zum Glück auch einen PSA-Test gemacht. Der war bei mir ein halbes Jahr vor der Diagnose noch normal, dann plötzlich stark erhöht. Deswegen wurde die Biopsie durchgeführt, wodurch die Diagnose gesichert werden sollte. Ich habe Uli sofort informiert und er hat dann auch direkt einen Termin beim Urologen vereinbart. Wir sind eineiige Zwillinge, daher war die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass wir beide daran erkranken. So war es dann ja auch.

Welche Beschwerden stellten Sie an sich selbst fest, bevor Sie den Entschluss fassten, einen Arzt aufzusuchen?

Uli: Das ist ja das Tückische – es gab keine Beschwerden. Bei Michael war es einfach eine Routineuntersuchung. Aber das war auch unser Glück, denn je frühzeitiger man zur Früherkennung geht, desto besser ist der Krebs behandelbar. Wir sind heute noch sehr dankbar, dass uns der PSA-Test das Leben gerettet hat. Wir wären sonst wahrscheinlich keine 60 Jahre alt geworden.

60 Prozent der Frauen gehen zur Vorsorgeuntersuchung; bei den Männern sind es nur etwa 15 Prozent. Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass die Zahl so niedrig ist? Gehen Männer mit mehr Angst an solche Untersuchungen?

Michael: Da sind wir fast sicher. Männer haben immer Sorge, dass sie schlechte Nachrichten bekommen könnten. Typische Vermeidungshaltung. Frauen sind da disziplinierter, obwohl sie ja prinzipiell in der gleichen Situation sind. Jungen gehen meist noch zum Kinderarzt, aber dann ist Schluss. Unser Ziel ist es, dass Männer ganz selbstverständlich zur Vorsorge gehen, wie Frauen es eben auch tun.

Uli: Früher gab es noch die Musterung bei der Bundeswehr, aber jetzt liegen riesige Lücken zwischen den Arztbesuchen bei Männern. Das darf nicht sein.

Sie sind mittlerweile 10 Jahre krebsfrei.

Michael: Ja, wir gelten heute als krebsfrei und müssen auch nicht mehr so engmaschig zum Urologen, wie es nach der OP der Fall war. Zuerst mussten wir alle 3 Monate, dann alle 6 Monate zur Untersuchung.

Woher nahmen und nehmen Sie auch noch gegenwärtig Ihre Motivation, Ihre Lebensgeschichte öffentlich zu machen?

Michael: Wir waren die ersten, die über das Thema Prostatakrebs gesprochen haben. Es war ein regelrechtes Tabu. Mittlerweile öffnen sich auch immer mehr Prominente und bekennen sich zu ihren Krankheiten. Wenn wir einen kleinen Beitrag dazu leisten können, dass Tabu-Themen jetzt auch öffentlich gemacht werden, freuen wir uns.

Uli: Vorsorge kann Leben retten. Das haben wir am eigenen Leib erfahren. Deshalb engagieren wir uns dafür, dass Männer nicht nur zum Arzt gehen, wenn sie krank sind, sondern die Früherkennung nutzen. Wir unterstützen die FFF-Kampagne „Für alle. Für jeden. Für uns. Die Urologie“, die unter www.urologie-fuer-alle.de Themen aus der Urologie und die Männergesundheit in den Fokus rückt. Außerdem unterstützen wir die Cancer Survivors, die Deutsche Sporthilfe und sind im Patientenbeirat des DKFZ (Deutsches
Krebsforschungszentrum in Heidelberg), um anderen Betroffenen Mut zu machen und aufzuklären.

Wir haben Ihr Interesse geweckt?

Mehr zu den Roth-Zwillingen und Ihrer Geschichte finden Sie unter www.roth-zwillinge.de.

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