
Prof. Dr. med. Heidrun M. Thaiss
Executive Director Medicine & Science
Felix Burda Stiftung
Krebs ist eine Erkrankung, vor der sich viele Menschen fürchten. Diese Angst ist nachvollziehbar: Statistisch wird im Laufe eines Lebens etwa jeder zweite von uns mit einer Krebsdiagnose konfrontiert. Doch bei einer Krebsart haben wir eine außergewöhnliche Chance, das Risiko auch noch als Erwachsener entscheidend zu beeinflussen: Darmkrebs muss häufig gar nicht erst entstehen.
Genau darin liegt die besondere Stärke der Darmkrebsvorsorge. Anders als bei vielen anderen Krebsarten kann die Vorsorge-Darmspiegelung Vorstufen des Krebses entdecken und entfernen. Aus einer Vorstufe (Polyp) wird dann gar nicht erst ein Karzinom. Vorsorge bedeutet in diesem speziellen Fall nicht, den schon gewachsenen Krebs früh zu erkennen – sie kann ihn tatsächlich schon vorher – durch Abtragung eines Polypen – verhindern.
Diese Botschaft scheint zunehmend anzukommen. Der aktuelle Trendreport des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zeigt eine erfreuliche Entwicklung: Nach den pandemiebedingten Rückgängen steigt die Inanspruchnahme der Vorsorgekoloskopie seit mehreren Jahren kontinuierlich an. Wurden 2022 bundesweit rund 566.000 Vorsorge-Darmspiegelungen durchgeführt, stieg die Zahl 2023 auf 611.000, 2024 auf rund 638.000 und auch in 2025 setzte sich dieser Trend fort – mit einem weiteren Plus von 9 Prozent auf jetzt über 695.000 Untersuchungen.
Hinter jeder wahrgenommenen Vorsorge steht ein Mensch, der Verantwortung für seine Gesundheit übernimmt. Hinter vielen dieser Koloskopien stehen Polypen, die entfernt werden konnten, bevor sie gefährlich wurden. Und hinter jeder verhinderten Krebserkrankung stehen Familien, denen belastende Therapien, Operationen oder schwere Schicksalsschläge erspart bleiben.
Gesunde Langlebigkeit beginnt aber nicht erst im hohen Alter. Sie beginnt mit klugen Entscheidungen schon ganz früh im Leben. Schon in der Schwangerschaft werden entscheidende Weichen gestellt. Und auch später gehören Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, der Verzicht auf das Rauchen und Alkohol zu den schützenden Faktoren. Ebenso wichtig ist es jedoch, die Möglichkeiten der Krebsprävention konsequent zu nutzen. Die Darmkrebsvorsorge gehört heute neben Impfungen zu den wirksamsten präventiven Maßnahmen, die unser Gesundheitssystem anbietet.
Natürlich weiß ich aus vielen Gesprächen, dass Menschen von der Sinnhaftigkeit der Vorsorge wissen, die Untersuchung aber häufig aufschieben. Beruf, Familie oder andere Verpflichtungen scheinen im Alltag immer (noch) wichtiger zu sein. Doch gerade deshalb ist dieser einfache Tipp so hilfreich: Machen Sie den ersten Schritt in Richtung Ärztin oder Arzt. Vereinbaren Sie Ihren Termin für das nächste Frühjahr schon heute.
So starten Sie mit einem guten (Bauch-)Gefühl ins Jahr 2027, denn in rund 63 Prozent der Vorsorgedarmspiegelung wird keine Auffälligkeit im Darm gefunden. Und selbst wenn – wie in rund 1 Prozent der Untersuchungen – ein Darmkrebs diagnostiziert wird, befindet er sich in der überwiegenden Mehrheit der Fälle in einem so frühen Stadium, dass er gut geheilt werden kann.
Sie tun sich damit rundum etwas Gutes.
Wenn Sie also zur anspruchsberechtigten Altersgruppe ab 50 Jahren gehören, tragen Sie sich jetzt einen Termin für Ihren Anruf beim Arzt in den Kalender. Es ist eine kleine Entscheidung mit möglicherweise lebensverändernder Wirkung.
Denn eines sollte niemand vergessen: Krebs können wir nicht immer verhindern. Darmkrebs dagegen in den meisten Fällen schon.
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