Mit Humor erreicht Christian „Skatschie“ Scarciolla (@skatschie.moviezzz) täglich tausende Menschen auf Social Media. Gleichzeitig spricht er offen über Morbus Crohn, Therapien und die Herausforderungen einer „unsichtbaren“ Erkrankung.

Christian „Skatschie“ Scarciolla
Content Creator
Dein Content besteht meistens aus guter Laune und witzigen Sketchen – warum hast du dich entschieden, auch deine Krankheit öffentlich zu thematisieren?
Am Anfang wollte ich eigentlich gar nicht über Morbus Crohn sprechen. Ich hatte die Diagnose schon lange vor Social Media und dachte: Ich mache Comedy, da passt Krankheit nicht rein. Während meiner ersten Social-Media-Zeit hatte ich dann aber einen heftigen Schub und lag zwei Wochen im Krankenhaus. Die Community hat gefragt, was los ist, und ich habe zum ersten Mal offen darüber gesprochen.
Die Reaktionen haben mich überrascht. Viele Menschen haben geschrieben: „Ich habe das auch“ oder wollten sich austauschen. Plötzlich ging es nicht mehr nur um mich, sondern darum, anderen zu helfen. Da habe ich gemerkt, wie wichtig Sichtbarkeit ist – gerade bei einer Krankheit, über die viele aus Scham nicht reden. Heute gehört das Thema für mich selbstverständlich dazu. Comedy ist schließlich nicht immer nur lustig, sondern auch ein Stück echtes Leben.
Viele Betroffene von chronischen Erkrankungen kämpfen lange bis zur richtigen Diagnose. Wie war dein persönlicher Weg bis zur Diagnose Morbus Crohn?
Bei mir ging die Diagnose tatsächlich vergleichsweise schnell. Ich hatte typische Symptome wie Bauchschmerzen, Krämpfe und Durchfall. Mein Arzt hat direkt reagiert und relativ früh eine Magen- und Darmspiegelung vorgeschlagen. Dadurch wurde Morbus Crohn direkt erkannt. Im Nachhinein glaube ich, dass ich Glück hatte, an einen Arzt zu geraten, der die Symptome ernst genommen hat. Viele Betroffene erleben leider einen deutlich längeren Weg bis zur Diagnose.
Wie gelingt es dir, die Krankheit in Schach zu halten? Verzichtest du auf bestimmte Lebensmittel?
Früher musste ich bei der Ernährung deutlich stärker aufpassen. Inzwischen vertrage ich wieder vieles ganz gut, auch wenn ich bestimmte Lebensmittel wie Radieschen lieber meide. Morbus Crohn ist eine Krankheit, die in Phasen kommt, deswegen kann man es auch kaum pauschalisieren. Ich versuche, mich nicht komplett von der Krankheit bestimmen zu lassen. Wenn ich Lust auf Pizza oder einen Abend mit Freunden habe, dann mache ich das auch – selbst, wenn ich weiß, dass der nächste Tag vielleicht anstrengender wird.
Therapiemäßig habe ich schon einiges ausprobiert: Cortison, verschiedene Medikamente und mittlerweile eine Biologika-Therapie. Nach einer Operation, bei der mir ein Stück Darm entfernt wurde, habe ich gemerkt, wie wichtig eine stabile Behandlung für mich ist. Natürlich sind solche Therapien ein großer Eingriff, aber aktuell komme ich damit gut zurecht.

Am Anfang wollte ich eigentlich gar nicht über Morbus Crohn sprechen. Ich hatte die Diagnose schon lange vor Social Media und dachte: Ich mache Comedy, da passt Krankheit nicht rein.
Du hast seit deiner Diagnose schon einige Therapien ausprobiert und nichts hat so richtig dauerhaft für dich funktioniert. Was hilft dir dabei, dich nicht von Morbus Crohn einschränken zu lassen und optimistisch zu bleiben?
Für mich spielt die mentale Einstellung eine riesige Rolle. Stress wirkt sich extrem auf den Darm aus, deshalb versuche ich, offen mit der Krankheit umzugehen und nicht alles in mich hineinzufressen.
Gerade das Reden mit Freunden oder Familie hilft enorm. Natürlich gibt es auch schlechte Tage, an denen man frustriert oder traurig ist. Aber ich habe gelernt, dass Offenheit vieles leichter macht. Wenn Menschen im Umfeld wissen, was los ist, entsteht Verständnis – und dieser Druck, immer funktionieren zu müssen, wird kleiner.
Plötzlich ging es nicht mehr nur um mich, sondern darum, anderen zu helfen. Da habe ich gemerkt, wie wichtig Sichtbarkeit ist.
Gibt es bestimmte Routinen, Tipps oder Hilfsmittel, die dir im Alltag besonders helfen und die du anderen Betroffenen mitgeben würdest?
Der wichtigste Punkt ist für mich tatsächlich der Austausch mit anderen Menschen. Sich nicht zu verstecken, sondern offen zu sagen: „Mir geht es gerade nicht gut“ hilft enorm. Ansonsten ist Morbus Crohn sehr individuell. Was der eine verträgt, kann beim nächsten sofort Beschwerden auslösen. Deshalb muss man Schritt für Schritt herausfinden, was dem eigenen Körper guttut. Geduld und ein gutes Körpergefühl sind dabei wahrscheinlich wichtiger als allgemeine Regeln.
Morbus Crohn ist für Außenstehende oft eine „unsichtbare“ Erkrankung. Was sollen deiner Meinung nach mehr Menschen über die Krankheit und die Auswirkungen auf Betroffene verstehen?
Viele sagen bei Morbus Crohn schnell: „Das ist doch nur Bauchweh.“ Aber genau das ist das Problem. Die Krankheit ist unsichtbar, trotzdem können die Schmerzen und Krämpfe extrem belastend sein. Ich würde mir wünschen, dass Menschen sensibler damit umgehen und Beschwerden nicht sofort herunterspielen. Nur weil man eine Krankheit nicht sieht, heißt das nicht, dass sie harmlos ist. Oft hilft schon etwas mehr Verständnis und Feingefühl im Alltag enorm.
Sie möchten mehr erfahren?
Weitere Einblicke gibt es auf Instagram:




