Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit der Bedeutung des Darm-Mikrobioms und einer ausgewogenen Darmflora. Entsprechend groß ist inzwischen das Angebot an Probiotika und Präparaten mit Milchsäurebakterien. Doch die Produkte unterscheiden sich erheblich – etwa hinsichtlich der verwendeten Bakterienstämme, ihrer Dosierung, Stabilität und wissenschaftlichen Dokumentation.
Woran lässt sich also ein hochwertiges Probiotikum erkennen? Darüber sprechen wir mit Uwe Schröder, Ernährungswissenschaftler und Vorstandsmitglied des Deutschen Instituts für Sporternährung e. V.

Uwe Schröder
Ernährungswissenschaftler und Vorstandsmitglied
des Deutschen Instituts für Sporternährung e. V.
Herr Schröder, worauf sollte man beim Kauf eines Probiotikums grundsätzlich achten?
Entscheidend ist nicht allein, dass ein Produkt Milchsäurebakterien enthält. Viel wichtiger ist, welche Bakterienstämme in welcher Menge enthalten sind und wie gut diese wissenschaftlich untersucht und charakterisiert sind. Die Stämme sollten nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sorgfältig ausgewählt und sinnvoll miteinander kombiniert werden. Außerdem müssen sie eindeutig identifiziert und hinsichtlich ihrer Sicherheit bewertet sein. Bei einem Breitbandprobiotikum, das für unterschiedliche Anwendungssituationen konzipiert ist, halte ich eine Kombination verschiedener ausgewählter Bakterienstämme und für die jeweilige Anwendung angemessen dosiert für sinnvoll.
Wie viele Bakterien sollte ein gutes Probiotikum enthalten?
Die Anzahl der enthaltenen lebenden Mikroorganismen ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Auf der Verpackung sollte deshalb eindeutig angegeben sein, wie viele Bakterien mit der empfohlenen Tagesdosis aufgenommen werden. Noch wichtiger ist aber ein Punkt, der häufig übersehen wird: Die angegebene Menge sollte möglichst bis zum Ende der Mindesthaltbarkeit garantiert sein. Schließlich nützt eine hohe Zahl zum Zeitpunkt der Herstellung wenig, wenn bis zum Verzehr ein großer Teil der Mikroorganismen nicht mehr lebensfähig ist. Ein Beispiel für ein hoch dosiertes Multi-Species-Präparat ist Darmflora plus select intens von Dr. Wolz. Es liefert mit der empfohlenen Tagesdosis 120 Milliarden Milchsäurebakterien aus 22 ausgewählten Stämmen.

Warum ist die genaue Bezeichnung der Bakterienstämme so wichtig?
Weil ein Probiotikum nicht gleich ein Probiotikum ist. Selbst innerhalb derselben Bakterienart können sich verschiedene Stämme in ihren Eigenschaften deutlich unterscheiden. Idealerweise werden deshalb Gattung, Art und der konkrete Stamm angegeben. Ein Beispiel wäre Lactobacillus rhamnosus mit einer zusätzlichen Stammbezeichnung. Das ist auch für die wissenschaftliche Bewertung wichtig. Untersuchungen werden in der Regel mit ganz bestimmten Stämmen durchgeführt. Ergebnisse lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf jeden anderen Stamm derselben Art übertragen. Vereinfacht gesagt: Wenn lediglich die Bakterienart angegeben wird, weiß der Verbraucher noch relativ wenig darüber, welcher konkrete Stamm tatsächlich enthalten ist.
Woran erkennt man die Qualität eines probiotischen Bakterienstamms?
Ein wichtiger Punkt ist die Säureresistenz. Die Mikroorganismen müssen zunächst den Magen passieren. Daher sollten die ausgewählten Stämme so beschaffen sein, dass möglichst viele lebensfähige Bakterien ihren Bestimmungsort im Darm erreichen. Zusätzlichen Schutz kann eine säureresistente Kapselhülle bieten, die den Inhalt erst später im Verdauungstrakt freigibt. Weitere interessante Eigenschaften sind beispielsweise eine gute Anhaftungsfähigkeit an die Darmschleimhaut und – je nach vorgesehenem Einsatz – die Stabilität gegenüber unterschiedlichen antibiotischen Substanzen.

Ist eine große Zahl unterschiedlicher Bakterienstämme automatisch besser?
Nein. „Mehr“ bedeutet nicht automatisch „besser“. Entscheidend ist die Qualität und sinnvolle Kombination der Stämme. Bei einem Multi-Species- oder Breitbandprobiotikum kann eine größere Vielfalt sinnvoll sein, wenn die einzelnen Stämme sorgfältig ausgewählt, charakterisiert und wissenschaftlich dokumentiert wurden. Die bloße Zahl auf der Packung sagt dagegen noch wenig über die Qualität eines Präparats aus.
Welche Rolle spielt die wissenschaftliche Studienlage bei Probiotika?
Eine sehr wichtige. Verbraucher sollten darauf achten, ob der Hersteller wissenschaftliche Daten zu den tatsächlich eingesetzten Bakterienstämmen vorlegen kann. Das ist ein entscheidender Unterschied: Studien zu irgendeinem Vertreter einer Bakterienart sind nicht automatisch ein Beleg für die Eigenschaften eines anderen Stammes. Deshalb gehören eine eindeutige Stammidentifikation und eine gute wissenschaftliche Dokumentation für mich zusammen.
Sollte man ein hoch dosiertes Probiotikum auf einmal oder über den Tag verteilt einnehmen?
Bei Präparaten, deren Tagesdosis auf mehrere Kapseln verteilt ist, besteht die Möglichkeit, die Einnahme individuell anzupassen und beispielsweise morgens und abends zu verteilen. Das hat außerdem einen praktischen Vorteil: Man kann mit einer niedrigeren Menge beginnen und die Dosierung schrittweise steigern. Gerade bei hoch dosierten Produkten kann eine solche individuelle Dosierbarkeit sinnvoll sein. Die konkrete Einnahme sollte sich aber immer nach den Empfehlungen des jeweiligen Herstellers richten.

Brauchen die Bakterien im Darm auch „Nahrung“?
Ja, das ist ein wichtiger Aspekt. Bestimmte Darmbakterien nutzen unverdauliche Nahrungsbestandteile beziehungsweise Ballaststoffe als Substrat. Bei deren Verstoffwechselung können unter anderem kurzkettige Fettsäuren entstehen. Deshalb können je nach Zielsetzung auch Präparate interessant sein, die ausgewählte Bakterienkulturen mit Ballaststoffen kombinieren. Ein Beispiel hierfür ist Curabiom®flora von Dr. Wolz. Unabhängig von Nahrungsergänzungsmitteln spielt natürlich auch eine abwechslungsreiche, ballaststoffreiche Ernährung eine wichtige Rolle.
Sind zusätzliche Inhaltsstoffe in einem Probiotikum sinnvoll?
Das kommt darauf an, welche Stoffe enthalten sind und welchen Zweck sie erfüllen. Zusätzliche Inhaltsstoffe sollten einen nachvollziehbaren technologischen oder ernährungsphysiologischen Zweck erfüllen und möglichst transparent deklariert sein. Zusätzliche Mikronährstoffe können ebenfalls sinnvoll sein. Ein Beispiel sind bestimmte B-Vitamine wie Biotin. Es trägt beispielsweise zur Erhaltung normaler Schleimhäute und zu einem normalen Energiestoffwechsel bei. Solche gezielt ausgewählten Inhaltsstoffe können eine probiotische Rezeptur sinnvoll ergänzen. Grundsätzlich lohnt sich deshalb auch ein Blick auf die Zutatenliste: Was ist enthalten – und warum?
Was ist der Unterschied zwischen Probiotika und Postbiotika?
Bei Probiotika stehen lebende Mikroorganismen im Mittelpunkt. Der Begriff Postbiotika bezeichnet dagegen Präparate beziehungsweise Bestandteile, bei denen keine lebenden probiotischen Mikroorganismen mehr erforderlich sind. Beides sollte man nicht miteinander verwechseln. Bei einem klassischen Probiotikum ist es ein Qualitätskriterium, dass die deklarierte Menge lebensfähiger Mikroorganismen tatsächlich vorhanden ist. Abgestorbene Bakterien machen aus einem qualitativ unzureichenden Probiotikum kein Postbiotikum.
Kann man ein gutes Probiotikum am Preis erkennen?
Am Preis allein sicher nicht. Allerdings ist die Herstellung hochwertiger Probiotika anspruchsvoll. Gut charakterisierte Bakterienstämme, hohe Keimzahlen, Qualitätskontrollen, Stabilitätsprüfungen und gegebenenfalls spezielle Kapselhüllen verursachen entsprechende Kosten. Ein extrem niedriger Preis sollte deshalb zumindest Anlass sein, genauer hinzuschauen. Umgekehrt ist natürlich auch ein hoher Preis noch kein Qualitätsbeweis. Viel wichtiger sind transparente Angaben zu Stämmen, Keimzahl, Haltbarkeit und wissenschaftlicher Dokumentation.

Was sind für Sie die wichtigsten Qualitätskriterien für ein gutes Probiotikum?
Ich würde Verbrauchern empfehlen, vor dem Kauf vor allem auf folgende Punkte zu achten:
- Sind die konkreten Bakterienstämme eindeutig angegeben?
- Ist die Anzahl der lebenden Mikroorganismen pro Tagesdosis klar deklariert?
- Wird die angegebene Keimzahl möglichst bis zum Ende der Mindesthaltbarkeit garantiert?
- Gibt es wissenschaftliche Untersuchungen zu den tatsächlich verwendeten Stämmen?
- Sind die Stämme ausreichend säureresistent und qualitativ geprüft?
- Wird gegebenenfalls eine säureresistente Kapsel verwendet?
- Ist eine flexible beziehungsweise schrittweise Dosierung möglich?
- Enthält das Produkt nur sinnvoll ausgewählte zusätzliche Inhaltsstoffe?
- Verfügt der Hersteller über Erfahrung und Kompetenz in der Herstellung von Probiotika?
Wer diese Fragen vor dem Kauf prüft, kann die Qualität eines Probiotikums wesentlich besser beurteilen.
Ihr Fazit: Woran erkennt man ein hochwertiges Probiotikum?
Nicht an einem einzelnen Merkmal. Ein hochwertiges Probiotikum zeichnet sich durch das Gesamtpaket aus sorgfältig ausgewählten und eindeutig charakterisierten Bakterienstämmen, einer transparent angegebenen Keimzahl, guter Stabilität, wissenschaftlicher Dokumentation und einer durchdachten Rezeptur aus. Gerade bei Probiotika lohnt es sich deshalb, nicht nur auf große Zahlen oder Werbeaussagen auf der Vorderseite der Packung zu achten, sondern etwas genauer hinzuschauen. Die genannten Qualitätskriterien finden sich beispielsweise auch bei den Darmpräparaten von Dr. Wolz, mit denen das Deutsche Institut für Sporternährung (DiSE) e.V. arbeitet.
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