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MIND YOUR HEAD!

„Ich lernte, meinen inneren Hunger zu stillen“

Foto: VGstockstudio via Shutterstock

Simone Happel

MindDetox Mentorin
lebenshungrig.de 

„Du musst mehr essen!“ ist ein Satz, den ich während meiner Kindheit unzählige Male hörte. Er legte sich bleischwer auf mein Dasein. Schon wieder musste Mama sich meinetwegen sorgen. Dadurch lernte ich sehr früh, meinem Körper zu misstrauen und zu glauben, dass andere Menschen besser wissen, was richtig für mich ist. Als ich in die Pubertät kam, bekam mein „Problemkörper“ plötzlich positive Aufmerksamkeit.

Weil mir diese Komplimente besser schmeckten, beschloss ich, meinen Körper zu optimieren. Ich begann weniger zu essen, Kalorien zu zählen und Ausreden zu finden, um nicht essen zu müssen. Diäten waren meine Einstiegsdroge in die Essstörung und die Waage wurde zu meinem Stimmungsbarometer. Nach ungefähr einem Jahr trennte sich mein damaliger Freund von mir. Diese Zurückweisung konnte ich kaum ertragen. Doch meine Scham verbot mir, die Verzweiflung zu zeigen, und so fraß ich all meine Gedanken und Gefühle in mich hinein.

Genau das spiegelte sich plötzlich auch in meinem Essverhalten. Ich begann, unkontrolliert zu fressen, und war danach entsetzt über die Menge an Kalorien, die ich in mich gestopft hatte. Also beschloss ich, mir ab und zu den Finger in den Hals zu stecken und mich auf diese Art zu erleichtern.  Es dauerte nicht lange und ich fraß und kotzte mehrmals täglich. Ich war von der Magersucht in die Bulimie gerutscht und verzweifelte innerlich endgültig. Doch gleichzeitig versuchte ich, den äußeren Schein zu wahren.  Allerdings ist die Bulimie gierig, sie frisst Zeit, Gesundheit und Geld.

Am tiefsten Punkt meiner Verzweiflung angelangt, kapitulierte ich und versprach mir, meiner Heilung oberste Priorität einzuräumen. Das Motto dabei lautete: „Nutze das, was dir hilft, solange du es brauchst!“ Mein Genesungsweg dauerte einige Jahre. Doch ich lernte, meinen inneren Hunger zu stillen und dadurch verhungerte meine Essstörung. Es war mein Mangel an Selbstwertgefühl, der meine Probleme nährte, und die einzige Problemzone, die ich jemals hatte, war mein Denken (über mich).

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