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Neurologie

Wenn das Unwetter im Kopf wütet …

Photo: pimchawee via shutterstock

Sabrina Wolf

Gesundheitscoach

Die Migränikerin betreibt Deutschlands ersten Migräne-Podcast. Auch auf Instagram und in ihrem Blog berichtet sie von ihrem Leben mit der Krankheit.

Seit meiner Pubertät habe ich Migräne und über die Jahre habe ich gelernt mit dieser neurologischen Krankheit zu leben.

Während ich in den ersten Jahren mit der Diagnose die verschiedensten Behandlungen ausprobierte, habe ich die letzten Jahre damit verbracht, mich wirklich mit der Krankheit auseinanderzusetzen. Ich habe viel gelernt und mir ein großes Wissen angeeignet, was ich inzwischen mit anderen auf Instagram und in meinem Podcast teile. Ich möchte aufklären und der Welt zeigen: Migräne ist so viel mehr als „nur“ Kopfschmerzen. Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die derzeit als unheilbar gilt und zu den meist behindernden Krankheiten der Welt zählt. 

Trotz allem sind wir der Krankheit nicht hilflos ausgeliefert. Es gibt neben einer Vielzahl an medikamentösen Prophylaxen, auch eine Auswahl an Maßnahmen, die ganz ohne Medikamente Migräneattacken vorbeugen kann. In Studien haben z.B. regelmäßiges Entspannungstraining, wie die Progressive Muskelentspannung, und regelmäßiger moderater Ausdauersport, wie Walken, zu einer Reduktion der Attackenhäufigkeit geführt. Da das Migräne-Gehirn Regelmäßigkeiten liebt, ist eine Lebensführung wichtig – ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus und Essensrhythmus. Das Gehirn von uns Betroffenen läuft ständig auf Hochtouren, daher ist das Thema Achtsamkeit auch für uns wichtig. Je achtsamer wir mit uns umgehen, umso schneller erkennen wir, wenn unser Körper eine Pause benötigt – im besten Fall bevor eine Attacke uns zur Pause zwingt.

Mir persönlich hilft während einer Attacke Ruhe, Dunkelheit und Schlaf. Als Akutmedikation nehme ich Triptane, die speziell für die akute Behandlung von Migräne entwickelt wurden und bei mir zum Glück schnell wirken. An einzelnen Tagen geht es auch ohne Tablette, da hilft dann Kaffee mit Zucker oder die Akutbehandlung mit Cefaly (ein Neuromodulationssystem), um die Attacke einzudämmen oder abzumildern. Dass an manchen Tagen diese Maßnahmen helfen, ist für mich sehr wichtig, denn Schmerzmittel dürfen mit Beachtung der 10-20-Regel nur an zehn Tagen im Monat eingenommen werden. Seit letztem Jahr nutze ich an solchen Tagen auch CBD-Öl, das nicht nur entspannend, sondern auch schmerzlindernd wirken kann und mir an einzelnen Tagen hilft, die Attacke in den Hintergrund zu drängen. Da ich oft mehr als 10 Schmerztage im Monat habe, bin ich um jeden Tag dankbar, an dem mir auch eine nicht-medikamentöse Akutbehandlung hilft. Ansonsten heißt es für mich dann leider nur Rückzug, aushalten und schlafen. 

Was ich Dir mit auf den Weg geben möchte: übernimm‘ die Verantwortung für Dich und Deine Gesundheit. Viele Maßnahmen kannst Du selbst in Deinem Leben anpassen, um möglicherweise die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu verringern. Wenn Du irgendwann an einen Punkt kommst, an dem die Attacken jedoch immer häufiger und/oder intensiver werden, dann solltest Du Dir medizinische Hilfe holen. Auch bei mir hat es nicht nur eine lange Zeit gedauert, bis ich die richtigen Ärzt*innen an meiner Seite hatte, sondern es war auch ein längerer Prozess, bis ich richtig für mich einstehen konnte. Doch, ich habe erkannt, dass mir die Verantwortung für mich selbst niemand abnimmt. 

Momentan ist die Welt im Ausnahmezustand und gleichzeitig steht die dunkle Jahreszeit an. Bei einigen Betroffenen variiert die Zahl der Migräneattacken je nach Jahreszeit. Wenn Du zu den Betroffenen gehörst, bei welchen jetzt in der dunklen Jahreszeit häufiger Migräneattacken auftreten, dann versuche in diesem Jahr ganz besonders auf Dich zu achten und Dir ggf. Hilfe zu holen. Ein*e Neurolog*in ist die*der richtige Ansprechparter*in bei Migräne und kann mit Dir die für Dich richtige Therapie erarbeiten – gib nicht auf!

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