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„Neurodermitis? Stress reduzieren!“

Foto: Jonas Kliegel

Laura Grube, ist 26 Jahre alt und hat 1995 die Diagnose Neurodermitis erhalten.

Warum bist du an die Öffentlichkeit gegangen?

Ich habe Ende 2019 nach Bloggern gesucht, die über ihr Leben mit Neurodermitis berichten. Zu dem Zeitpunkt gab es nur eine Handvoll. Somit habe ich den Entschluss gefasst, meine eigene Seite zu erstellen. Am Anfang sollte es für mich auch nur eine Art Tagebuch sein, bei dem ich meine eigene Entwicklung dokumentiere. Aber mit ein paar Likes ist die Motivation deutlich höher. Deshalb mache ich dies nicht nur privat für mich alleine. Außerdem wollte ich Betroffenen zeigen, dass sie nicht alleine sind.

Welche Ratschläge hast du für „Frischerkrankte“?

Mir hat es geholfen, viel Wissen über die Erkrankung anzueignen und die Erkrankung zu akzeptieren. Ich habe lange nach einem guten Arzt gesucht. Es ist wichtig einen Arzt zu finden, der die Erkrankung ernst nimmt und die individuellen Symptome betrachtet. Einfach nur Kortison verschreiben hilft niemanden mit Neurodermitis weiter. Denn heute gibt es nicht nur Kortison. Da Neurodermitis in Schüben verläuft und durch Trigger verstärkt wird, sollte man seine Trigger herausfinden. Es dauert lange, aber es lohnt sich. Und jeder Mensch ist anders. So auch der Umgang mit der Erkrankung. Nur weil dem einen etwas hilft, muss es nicht automatisch dem Anderen helfen.

Welche Faktoren spielen eine erhebliche Rolle für einen Schub?

Schübe kommen und gehen. Heute sind sie bei mir anders als früher. Der schlimmste Trigger ist bei mir Stress. Aber auch wenig Schlaf, Pollen, zu viel Zucker, zu viel Alkohol verschlechtern meine Haut. Wenn von diesen Faktoren zu viel auf einmal auf mich lastet, wird meine Haut besonders schlimm. Leider dauert es dann auch wieder länger, bis sich die Haut erholt hat, wenn ich dann diese Trigger wieder verringern konnte.

Was war der Auslöser für die Neurodermitis? War es bereits angeboren?

Meine Neurodermitis hab ich bereits mit einem halben Jahr nach meiner Geburt bekommen. Einen Auslöser gab es nicht.

Was musst du bei deiner täglichen Hautpflege und im Bereich Make-Up beachten? PH-Neutralität? Nebenwirkungen?

Ich habe mich schon in meiner Jugend nicht viel geschminkt. Das lag aber eher daran, dass ich lieber länger schlafen wollte. Doch für Treffen mit Freunden und Party habe ich gerne Make-Up getragen. Ich musste auch auf keine Inhaltsstoffe achten. Heute ist das leider anders, denn ich habe mein Make-up entsorgt. Die Ekzeme treten jetzt auch im Gesicht auf. Egal welche Inhaltsstoffe das Make-Up hätte, es würde die Haut zusätzlich massiv reizen. Das ist es mir nicht mehr wert. Denn mein Umfeld ist eher verwundert, wenn ich dann doch mal dezentes Make-Up auftrage. Deshalb fühlt es sich sehr befreiend an, dass mein Umfeld sich an mein Erscheinungsbild gewöhnt hat.

Es ist sehr wichtig für meine Haut sie mit ausreichend Feuchtigkeit und Fett einzucremen. Da meine Haut sich schnell an Salben gewöhnt und so die Wirkung nachlässt, wechsle ich häufig die Cremes und probiere viel aus.

Welche Reaktionen musstest du in der Öffentlichkeit einstecken? Hast du Mobbing erlitten? Wie ist es heute?

Ich hatte eine wirklich tolle Kindheit. Trotz Ekzem am Hals und Ellenbeugen wurde ich nicht gemobbt.

Auch heute gehe ich sehr offen mit der Erkrankung um und bekomme viel Verständnis. Nur einen Winter lang musste ich viele abgeneigte Blicke ertragen. Da habe ich versucht ohne Medikamente den Schub zu überstehen, wodurch meine Haut extrem schlimm wurde. Zusätzlich kämpfte mein Körper so sehr mit der Entzündung, dass ich auch bei Temperaturen um 0 Grad mit T-Shirt unterwegs war, weil mein Körper quasi am brennen war. Diese Situation konnten viele Menschen nicht nachvollziehen.

Welches Mittelmaß eignet sich für dich am Besten um die Neurodermitis im Zaum zu halten?

Auf Grund der Schwere meiner Neurodermitis, nehme ich an einer klinischen Studie für ein neues Medikament teil. Dieses Medikament hilft mir sehr gut. Parallel achte ich darauf mein Stresslevel niedrig zu halten. Dabei hat es mir beispielsweise geholfen meine Arbeitsstunden zu reduzieren.  

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Verfolgen Sie ihren inspirierenden Weg auf Instagram @kratzen_bis_es_blutet.

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Chronische Wunden

Wunden treten bei jedem Menschen mehrfach im Leben auf. Die meisten dieser Wunden heilen nach einigen Wochen unproblematisch ab. Sollten Wunden länger als acht Wochen bestehen, spricht man von chronischen Wunden. Es gibt allerdings auch Wunden, bei denen eine chronische Erkrankung zugrunde liegt, sodass diese Wunden bereits von Anfang an als chronisch bezeichnet werden.

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Prof. Dr. med. Joachim Disemond

Oberarzt am Uniklinikum Essen, Vorstandsmitglied der Initiative Chronische Wunden e. V

Häufigste Ursachen chronischer Wunden

  • Chronische venöse Insuffizienz (CVI, Venenleiden) – Ulcus cruris venosum
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK, arterielle Durchblutungsstörung) – Ulcus arteriosum
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) – diabetisches Fußulcus
  • Druck/Immobilität – Dekubitus (Durchliegegeschwür)

Seltene Ursachen chronischer Wunden sind zum Beispiel Gefäßentzündungen, Autoimmunerkrankungen, Infektionskrankheiten oder Krebserkrankungen. In Deutschland leiden mindestens zwei Millionen Menschen unter einer chronischen Wunde unterschiedlicher Ursache. Da mit einem Anstieg der Lebenserwartung der Bevölkerung gerechnet wird und die Häufigkeit chronischer Wunden mit zunehmendem Lebensalter ansteigt, wird prognostiziert, dass die Zahl der Betroffenen in den kommenden Jahren weiter ansteigen wird. Bei chronischen Wunden sind die natürlichen Prozesse der Wundheilung gestört. Oft befinden sich diese Wunden in einem Teufelskreis, bei dem Entzündungsprozesse unkontrolliert ablaufen.

Wundbehandlung

Der erste und wichtigste Schritt in der Wundbehandlung besteht in der Abklärung der zugrunde liegenden Ursachen. Oft ist es nicht eine einzige Ursache, sondern es sind mehrere Faktoren, die eine Wundheilung verhindern. Hier muss unbedingt eine gezielte Diagnostik erfolgen, damit im Anschluss eine Behandlung der Ursachen erfolgen kann. Ein wichtiger und oft wenig beachteter wundheilungsbehindernder Faktor sind zudem Ödeme („Wasser in den Beinen“), die durch Kompressionstherapie mit Wickelsystemen, Bandagen oder Strümpfen behandelt werden können.

Wann sollte ich mit einer Wunde zum Arzt gehen?

Bei unproblematischen, oberflächlichen Wunden kann eine Selbsttherapie versucht werden. Hierfür gibt es in Apotheken Wundprodukte, die sich grundsätzlich gut eignen. Nach einer gegebenenfalls notwendigen Wundsäuberung oder Desinfektion sollte ein steriler Wundverband in Form eines nicht anhaftenden Pflasters oder eines Wundgels aufgetragen werden.

Wunden, bei denen ein Arzt aufgesucht werden sollte:

  • Auftreten von Eiter und/oder starker Rötung mit Schwellung um die Wunde
  • Jede Verletzung an Füßen bei Diabetikern
  • Stark verschmutzte Wunden, Tier- oder Menschenbisse
  • Starke Schmerzen
  • Wunden, die seit mehr als acht Wochen bestehen
  • Wunden, die ohne erkennbare Ursache spontan aufgetreten sind
  • Blutende Wunden

Die erste Anlaufstelle für Patienten mit Wunden ist der Hausarzt. Insbesondere bei chronischen Wunden gibt es jedoch auch Spezialisten aus verschiedenen Fachbereichen, die in Wundzentren kooperieren. Eine Übersicht über ambulante und stationäre zertifizierte Einrichtungen findet sich beispielsweise auf der Homepage der Initiative Chronische Wunden (ICW) e. V. in der Rubrik „Wundsiegel“.

Fazit

Wunden sind ein Symptom verschiedener Ursachen, die unbedingt diagnostiziert und behandelt werden müssen, damit eine Abheilung erzielt werden kann und Komplikationen vermieden werden können.

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