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Psyche? Hat doch jeder!

Bestsellerautorin und Psychotherapeutin Lena Kuhlman - „Psyche? Hat doch jeder!“ (Foto: Moritz Thau)

„Wie um unser körperliches Wohl gilt es, sich regelmäßig um die Psyche zu kümmern.“

Frau Kuhlmann, was machen Sie beruflich?

Ich bin Psychotherapeutin und arbeite in einer psychiatrischen Ambulanz. Außerdem engagiere ich mich privat in den sozialen Medien für die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen. Auf meinem Instagram-Account @freudmich versuche ich zum Beispiel zu erläutern, was eine Depression ist und wohin man sich in psychischen Krisen wenden kann. Das kann man auch in meinem Buch  „Psyche? Hat doch jeder!“ nachlesen.

Unter welcher Stigmatisierung stehen psychische Erkrankungen heutzutage leider immer noch?

Das fängt schon bei unserer Sprache an, wenn statt von der Psychiatrie von der „Klapse“ gesprochen wird, wenn wir zum „Seelenklempner“ gehen oder über einen Erkrankten sagen, bei ihm sitze „eine Schraube locker“. Therapieerfahrene berichten außerdem von Unkenntnis und Unverständnis im familiären Umfeld oder im Freundeskreis – hier ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig. Schwierigkeiten kann es außerdem beim Abschluss verschiedener Versicherungen, bei der Verbeamtung oder bei der Jobauswahl (zum Beispiel im Polizeidienst) geben.

Was sind erste Zeichen für eine psychische Erkrankung?

Das ist ganz unterschiedlich, weil es nicht die eine, sondern sehr viele verschiedene psychische Erkrankungen gibt. So unterscheiden sich die Symptome einer Depression von denen einer Angststörung. Meist verspüren Betroffene durch die Symptomatik einen gewissen Leidensdruck. Hinweise können auch sozialer Rückzug, gedrückte Stimmung und Interessenverlust sein.

Welche Möglichkeiten bieten sich einem, um die richtige Hilfe zu finden?

Ich empfehle, sich an die Kassenärztliche Vereinigung zu wenden. Dort bekommt man, spätestens vier Wochen nach Anruf, einen Termin in der psychotherapeutischen Sprechstunde vermittelt. In diesem Gespräch nimmt der Psychotherapeut eine Einschätzung der Symptomatik vor und gibt Empfehlungen für das weitere Vorgehen. Das kann eine Therapie sein, manchmal reicht eine Beratung, ein Coaching, und in anderen Fällen ist vielleicht eine voll- oder teilstationäre Behandlung oder eine Medikamentengabe indiziert.

Wie kann man selbst dazu beitragen, dass die Seele und die Psyche gesund und glücklich bleiben?

Wie um unser körperliches Wohl, gilt es sich regelmäßig um die Psyche zu kümmern. Das kann ganz unterschiedlich ausfallen, je nachdem was der Seele guttut. Ich persönlich bin ein Fan von Yoga und Achtsamkeitsübungen. Ob Sport, Musizieren, Kunst oder Tagebuchschreiben – wichtig ist, sich Freiräume zu schaffen.

Sie möchten mehr über Lena Kuhlmann erfahren?

Besuchen Sie ihren Instagram-Kanal unter @freudmich.

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