In Deutschland leiden über 40 Prozent der Bevölkerung an einer oder mehreren chronischen Krankheiten. Kennzeichnend für die Behandlung chronischer Krankheiten ist die Notwendigkeit, dass Ärzte unterschiedlicher Fachdisziplinen und Versorgungssektoren (ambulant und stationär) in den Behandlungsprozess einbezogen werden müssen.

Als problematisch erweist sich dabei, dass die Behandlungsinformationen bei jedem am Behandlungsprozess beteiligten Arzt separat vorgehalten und nicht kontinuierlich und umfassend ausgetauscht werden. So kann es vorkommen, dass einem behandelnden Arzt therapierelevante Informationen nicht oder nicht rechtzeitig zur Verfügung stehen.

Der Patient kann einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung oder gar Verbesserung seines Gesundheitszustandes leisten.

Während in anderen Lebensbereichen die Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien weitgehend Einzug gehalten hat, steckt die digitale Vernetzung im Gesundheitswesen noch in den Kinderschuhen. Zwar werden bereits heute in vielen Kliniken und Praxen IT-Lösungen, wie digitale Patientenakten, verwendet, diese Lösungen sind jedoch oftmals nicht interoperabel.

Ein einrichtungsübergreifender digitaler Austausch von Behandlungsinformationen ist somit nicht möglich. In Pilotprojekten werden gegenwärtig verschiedene Konzepte erprobt, die sich mit dem einrichtungsübergreifenden digitalen Austausch von Behandlungsinformationen beschäftigen und den Mehrwert für die Versorgungsqualität der Patienten erfassen.

Neben der Nutzung bestehender moderner Informations- und Kommunikationstechnologien eröffnen medizintechnische Innovationen deutliche Verbesserungspotenziale für die Behandlung chronisch kranker Patienten.

Im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Kardiologie) beispielsweise gibt es bereits heute externe Geräte (zum Beispiel Waagen, Blutdruckmessgeräte) oder kardiale Implantate (Resynchronisationsgeräte und Defibrillatoren), die kontinuierlich Daten über den Gesundheitszustand des Patienten erfassen und übermitteln. Die so gewonnenen Informationen ermöglichen eine zeitnahe Identifikation von Verschlechterungen im Gesundheitszustand des Patienten und die rasche Einleitung der erforderlichen Maßnahmen.

Auch der Patient selbst kann einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung oder gar Verbesserung seines Gesundheitszustandes leisten, indem er umfassend über seine Erkrankung, Symptome der Verschlechterung seiner Erkrankung sowie Maßnahmen zur Stabilisierung und Verbesserung des Gesundheitszustandes informiert ist.

Auch hier bieten moderne Informations- und Kommunikationstechnologien neue Wege zur Vereinfachung der Kommunikation mit medizinischen Leistungserbringern sowie der Aneignung von Wissen. Die Möglichkeiten reichen von direkten Videokonferenzen bis hin zu validierten Schulungsvideos, zum Beispiel mit Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur oder über den Umgang mit Schmerzen.

Auch Anwendungen, die die eigenen Vitalparameter oder Tätigkeiten erfassen, visualisieren und teilweise sogar auswerten, sind geeignet, das Bewusstsein über das eigene Handeln zu stärken.

Innovative Gesundheitstechnologien und moderne Informations- und Kommunikationstechnologien spielen damit eine zunehmend wichtige Rolle in der Tertiärprävention, welche alle Maßnahmen zur Verhinderung des Fortschreitens der Erkrankung und des Eintretens von Komplikationen umfasst.