Diese Befürchtung ist nachvollziehbar, aber eben nur zum Teil korrekt. Richtig und wichtig ist, dass Infektionen ganz allgemein weltweit die Todesursache Nummer eins sind. Die große Mehrzahl dieser tödlich verlaufenden Infektionskrankheiten wird aus den sogenannten Entwicklungsländern an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeldet. Die aktuellen Schlagzeilen zielen jedoch auf Infektionen durch Erreger mit ganz besonderen Resistenzeigenschaften ab, welche auch in Europa zunehmen.

Konservativen Schätzungen zufolge sterben jedes Jahr circa 700.000 Menschen weltweit als Folge von Infektionen durch antibiotikaresistente Bakterien. Gemäß einer Schätzung, die durch die britische Regierung in Auftrag gegeben wurde, wird 2050 diese Zahl auf zehn Millionen Todesfälle pro Jahr steigen und damit Krebserkrankung als häufigste Todesursache in den Industrienationen überholen. Diese erschreckenden Zahlen führen bei einigen Menschen zu einer ausgeprägten Furcht vor Mikroben im Alltag.

Was hat es also auf sich mit den Bakterien, Viren und Co.?

Jeder von uns trägt etwa 1,5 bis zwei Kilogramm Mikroorganismen mit sich. Wir bestehen also aus zehnmal mehr Mikroorganismen als Körperzellen. Bakterien sind auch überall in unserer Umgebung – an Computertastaturen sogar in größerer Anzahl als auf Toilettensitzen.

Müssen wir also jetzt Angst vor Bakterien haben?

Nein, denn wir leben mit ihnen in einer Symbiose, die uns auch vor Infektionskrankheiten schützt. Nur wenn die Zusammensetzung gestört ist, können zum Beispiel die krankheitsauslösenden Clostridien in dem Ausmaß heranwachsen, das erforderlich ist, um eine symptomatische Erkrankung auszulösen. Häufigste Ursache für das Entstehen dieser Darmentzündung ist eine vorausgegangene Antibiotikatherapie.

Der Einsatz von Desinfektionsmitteln für Hände oder Flächen, sowie möglicherweise besondere Materialien im Haushalt, ist überflüssig.

In gewisser Weise also stellt diese Clostridiencolitis eine Nebenwirkung einer Antibiotikatherapie dar. Antibiotika sind aber keineswegs schlechte Substanzen, im Gegenteil, sie sind sehr wertvolle und hochpotente Medikamente. Aber: Auf der anderen Seite werden Antibiotika auch zu oft verabreicht. Etwa jede zweite bis dritte Antibiotikagabe gilt als nicht notwendig.

So wirken Antibiotika überhaupt nicht bei den typischen Atemwegsinfektionen, die aktuell Hochsaison haben, auch nicht bei der echten Grippe. Diese ist durch Influenzaviren verursacht, Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Der Einsatz von Desinfektionsmitteln für Hände oder Flächen, sowie möglicherweise besondere Materialien im Haushalt, ist überflüssig. Vielmehr kann dieser unsachgemäße Einsatz zu Toleranz/Resistenz der Bakterien gegen diese verwendeten Substanzen führen.

Wie kann man sich also dennoch schützen?

Nun, es gibt keinen hundertprozentigen Schutz. Eine ausgewogene Lebensweise hilft, den Körper widerstandsfähiger zu machen. Wenn man selbst erkrankt ist, kann man durch die sogenannte korrekte Husten- und Schnupfenetikette die Weitergabe der Infektionsviren reduzieren.

Mit unseren Händen berühren wir alles, und somit liegt es auf der Hand, dass wir auch über die Hände Infektionserreger am einfachsten und effizientesten weitergeben.

Dabei niest man nicht in die Hand, sondern entweder in ein Papiertaschentuch, das man sofort entsorgt, oder in die eigene Ellenbeuge. Auch kann man darauf verzichten, seinem Gegenüber die Hand zu reichen, natürlich mit Hinweis auf die eigene Erkältung. Und häufige Handkontaktstellen wie das Smartphone und die PC-Tastatur sollte man regelmäßig abwischen.

Sollte man einen Arzt aufsuchen müssen, so ist es wichtig zu wissen, dass gegen die übliche Erkältung, aber auch gegen die echte Grippe Antibiotika keinerlei Wirkung haben. Ihr Einsatz in dieser Situation wäre nicht adäquat. Anders sieht es aus, wenn als Komplikation einer Erkältung oder Grippe eine echte Lungenentzündung auftritt.

Diese ist in der Regel durch Bakterien verursacht und sollte antibiotisch behandelt werden. Liegt bei einem selbst oder bei Haushaltsangehörigen eine Erkältungskrankheit oder auch eine Durchfallkrankheit vor, so empfiehlt sich für alle, auch die nicht betroffenen Haushaltsmitglieder, häufiges Händewaschen. Mit unseren Händen berühren wir alles, und somit liegt es auf der Hand, dass wir auch über die Hände Infektionserreger am einfachsten und effizientesten weitergeben.

Dies lässt sich durch regelmäßiges Waschen – aber nicht Desinfektion – der Hände reduzieren. Ausnahme: Patienten mit schwerer Erkrankung und starker Abwehrschwäche leben zu Hause in einer Gemeinschaft mit anderen Menschen, wie im Pflegeheim.

Aus dem Gesagten ergibt sich, dass Bakterien und Viren keineswegs unsere Feinde sind, sondern wir in einer Lebensgemeinschaft mit ihnen existieren. Es ist eine Illusion zu glauben, dass wir Infektionen komplett vermeiden können oder resistente Erreger ausrotten können.

Aber es ist eine Herausforderung und Aufgabe für uns alle, Infektionen überall dort zu vermeiden, wo wir Einfluss haben, und es ist Ziel, die Rate an multiresistenten Erregern zu reduzieren. Letzteres kann gelingen, wenn die bestmöglichen Hygienemaßnahmen angewendet werden und Antibiotika nur dann verschrieben und eingenommen werden, wenn sie wirklich indiziert sind.