Im Laubwald spazieren, Pilze sammeln oder den Garten winterfest machen – auch im Herbst sind viele Menschen immer noch gerne in der Natur unterwegs. Das gilt auch für Zecken. Denn diese können in den Herbst- und Wintermonaten weiter aktiv sein, da sie erst bei Temperaturen unter 0 Grad in die Winterstarre fallen. Durch die im Zuge des Klimawandels deutlich milderen Temperaturen in den Wintermonaten besteht daher ein ganzjähriges Zeckenrisiko in Deutschland.1 Damit steigt auch das Risiko einer Infektion mit von Zecken übertragenen Krankheiten wie der Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die schwere gesundheitliche Folgen haben können.2
Jede:r Dritte hatte bereits einen Zeckenstich
Überall im Grünen können wir mit Zecken in Berührung kommen – etwa bei der Arbeit im Garten, beim Joggen im Stadtpark oder beim Hundespaziergang im Wald. Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes CiveyA stellt fest, dass mehr als jede:r Dritte (39 %) in den letzten fünf Jahren einen Zeckenstich hatte – knapp ein Fünftel (18 %) sogar mehrfach. Doch schon mit einem Zeckenstich können gefährliche Krankheitserreger übertragen werden, insbesondere FSME-Viren und Borrelien.3,4 Borrelien sind Bakterien, die die sogenannte Borreliose auslösen können. Bleibt diese Infektion unbehandelt, drohen schwere Gelenk-, Nerven- und Herzmuskelentzündungen, die u. a. zu chronischer Erschöpfung (Post-Borreliose-Syndrom) führen können. 5,6
Immer mehr Borreliose- und FSME-Fälle in Deutschland
Die gemeldeten Borreliose-Fallzahlen sind zwischen 2022 und 2025 konstant angestiegen.7 Die genauen Fallzahlen sind aufgrund der fehlenden flächendeckenden Meldepflicht nicht bekannt und lassen daher eine hohe Dunkelziffer vermuten. Vertragsärztlichen Abrechnungsdaten zufolge gab es 2024 in Deutschland 138.107 Borreliose-Neudiagnosen.8 Obwohl rund ein Viertel der Befragten aus der Civey-Umfrage bereits selbst an Borreliose erkrankte oder von einem Fall im Umfeld berichten kann, schätzen die meisten ihr persönliches Risiko für eine Erkrankung als gering ein.
Doch ähnlich wie bei Borreliose stiegen auch die FSME-Fallzahlen in Deutschland zuletzt an: So verzeichnete das Robert Koch-Institut (RKI) 2025 den dritthöchsten Stand von FSME-Infektionen seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2001.9 Im Oktober gibt es dabei typischerweise einen zweiten Peak bei den gemeldeten Fällen. FSME ist eine Erkrankung der Hirnhäute und des zentralen Nervensystems, die nicht mit Medikamenten heilbar ist. Schwere Verläufe können Lähmungen, Schluck- und Sprechstörungen hervorrufen und in einigen Fällen sogar tödlich enden.10
Was passiert, wenn eine Zecke sticht?
Nach einem Zeckenstich vergehen in der Regel einige Stunden, bis die Borrelien ins Blut gelangen. Je eher die Zecke entfernt wird, desto geringer ist also das Risiko an Borreliose zu erkranken.3 Bei FSME ist dies allerdings nicht der Fall, denn die Viren können direkt beim Stich auf den Menschen übertragen werden.4
Bei FSME ist ein Impfschutz möglich
Den zuverlässigsten Schutz gegen die FSME bietet die FSME-Impfung.10 Sie wird allen Personen empfohlen, die in FSME-Risikogebieten leben oder sich dort aufhalten und mit Zecken in Kontakt kommen können.11 Mit der zunehmenden Zeckenaktivität und Ausbreitung in Deutschland steigt auch die Zahl der FSME-Risikogebiete – inzwischen zählt fast die Hälfte aller Stadt- und Landkreise dazu.10
Die FSME-Impfung kann ab dem ersten Lebensjahr erfolgen und besteht aus drei Impfungen in einem Abstand von mehreren Monaten. Falls ein kurzfristiger Schutz (z. B. für geplante Ausflüge oder Reisen) benötigt wird, ist auch ein schnelles Impfschema möglich: Damit kann ein ausreichender Schutz für die aktuelle Zeckensaison innerhalb weniger Wochen aufgebaut werden.12 Für einen längerfristigen Schutz ist es jedoch wichtig, die Impfserie abzuschließen. Danach sind regelmäßige Auffrischungsimpfungen nötig, um zuverlässig vor FSME geschützt zu sein.13
Gegen Borreliose gibt es keine Impfung
Obwohl es keine Schutzimpfung gegen Borreliose gibt, glaubten sechs von zehn Befragten aus der Civey-Umfrage,A dass eine Impfung gegen Zecken übertragbare Krankheiten auch vor dieser schützen könne. Um langfristige Folgen einer Borreliose zu verhindern, sind eine frühzeitige Diagnose und Antibiotika-Behandlung wichtig.
Was kann man sonst noch tun?
- Auf die richtige Kleidung achten: Damit es gar nicht erst zu einem Zeckenstich kommt, empfiehlt sich das Tragen von langer, geschlossener und heller Kleidung. Auch Anti-Zeckensprays können helfen, wirken aber nur für eine gewisse Zeit und müssen immer wieder neu aufgetragen werden.4,9
- Den Körper absuchen: Der Körper sollte nach jedem Aufenthalt im Grünen gründlich nach Zecken abgesucht werden. Zecken stechen bevorzugt in dünne, warme und geschützte Hautstellen. Daher sollte bei der Suche besonders auf Kniekehlen, Bauch, Brust und den Intimbereich geachtet werden.4, 9
- Sich bei einem Zeckenstich richtig verhalten: Im Falle eines Stichs ist es wichtig, die Zecke schnellstmöglich mit dafür vorgesehenen Mitteln (z. B. Zeckenkarte oder -zange) zu entfernen und die Einstichstelle mehrere Wochen zu beobachten. Kommt es zu Hautveränderungen (z. B. einer Borreliose-typischen, ringförmigen Rötung um die Stichstelle) oder treten Grippe-Symptome auf, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.4, 5, 6, 9
Ein winziger Zeckenstich mit schwerwiegenden Folgen
Dr. Christian Pomiersky (Kardiologe aus Sigmaringen) infizierte sich bei einer Wanderung in den Alpen mit FSME. Die darauffolgende schwere neurologische Erkrankung veränderte sein Leben von einem Tag auf den anderen.

„Als Arzt kennt man zwar das Risiko und das Krankheitsbild der FSME. Viele Menschen sind sich aber der möglichen schweren Folgen oft nicht wirklich bewusst. Ein einziger Moment in der Natur hat ausgereicht, um mein Leben so stark zu beeinflussen. In den ersten Monaten nach der Infektion hatte ich an allen vier Gliedmaßen deutliche neurologische Defizite wie zum Beispiel diffuse Lähmungen. Ich habe mich mühsam über die Monate und Jahre Stück für Stück zurückgekämpft. Heute leide ich vor allem unter schneller Erschöpfung, Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen – meine hauptberufliche ärztliche Laufbahn mit eigener Praxis musste ich beenden. Das zeigt, wie unberechenbar und gefährlich dieses Virus ist“, warnt Dr. Pomiersky.

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Quellen
A Civey-Umfrage im Auftrag von Pfizer unter 10.000 erwachsenen Personen in Deutschland im Zeitraum vom 24.06. bis 07.07.26.
1 Probst J et al. Ticks Tick Borne Dis. 2023;14:102225.
2 Jung L et al. Flug u Reisemed. 2024;31:13–24.
3 Robert Koch-Institut (RKI). Stand: April 2025. www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_LymeBorreliose.html. Letzter Zugriff: 29.07.2026.
4 RKI. Stand: Februar 2025. www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_FSME.html. Letzter Zugriff: 13.08.2026.
5 Rauer S et al. Neuroborreliose, S3-Leitlinie, 2024. www.dgn.org/leitlinien. Letzter Zugriff: 13.08.2026.
6 Hofmann H et al. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/013-044. Letzter Zugriff: 13.08.2026.
7 RKI. [email protected]. Web-basierte Abfrage der Meldedaten gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG). https://survstat.rki.de. Letzter Zugriff: 13.08.2026.
8 Zentralinstitut Kassenärztliche Versorgung. https://www.zi.de/das-zi/medien/grafik-des-monats/detailansicht/juni-2026. Letzter Zugriff: 13.08.2026.
9 RKI. Epid Bull. 2026;9:1–23.
10 BIÖG. FSME. Stand: März 2024. www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/fsme. Letzter Zugriff: 13.08.2026.
11 RKI. Epid Bull. 2026;4:1–75.
12 RKI. Stand: Juli 2026. www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/FSME-Impfung/FSME-Impfung.html. Letzter Zugriff: 13.08.2026.