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    Diagnose & Behandlung bei COPD: Prof. Dr. med. Vogelmeier im Interview

    Foto: Unsplash, Rosario Janza

    Wir können die Situation Betroffener heute substanziell verbessern

    COPD ist eine chronische Erkrankung der Lunge, die fortschreitend die Lunge schädigt und die Lebensqualität Betroffener stark einschränken kann. Welche Behandlungsmöglichkeiten es derzeit gibt und warum eine möglichst frühe Diagnose entscheidend ist, erklärt Prof. Dr. med. Claus Franz Vogelmeier, Direktor der Klinik für Pneumologie am UK Marburg.

    Univ.- Prof. Dr. med. Claus Franz Vogelmeier

    Direktor der Klinik für Pneumologie des Universitätsklinikums Marburg

    Je früher eine Therapie begonnen wird, umso größer ist die Chance, in den natürlichen Verlauf der Erkrankung einzugreifen und irreparable Schäden an der Lunge hinauszuzögern oder zu verhindern.

    Immer mehr Menschen leiden weltweit an der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Was sind die Ursachen für die Erkrankung?

    Die Ursachen sind in verschiedenen Regionen der Welt unterschiedlich. Bei uns ist die Hauptursache aktives Rauchen. In anderen Regionen der Welt ist es Biomassenexposition, d. h. es wird in Räumen gekocht, die keinen Kaminabzug haben. In wieder anderen Regionen kann eine COPD nach einer Tuberkuloseerkrankung entstehen. Zudem können Faktoren wie eine Frühgeburtlichkeit, frühkindliche Infekte, genetische Faktoren oder auch eine beruflich bedingte Belastung durch Gase, Stäube oder Dämpfe eine Rolle spielen.

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    Was sind die Symptome und welche Risikofaktoren können das Entstehen einer COPD begünstigen?

    Leider sind die Symptome unspezifisch. Betroffene leiden typischerweise an einer durch körperliche Belastung ausgelösten Atemnot. Da die meisten Patienten jenseits der 60 Jahre alt sind, wird das oft als Alterserscheinung abgetan. Andere Betroffene zeigen Symptome einer chronischen Bronchitis mit Husten und Auswurf, aber das betrifft nicht alle Patienten.

    Bei etwa 80 Prozent der Betroffenen hier in Deutschland ist das aktive Rauchen die Hauptursache. Bei den verbleibenden 20 Prozent der Patienten, die nicht rauchen, konnten wir den Entstehungsmechanismus bisher noch nicht entschlüsseln. Wir vermuten, dass zum Beispiel wiederholte Infekte im frühen Kindesalter oder eine Frühgeburtlichkeit eine Rolle spielen könnten, da diese die Lungenreifung beeinträchtigen und ggf. das Entstehen einer COPD im späteren Leben begünstigen können.

    Die Hauptsymptome einer COPD

    A – Atemnot
    Zu Beginn der Erkrankung tritt Atemnot nur unter körperlicher Belastung auf. Ist die COPD bereits weiter fortgeschritten, kann die Atemnot und Kurzatmigkeit auch im Ruhezustand auftreten.

    H – Husten
    Betroffene leiden meist morgens unter Husten, der von Auswurf begleitet wird. Schreitet die COPD weiter fort, verschlimmert sich meist auch die Husten-Symptomatik.

    A – Auswurf
    Der Auswurf, auch Sputum genannt, ist ein weißlicher oder bräunlicher Schleim, der abgehustet wird.

    Bei Nicht-Rauchern spricht man auch von einer genetisch bedingten COPD. Was hat es mit dieser Definition auf sich und wie unterscheidet sie sich von einer erworbenen COPD?

    Die genetisch bedingte COPD trägt die Bezeichnung Alpha-1-Antitrypsin-Mangel. Ein bestimmter Eiweißstoff, das Schutzeiweiß Alpha-1-Antitrypsin, wird in der Leber Betroffener nicht zureichend gebildet. Dieses Eiweiß hat u. A. die wichtige Aufgabe, die Lungenbläschen zu schützen. Fällt dieser Schutz weg, werden die Lungenbläschen zunehmend geschädigt. Patienten mit einem Alpha-1-Antitrypsin-Mangell sind typischerweise jünger und werden im Mittel bereits im fünften Lebensjahrzehnt symptomatisch. Die Symptomatik unterscheidet sich nicht wesentlich von der klassischen COPD. Bei der bildgebenden Diagnostik (zum Beispiel. im CT) kann es aber durchaus Unterschiede geben.

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    Die COPD gilt aktuell als nicht ursächlich therapierbar, lediglich ihr Fortschreiten kann eingedämmt werden. Wie sehen die derzeitigen Behandlungsoptionen aus und welche Fortschritte sind zukünftig zu erwarten?

    Wir können die Situation der Patienten durchaus substanziell verbessern. Wir kombinieren dabei nicht-medikamentöse mit medikamentösen Therapieverfahren. Bei den nicht-medikamentösen Verfahren spielen körperliche Bewegung, Rehabilitationsmaßnahmen, Rauchentwöhnung und Schutzimpfungen eine wesentliche Rolle. Bei den medikamentösen Optionen werden Medikamente eingesetzt, die die Bronchien weiter machen. Hier wird heute typischerweise eine Kombination aus zwei Substanzgruppen eingesetzt, die an unterschiedlichen Rezeptoren ansetzen und sich in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken. Wenn Betroffene unter dieser Therapie immer noch unter akuten krisenhaften Verschlechterungen leiden, kann zusätzlich ein inhalierbares Cortisonpräparat zum Einsatz kommen (sog. Triple-Therapie). Die Ergebnisse der letzten Jahre zeigen, dass man unter Einsatz dieser Triple-Therapie die Mortalitätsraten senken konnte.

    Was ist in Zukunft zu erwarten? Dazu muss man sagen, dass wir uns die Patienten sehr genau anschauen müssen, um bestimmte Phänotypen erkennen zu können. Das kann eine sehr viel individuellere Behandlung ermöglichen. Ein Phänotyp, der sich hier herauskristallisiert, ist der, der eine Typ-2-Signatur aufweist: Hier spielen Faktoren eine Rolle, die in Richtung einer Typ-2-immunologischen Reaktion gehen. Bei solchen Patienten gibt es die potenzielle Möglichkeit, sogenannte Biologika einzusetzen, die auch bei schwerem Asthma zum Einsatz kommen.

    Eines dieser Medikamente befindet sich derzeit in der Zulassung zum Einsatz bei COPD. Weitere Medikamente, die bei Entzündungsbotenstoffen ansetzen, befinden sich ebenfalls in der Erprobung. Zudem wird daran gearbeitet, bestimmte Kanäle in den Epithelzellen zu manipulieren, um das Sekret in der Lunge positiv zu beeinflussen. Entscheidend für die Zukunft ist, dass wir es schaffen, Betroffene möglichst frühzeitig zu diagnostizieren. Denn derzeit werden sie oft erst diagnostiziert, wenn die Erkrankung schon weit fortgeschritten ist.

    Je früher eine Therapie begonnen wird, umso größer ist aber die Chance, in den natürlichen Verlauf der Erkrankung einzugreifen und irreparable Schäden an der Lunge hinauszuzögern oder zu verhindern.

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