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Gemeinsam gut entscheiden

Foto: Chinnapong via Shutterstock

Arzt-Patienten-Kommunikation nach dem Modell der partizipativen Entscheidungsfindung (PEF) führt zu einer gemeinsam verantworteten Entscheidung über eine angemessene medizinische Behandlung einer Erkrankung. Prof. Martin Härter im Interview.

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Prof. Martin Härter

Direktor des Instituts und der Poliklinik für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Vorstand im Deutschen Netzwerk Versorgungsforschung

Ihr Kontakt: [email protected]

Wie sieht eine gelungene partizipative Entscheidungsfindung aus?

Die partizipative Entscheidungsfindung erfolgt in mehreren Schritten, zum Beispiel im Rahmen einer ärztlichen Konsultation oder Visite. Zunächst erfolgt die Mitteilung, dass eine medizinische Entscheidung getroffen werden sollte. Patienten werden eingeladen, sich als gleichberechtigte Partner im Gespräch an der Entscheidung zu beteiligen. In der nächsten Phase werden die verschiedenen evidenzbasierten Behandlungsmöglichkeiten benannt und mit ihren Vor- und Nachteilen erläutert. Immer wieder sollte dabei auch das Verständnis beziehungsweise die bei den Patienten auftauchenden Fragen und Gedanken erfasst werden. Zuletzt wird geklärt, welche Präferenzen Patienten im Hinblick auf die Behandlungsmöglichkeiten für sich sehen, vor allem bezogen auf ihren persönlichen Lebensstil und -hintergrund. Darüber hinaus wird erfasst, wie der Beteiligungswunsch bei dieser medizinischen Entscheidung aussieht. Zum Schluss erfolgt eine Vereinbarung zur zeitnahen Umsetzung der getroffenen Entscheidung.

Bei welchen Erkrankung ist eine partizipative Entscheidungsfindung zu empfehlen?

Eine PEF ist vor allem bei Erkrankungen angezeigt, bei denen die Entscheidung von den Patientenpräferenzen abhängt oder aus der Behandlung relevante Veränderungen in der Lebensführung resultieren. Dies gilt natürlich insbesondere für schwerwiegende oder chronische Erkrankungen. Jedoch sind auch akute Erkrankungen und ihre Behandlung von Bedeutung, wenn die Entscheidung relevante Veränderungen nach sich zieht. 

Patienten wünschen sich eine stärkere Beteiligung im Rahmen ihrer medizinischen Behandlung. Dabei ist es wichtig, den Menschen und seine Angehörigen insgesamt in den Blick zu nehmen.

Welche positiven Aspekte ergeben sich durch eine gemeinsame Entscheidung?

Studien haben übereinstimmend gezeigt, dass eine gemeinsame Entscheidungsfindung für Patienten und Ärzte positive Auswirkungen hat. Patienten sind zufriedener mit den Arztgesprächen, verfügen über mehr krankheitsbedingtes Wissen, sind zufriedener mit der Entscheidung und haben weniger Entscheidungskonflikte sowie weniger psychosoziale Belastungen. Ärzte erleben die Kommunikation ebenfalls positiv, stellen Behandlungsmöglichkeiten umfassender und transparenter dar. Interessanterweise erhöht sich die Konsultationszeit nur sehr geringfügig.

Ablauf eines PEF-Gesprächs aus ärztlicher Sicht

Wie können sich Patienten gut auf ein Entscheidungsgespräch vorbereiten?

Mit drei Fragen können Patienten eine für sie bedeutsame medizinische Entscheidung besser herbeiführen:

  • Was habe ich genau und welche Behandlungsmöglichkeiten stehen für mich zur Verfügung?
  • Welche Vor- und Nachteile haben die verschiedenen Behandlungsmaßnahmen und wie wahrscheinlich ist es, dass die positiven Wirkungen beziehungsweise die Nebenwirkungen eintreten?
  • Was geschieht, wenn ich erst einmal „nichts tue“, mich also zunächst gegen eine Behandlung entscheide?


Haben Sie eine Empfehlung für Patienten, die gerne mitentscheiden möchten, sich aber gleichzeitig überfordert fühlen? 

Sprechen Sie diese mögliche Überforderung im Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt an. Es ist nicht selten, dass Patienten, vor allem bei komplexen Erkrankungen und Behandlungen, dieses Gefühl haben. Patienten können, wenn sie sich umfassend informiert fühlen, die Entscheidung dann auch stärker ihrem behandelnden Arzt überlassen oder auch zum Beispiel Angehörige und Freunde in den Entscheidungsprozess mit einbeziehen. Einfühlsame Ärzte werden diese mögliche Überforderung gut verstehen und angemessen darauf reagieren können.

Die partizipative Entscheidungsfindung findet noch zu selten statt. Was müsste passieren, damit PEF zur Normalität im Versorgungsalltag wird?

Ärzte und andere Gesundheitsberufe sind in den letzten Jahren für dieses Thema deutlich stärker sensibilisiert worden. Patienten und die Gesundheitspolitik fordern schon lange die PEF in der Versorgung ein. Die medizinische Ausbildung zukünftiger Ärztinnen und Ärzte ist bereits in diesem Sinne verändert worden, auch in den Pflege- und anderen Gesundheitsberufen ist das Konzept inzwischen gut bekannt. Zurzeit werden zahlreiche Überlegungen angestellt, welche positiven Anreize darüber hinaus gesetzt werden können, damit PEF zur Normalität wird. Hier spielen auch derzeit laufende versorgungswissenschaftliche Umsetzungsprojekte eine große Rolle.

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Erholsam durch die Nacht

Ein Gespräch mit Schlafexperte Prof. Dr. med. Peter Young über die Kunst des gesunden Schlafs und die passende Matratze.

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Prof. Dr. med. Peter Young

Leiter des Medical Parks, Neurologische Klinik Reithofpark in Bad Feilnbach

Ich habe gut geschlafen – was heißt das eigentlich?

Wenn man am nächsten Morgen den Schlaf als erholsam empfunden hat. Zentral ist dafür eine ununterbrochene Schlafphase. Bei der Schlafdauer benötigen die meisten Menschen sieben bis siebeneinhalb Stunden. Es gibt seltene Ausnahmen, meistens genetisch bedingt, die nur fünf Stunden brauchen. Aber auch wenn jemand mal elf Stunden schläft, kann das normal sein, ohne dass man gleich eine Krankheit vermuten müsste.

Welche Faktoren sind es, die einen guten und damit gesunden Schlaf erschweren können?

Es gibt gesundheitliche Gründe, zum Beispiel Atmungsstörungen, Beinbewegungen oder Probleme mit dem Kreislauf. Aber auch die örtliche Umgebung spielt eine wichtige Rolle. Es braucht idealerweise Ruhe, abgedunkelte Räume und eine individuell passende Temperatur. Viele unterschätzen den sogenannten Schlafdruck, der eine ausreichende Müdigkeit erzeugt. Manchmal ist nämlich der Tagschlaf, also das klassische Mittagsschläfchen, der Feind des Nachtschlafs. Ungünstig ist in Sachen Ernährung natürlich die fette Schweinshaxe vor dem Schlaf. Denn sie bringt das Verdauungssystem auf Hochtouren, genauso wie Alkohol das Nervensystem aktiviert. Einen gesunden Schläfer kann aber selbst das nicht erschüttern.

Welche Rolle spielt das Bett und worauf würden Sie hier achten?

Bequeme Bettverhältnisse sind sehr wichtig für einen gesunden Schlaf. Niemand braucht eine alte Federkernmatratze mit Unebenheiten und spießigen Drähten, die womöglich herausragen.

Was würden Sie raten, wenn man sich für eine Matratze entscheidet?

Zuerst mal ganz einfach formuliert: Sie brauchen eine, mit der Sie sich wohlfühlen. Die Bedürfnisse sind hier sehr unterschiedlich. Die einen benötigen eine harte, die andere eine weiche Matratze. Gerade in asiatischen Ländern schläft man zum Beispiel lieber hart. Krankenhäuser mit vielen Patienten versuchen daher, bei den Betten extreme Grade zu vermeiden. Privat sollte sich jeder den passenden Härtegrad suchen. Schließlich ist auch jeder Körper in seiner ergonomischen Passform anders gebaut.

Ist das Bett zu weich, liegt die Wirbelsäule womöglich zu tief durch. Wer gern auf der Seite schläft, braucht eine Matratze, die Schultern und Becken das Einsinken ermöglicht. Wer dagegen mehr auf Bauch oder Rücken liegt, sollte für den gesunden Rücken die Körpermitte unterstützen. 

Zur Matratze gehört auch immer eine passende Unterfederung – wie wichtig ist sie?

Auch sie reagiert auf die Bewegungen des Schlafenden, nimmt den Druck des Körpergewichts auf und stabilisiert so Schulter, Rücken und Wirbelsäule. Unterfederung, Matratze, aber auch das Kopfkissen sorgen deshalb gemeinsam für die ideale orthopädische Gesamtwirkung. ′

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