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„Ich habe jeden Tag Schmerzen“

Foto: Simone Lobgesang / Fab4Media

Anna, du hast Endometriose, wie verlief deine Krankheitsgeschichte bis zur endgültigen Diagnose? 

Als ich 13 Jahre alt war, wurde der Verdacht bereits von meiner damaligen Frauenärztin geäußert. So richtig ernst genommen wurde das jedoch nicht. Ich sei zu jung, hieß es. Seitens der Ärzte habe ich sämtliche Vorwürfe erhalten. Als Scheidungskind, hieß es, würde ich nur Aufmerksamkeit wollen, und da ich sehr schlank war, wurde mir Magersucht vorgeworfen. Erst mit 19 Jahren bekam ich mittels einer Bauchspiegelung die Diagnose: Endometriose und Adenomyose.

Anna Wilken

Leidet unter Endometriose

Kannst du kurz beschreiben, wie sich die Krankheit bei dir äußert?

Ich habe alles an Symptomen, was man haben kann. Besonders schlimm sind zyklusabhängige und -unabhängige Bauchschmerzen. Hinzu kommen Schmerzen bei gynäkologischen Untersuchungen, die sind für mich immer ein Albtraum. Früher hatte ich auch starke Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, was sich aber zum Glück gebessert hat. Doch Darmbeschwerden, Bauchschmerzen, Beckenproblematiken, Blasenprobleme, Rückenschmerzen und Antriebslosigkeit sind meine ständigen Begleiter. 

Wie gehst du mit diesen Symptomen um, und was hilft dir, wenn es mal wieder richtig schlimm ist?

Ich achte darauf, dass es mir gut geht, und versuche, die Symptome in mein Leben zu integrieren. Das war nicht immer so. Anfangs habe ich Depressionen bekommen und bin im Selbstmitleid fast versunken. 2017, nach meiner ersten Operation, bin ich zur Reha gegangen und habe dort gelernt, besser damit umzugehen. Damit mir das leichter fällt, habe ich der Endometriose zusätzlich einen Namen gegeben: Frieda. Und Frieda gehört jeden Tag zu meinem Leben. Doch ich versuche, mich nicht von ihr leiten zu lassen, aber sie auch nicht zu ignorieren. Mir tut Wärme sehr gut, in Form von Bädern oder auch einer Wärmflasche. Wenn die Schmerzen fast unerträglich werden, dann hilft mir Bewegung. Grundsätzlich tut mir Osteopathie oder auch eine Fußreflexzonentherapie sehr gut. 

Was bedeutet die Diagnose für deinen Kinderwunsch?

Der unerfüllte Kinderwunsch ist sehr komplex und individuell. Bei mir spielt die Endometriose und Adenomyose mit rein, jedoch habe noch weitere Baustellen, die es aktuell erschweren.

Welchen Behandlungen unterziehst du dich, um dir deinen Kinderwunsch zu erfüllen?

Seit 2018 versuchen wir es mit der künstlichen Befruchtung.

Gibt es einen Rat deinerseits an andere Betroffene?

Mir hat es extrem geholfen, darüber zu reden und festzustellen, dass man kein schlechterer Mensch ist, weil man eine chronische Erkrankung hat.

Foto: Simone Lobgesang Fototgrafie

Endometriose und Kinderwunsch

Prof. Dr. med. Sylvia Mechsner, Leiterin des Endometriosezentrums in  der Charité und behandelnde Ärztin von Anna Wilken, spricht in einem Interview über die Krankheit Endometriose.

„Einfach nur“ starke Monatsblutung oder Endometriose wie erkennt man den Unterschied?

Die schwere, pathologische Dysmenorrhoe zeichnet sich durch sehr starke Schmerzen, die auf der visuellen Analogskala mit über fünf bis zehn von zehn angegeben werden, aus. Frauen „müssen“ also quasi liegen, sind arbeitsunfähig und müssen Schmerzmittel nehmen, ohne geht es praktisch nicht. Oftmals braucht es dann eben auch mehr als eine Schmerztablette oder höhere Dosierungen, und auch damit sind die Schmerzen oft nicht komplett aufgelöst. Oftmals bestehen zudem auch noch vegetative Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Kollapsneigung und vor allem auch zyklischer Durchfall. Typisch ist weiterhin, dass, wenn die Frau bereits eine Pille nimmt, die Abbruchblutung ebenfalls sehr schmerzhaft ist. 

Normaler Regelschmerz lässt sich durch die Einnahme von Buscopan oder 400 Milligramm Ibuprofen deutlich bessern bzw. ist dann komplett weg, auch Yoga, Ernährung und Akupressur sind dann oft schon ausreichend. 

Was bedeutet diese Krankheit für den Kinderwunsch?

Viele Frauen mit Endometriose werden auch problemlos schwanger, Endometriose bedeutet nicht automatisch, dass man keine Kinder bekommen kann. Aber da unter den Frauen, die bereits erfolglos versuchen, schwanger zu werden, bis zu 40 Prozent dann Endometriose haben, wissen wir natürlich, dass es auch Probleme geben kann. Das hängt von vielen Faktoren ab. Um schwanger werden zu können, werden viele Funktionseinheiten des Körpers gebraucht: Eierstöcke mit den Eizellen, Eileiter und Uterus sind da besonders wichtig, und alle Bereiche können von Endometriose betroffen sein. Zysten, zum Beispiel an den Ovarien, können durch die Größe die Eierstockfunktion stören, aber auch Operationen zur Zystenentfernung können die Eizellreserve reduzieren, Entzündungen und Verklebungen im Bauch können die Beweglichkeit der Tuben stören und letztlich kann die Adenomyose auch Einfluss nehmen. Dazu kommt dann eventuell noch das Alter der Patientin, denn je älter Frauen sind, desto eher nimmt die Eizellqualität dann auch leider ab. Daher kann man schon sagen, dass Frauen mit schwerer Endometriose und ab 35 mit deutlichen Einschränkungen rechnen müssen und daher lieber auch in einem Alter anfangen sollten den Kinderwunsch umzusetzen, in dem die Eizellreserve und die Qualität noch optimal sind

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Sylvia Mechsner

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Mikropille: Wenn Verhütungsmittel mehr können

Die Antibabypille ist in erster Linie natürlich noch immer ein Verhütungsmittel, das bei korrekter Einnahme eine Schwangerschaft zu 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit verhindert. Dabei unterscheiden sich die Pillen in Kombinations- und Minipillen. Sogenannte Mikropillen sind mittlerweile die häufigste Form der Kombinationspille und zeichnet sich da durch die deutlich niedrige Dosierung aus.

Egal ob Mikro- oder Minipille, die über die Pille eingenommenen Hormone sorgen dafür, dass der Eisprung unterdrückt wird. Dazu wird die Schleimhaut der Gebärmutter zusätzlich verdickt und so verändert, dass sich eine Eizelle nur sehr schwer einnisten könnte.

Mikropille: Niedrige Dosierung, weniger Nebenwirkungen

Im Gegensatz zur Minipille besteht die Kombinationspille, ebenso wie die Mikropille, aus zwei synthetisch hergestellten Sexualhormonen, jeweils ein Östrogen und ein Gestagen, wie beispielsweise Dienogest. Bei den Östrogenen wird dabei oft der Ersatzstoff Ethinylestradiol verwendet. Die Zusammensetzung der beiden Hormone ist dabei je Antibabypille unterschiedlich. Während manche Präparate selbst innerhalb des Zyklus unterschiedliche Dosierungen verwenden und so eine genaue Reihenfolge bei der Einnahme vorgeben, sind einphasige Pillen unkomplizierter. Jede Pille enthält dieselbe Dosierung.

Auf die Dosierung kommt es an

Im Vergleich zu den klassischen Kombinationspillen werden Mikropillen immer beliebter. Diese Kombinationspillen haben eine deutlich niedrigere Dosierung und bringen so weniger Nebenwirkungen mit sich. Mikropillen wie Maxim eignen sich durch ihre hormonelle Zusammensetzung nicht nur für Frauen, die möglichst nebenwirkungsfrei verhüten möchten, sondern können beispielsweise zur Akne-Behandlung verwendet werden.

Bei der Mikropille hilft der Östrogen-Anteil der Dominanz des Gestagens entgegenzuwirken und so Nebenwirkungen zu verhindern. Eine schonende Dosierung ist dabei wichtig, so liegt bei Maxim der Anteil von Dienogest bei 2 mg und von Ethinylestradiol bei 0,03 mg pro Tablette. Insgesamt sollte jede Frau beachten, dass unterschiedlichste Faktoren Einfluss darauf haben, welche Pille die richtige ist. Selbst Faktoren wie das Rauchen, Vorerkrankungen oder das Körpergewicht spielen eine Rolle und sollten daher mit dem Frauenarzt abgesprochen werden.

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