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Immunologie

„Ich habe Rheuma, aber das hält mich nicht auf!“

Foto: Deutsche Rheuma-Liga

Niemals aufgeben, niemals unterkriegen lassen – so geht Britta Klasen ihr Leben an. Die 24-jährige Studentin hat juvenile idiopathische Arthritis. Im Interview verrät sie uns, wie sie bereits in jungen Jahren lernte, mit dieser Krankheit zu leben, und wie sie mit ihrem Engagement bei der Deutschen Rheuma-Liga anderen Betroffenen helfen will.

Wie haben die Beschwerden bei dir angefangen?

Ich habe die Diagnose, seit ich 16 bin, aber rückblickend kann man sagen, dass die Beschwerden schon angefangen haben, als ich zwölf Jahre alt war. Es waren immer komische Dinge, die ich hatte. Mal eine Entzündung im Fuß, die vom Orthopäden behandelt wurde. Dann hatte ich ein entzündetes Knie, bei dem der Arzt Kortison gespritzt hat. Natürlich geht das dann erst mal wieder weg. Aber ich war immer das Kind, das diese komischen Beschwerden hatte. Nur hat erst mal niemand all diese Dinge in einen Kontext gebracht.

Gerade bei jungen Menschen denken auch Mediziner nicht gleich an Rheuma. Wie kam es schlussendlich zur Diagnose?

Nachdem ich mit 15 Jahren dann immer öfter stärkere Beschwerden bekam, sorgte eine Entzündung des Iliosakralgelenks (ISG) im Rücken für die Diagnose. Der Hausarzt meinte, dass da irgendwas nichtstimmen kann. Bis dahin bekam ich bei Beschwerden einfach Kortison, es wurde nie nach einer Grunderkrankung gesucht. Dann bin ich über Umwege in der Kinder- und Jugendrheumatologie gelandet. Dort wurden über Monate verschiedene Tests gemacht, durch die dann die Diagnose juvenile idiopathische Arthritis gestellt wurde.

Wie lebst du mit deiner Erkrankung?

Es war zuerst doch eine Art Schockdiagnose. Man kennt niemanden mit einer solchen Erkrankung und hat sich selbst vorher nie damit beschäftigt. Auf der anderen Seite war es beruhigend, endlich einen Namen für all die Dinge zu haben, die man vorher schon hatte. Es ist eine Schuberkrankung, und jeder Krankheitsverlauf ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Ich bin nicht völlig schubfrei, aber ich komme gut damit klar und kann meinen Alltag gut bewältigen. Man lernt, mit der Krankheit zu leben. Mir tut auch mal etwas weh, aber ich gehe dann trotzdem raus. Ich will mich von der Krankheit nicht aufhalten lassen.

Foto: Privat

Wie gehen deine Familie und Freunde mit deiner Erkrankung um?

Sie wissen es natürlich und wissen auch, was es bedeutet, aber es ist doch eher nur im Hinterkopf präsent. Beispielhaft dafür ist ein echt lustiger Moment letztens mit einer Freundin von mir. Als ich sagte, dass ich wegen des Coronavirus und der chronischen Erkrankung aufpassen muss, ist ihr erst da wieder eingefallen, dass ich überhaupt Rheuma habe. Es ist mittlerweile ein sehr lockerer Umgang, ich kann mit jedem offen darüber reden und sie wissen auch alle, dass man mich nicht jeden Tag fragen muss, wie es meinem Rheuma geht. Mein Motto ist immer: „Ich hab zwar Rheuma, aber mein Gott…“ Wenn ich die Nacht über tanzen war und am nächsten Tag die Füße wehtun, dann war es das absolut wert.

Du bist eines der beiden Gesichter der Kampagne „Rheuma ist jünger als du denkst“ der Rheuma-Liga. Was bedeutet dir diese Arbeit?

Ich bin schon seit 2015 für die Deutsche Rheuma-Liga aktiv. Mir persönlich hat das wirklich schon viel gebracht. Ich habe ein neues, gutes Verhältnis zu dieser Erkrankung durch mein Engagement bekommen. Man trifft Leute, die einen verstehen. Seitdem ich dort angefangen habe, habe ich das Rheuma viel mehr angenommen, akzeptiert und die Diagnose verarbeitet. Mir ist vor allem wichtig, zu zeigen, dass Rheuma wirklich jünger ist, als man denkt. Schon Kinder können daran erkranken und leiden darunter. Hinter Rheuma steckt mehr als die Oma mit Arthritisfingern, nämlich viele unterschiedliche Krankheitsarten und Menschen aller Altersklassen. Ich hoffe, wir schaffen dafür mehr Verständnis in der Gesellschaft und auch im medizinischen Bereich, damit auch Diagnosen früher gestellt werden.

Über Instagram gibt Britta regelmäßig einen Einblick in ihren Alltag mit juve­niler idiopathischer Arthritis www.instagram.com/deutsche_rheuma_liga  

Im Einsatz für Rheumabetroffene

Die deutsche Rheuma-Liga 

20 Millionen Menschen sind in Deutschland von einer rheumatischen Erkrankung betroffen. Die Deutsche Rheuma-Liga engagiert sich für die Bedürfnisse der Rheuma-Betroffenen – in der Politik, in der Forschung und gegenüber der Öffentlichkeit. Die Rheuma-Forschung fördern, in einem Aktionsplan Forderungen an die Gesundheits- und Sozialpolitik stellen, Bedürfnisse der Rheuma-Betroffenen auf internationalem Parkett vertreten: Jeden Tag setzt sich die Deutsche Rheuma-Liga mit vielen ehrenamtlichen Helfern für Menschen mit Rheuma ein. Der größte Selbsthilfeverein im Gesundheitsbereich unterstützt zudem den medizinischen Fortschritt. Der Verband hat gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie die Rheumastiftung ins Leben gerufen und fördert Forschungsprojekte im Rahmen konkreter Ausschreibungen. Regelmäßig startet die Deutsche Rheuma-Liga Kampagnen, um die Gesellschaft für Rheuma zu sensibilisieren und das Miteinander von Ärzten und Patienten zu verbessern, zum Beispiel mit dem Patient Partners Programm und Selbstmanagementkursen.

Einen ganz praktischen Alltagshelfer bietet die Rheuma-Liga in Form der App „Rheuma-Auszeit“ an, über die Patienten Bewegungs- und Entspannungsübungen zur Schmerzlinderung finden können, die als Audio-Dateien zum Hören oder als Videos bereitstehen. Gerade jetzt, wo man sich viel zu Hause aufhält, kann die App ein wertvoller Begleiter sein, um trotzdem in Bewegung zu bleiben und rheumatischen Schmerzen gezielt entgegenzuwirken. Die App kann im App Store und Google Play Store kostenlos heruntergeladen werden.

Zudem hat die Rheuma-Liga aus gegebenem Anlass die wichtigsten Informationen für Rheuma-Patienten im Umgang mit der Covid-19-Pandemie unter www.rheuma-liga.de/aktuelles zusammengestellt.

Weitere Informationen zum Thema Rheuma erhalten Sie auf der Website der Rheuma-Liga und www.rheumastiftung.org oder unter der Hotline 08 00-600 25 25.

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