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Im Körperinneren wütet ein Kampf – die Opfer sind die Erkrankten

Tanja Renner Vorstandsvorsitzende Nik e. V. (Netzwerk AutoImmunerKrankter) Foto: Pia von Ramin

Acht lange Jahre hat es gedauert, bis mir ein Arzt endlich eine Diagnose stellen konnte: Ich leide unter einer Autoimmunerkrankung. Ihr Name: Psoriasis-Arthritis.

Fast immer ändert sich das Leben grundlegend, wenn ein Arzt mit gütigen Augen und einem gewissen Maß an Mitgefühl in der Stimme einen Satz wie diesen sagt: „Sie haben eine Autoimmunerkrankung.” Die Diagnose – ein Schock. Aber immer noch besser als keine. Die Alternative: die Fortführung einer Odyssee von Arzt zu Arzt, bei der einen die Ungewissheit, nicht zu wissen, was man eigentlich hat, zermürbt. Besonders schlimm ist es, wenn Betroffene als Simulanten abgestempelt werden. Und das geht rasch, denn Autoimmunerkrankungen sind tückisch. Nicht nur weil sie unheilbar sind, auch weil die Symptome nicht sichtbar sind, aber im Körperinneren der Betroffenen ein filmreifer Kampf auf Leben und Tod wütet. Hauptdarsteller sind die eigenen Abwehrkräfte gegen das Immunsystem. Opfer ist der Erkrankte.

Sein eigener Feind sein? Fehlgeleitete Immunreaktionen im eigenen Körper machen es möglich. Gebündelte Daten und Fakten zu chronischen Erkrankungen, Spezialisten, aktuellen Forschungsarbeiten, Therapien helfen dem Betroffenen und seinem Umfeld. Auch das Erfahrungswissen von Betroffenen ist wichtig. Sie sind Experten ihrer Krankheit und Mitbetroffenen eine wichtige Hilfe.

Mir fehlten diese Informationen. Deshalb habe ich 2017 das digitale Netzwerk Autoimmunerkrankter, kurz NIK e. V. gegründet und lotse seitdem Menschen mit multipler Sklerose, Rheuma, Psoriasis, Neurodermitis und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen durch diese befremdlichen Zeiten. Allen Spendern und Sponsoren, die diese Hilfe möglich machen, spreche ich hiermit einen riesigen Dank aus – und möchte nicht unerwähnt lassen, dass weitere Hilfen jederzeit willkommen sind.

Fachinformationen und -artikel, Veranstaltungen, Beratungen und Patientengeschichten zu veröffentlichen, ist aufwendig. Aber die Anstrengung lohnt sich, wenn ich mir unsere „MutmachGeschichten“ auf nik-ev.de anschaue. Hier berichten Betroffene ehrlich und emotional stärkend über ihr Leben mit einer chronischen Krankheit – und sogar in der Corona-Krise sind sie nicht unterzukriegen, auch wenn das wochenlange Quarantäne für sie bedeutet, weil sie zur Risikogruppe gehören. Für mich ist jede dieser Geschichten eine wahre Heldengeschichte.

Veranstaltungstipp zum Welt-CED-Tag: Digitale Patientenveranstaltung des NIK e. V.

Anlässlich des Welt-CED-Tages wird am 19. Mai 2020 eine digitale Patientenveranstaltung stattfinden, die vom Netzwerk Autoimmunerkrankter (NIK e. V.) initiiert wurde. Für diese Veranstaltung konnten zwei renommierte Experten gewonnen werden, die über das Thema Covid-19 besonders im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen, wie zum Beispiel Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Rheuma sprechen werden. Denn besonders Menschen mit Autoimmunerkrankungen stehen jetzt vor besonderen Herausforderungen, die Unsicherheiten und Ängste mit sich bringen können. Wie also geht man als Autoimmunpatient mit Infektionen in der heutigen Zeit um? Frau Dr. med. Stefanie Howaldt aus Hamburg, die auf chronisch-entzündliche Darmerkrankungen spezialisiert ist, wird sich in ihrem Vortrag konkret dem Thema CED und Covid-19 widmen. Dr. Peer M. Aries, renommierter Rheumatologe aus Hamburg, wird dann allgemein auf das Thema „Autoimmunerkrankungen und Covid-19“ sowie Fragen rund um Präventionsmöglichkeiten für Betroffene eingehen. Natürlich können Teilnehmer dann auch selbst Fragen stellen, die ihnen unter den Nägeln brennen. Aufgrund der derzeitigen Situation wird dieses Event via Zoom live stattfinden.
 
Alle Informationen finden Interessierte unter www.nik-ev.de sowie auf den Facebook- und Instagram-Kanälen des Netzwerkes:
 
www.facebook.com/netzwerkautoimmunerkrankter/
www.instagram.com/netzwerk_autoimmunerkrankter/

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Schutzschild gegen Viren und Bakterien: Unser Immunsystem ist unsere stärkste Waffe!

Alle Jahre wieder, wenn die Tage kürzer und kälter werden, aber in diesem Jahr ganz besonders durch die anhaltende Pandemielage steht es ganz besonders im Fokus: unser Immunsystem, das uns vor eindringenden Bakterien und Viren schützen soll. Ist das Immunsystem jedoch geschwächt, haben eindringende Erreger leichtes Spiel.  

Unser Immunsystem – wie funktioniert es?

Unser Immunsystem umfasst verschiedene Organe, Botenstoffe und Zellen, die in ausgeklügelter Weise Tag und Nacht zusammenarbeiten, um den Körper vor eindringenden Erregern zu schützen, die ihn schädigen können. 

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Die erste Bastion, die Erreger überwinden müssen, sind sogenannte anatomische Barrieren: Dazu gehören z. B. unsere Haut, Nasenhaare und unsere Schleimhäute. Aus gutem Grund befinden sich Schleimhäute an all den Stellen des Körpers, an denen Erreger leicht eindringen können: im Mund- und Rachenraum, im Bereich der Augen, im Genitalbereich, im Verdauungstrakt. Körpereigene Substanzen wie Urin, Speichel, Bronchialschleim oder Magensäure unterstützen diese erste Immunabwehr. Im Verdauungstrakt und dem weiblichen Intimbereich sorgen zudem nützliche Bakterien dafür, dass Erreger keine Infektionen auslösen können.

Sind nun diese mechanischen Barrieren geschwächt, können z. B. Viren leichter in den Körper eindringen. Hier beginnt die Arbeit der angeborenen Abwehr: Sogenannte Fresszellen beginnen dann, die körperfremden Eindringlinge zu bekämpfen, um sie aus dem Körper zu schleusen. Diese angeborene Abwehr arbeitet wiederum mit unserer erworbenen Abwehr zusammen. Ganz vereinfacht ausgedrückt, speichert die erworbene Immunabwehr den einzelnen Erreger ab und kann dann beim nächsten Kontakt mit diesem Erreger in Form von Antikörpern den Kampf aufnehmen. Dieses sogenannte Immungedächtnis machen sich auch Impfungen zunutze.

Aber selbst wenn der Erreger die Oberhand gewinnt, ist ein starkes Immunsystem die Voraussetzung dafür, dass eine einsetzende Erkrankung möglichst mild verläuft. Denn nur wenn die Viren an der unkontrollierten Vermehrung gehindert werden können, kann der Körper die Erkrankung überwinden und wieder gesunden.

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Stärkung des Immunsystems

Die wichtige Frage ist demnach, was man selbst dazu beitragen kann, um das Immunsystem bei der Abwehr von Erregern zu unterstützen. Denn wenn das Immunsystem intakt ist, kann es den Körper effektiv vor einer Infektion schützen bzw. im Fall einer Erkrankung dazu beitragen, dass eine Infektion weniger schwer verläuft. 

Zunächst die gute Nachricht: Man kann einiges selbst leisten, um die Immunabwehr zu unterstützen. Dazu gehört ausreichend Bewegung, ein gesunder Lebensstil möglichst unter Verzicht von Genussmitteln wie Alkohol und Nikotin und ausreichend Schlaf. Zudem ist eine ausgewogene Ernährung ein wichtiges Instrument, denn das Immunsystem muss versorgt werden: mit sogenannten Mikronährstoffen, die dazu beitragen, dass die verschiedenen Komponenten des Immunsystems funktionieren können. Viel Gemüse und ab und an eine Portion Obst sollten jeden Tag auf dem Speiseplan stehen. Um den Körper zusätzlich mit Vitaminen, Mineral- und Mikronährstoffen zu versorgen, können auch entsprechend formulierte Nahrungsergänzungsmittel zum Einsatz kommen.

Zu guter Letzt spielt auch der psychische Zustand eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Zwar ist es in diesen so herausfordernden Zeiten nicht leicht, Stress und Ängste zu vermeiden. Jedoch tragen sie zum Abbau von Immunzellen bei, was wiederum unser Schutzschild schwächt. Ein Spaziergang an der frischen Luft, eine Yoga-Session oder auch nur eine kurze Auszeit mit einem guten Buch kann daher helfen, die Seele im Gleichgewicht zu halten und damit das Immunsystem bei seiner wichtigen Arbeit zu unterstützen.

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