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Dr. med. Walter Wührer setzt bei der Behandlung seiner Patienten unter anderem auf die Mikroimmuntherapie. Für welche Anwendungsbereiche sie geeignet ist und wie die immuntherapeutischen Präparate ihre Wirkung entfalten, erklärt er uns im Interview.

Dr. med. Walter Wührer

Facharzt für Allgemeinmedizin

Welchen Stellenwert hat die Mikroimmuntherapie in Ihrer Praxis und wie sollte man sich eine konkrete Behandlung damit vorstellen?

Die Mikroimmuntherapie nimmt einen wichtigen Stellenwert in meiner Praxis ein, da sie mir ermöglicht, gezielt Einfluss auf das Immunsystem meiner Patienten zu nehmen. Zunächst gilt es, eine ausführliche Anamnese durchzuführen sowie zumeist auf weiterführende Laboruntersuchungen (z. B. Lymphozytentypisierung, Serologien) zurückzugreifen, um den Immunzustand sowie mögliche Störfaktoren zu bestimmen. Je nach den Laborergebnissen und dem klinischen Zustand des Patienten wird das geeignete mikroimmuntherapeutische Präparat ausgewählt und die Behandlung an die individuellen Bedürfnisse angepasst. Die Behandlungsdauer kann in Abhängigkeit von der zu behandelnden Krankheit und betroffenen Person einige Wochen bis hin zu mehreren Monaten dauern.

Bei welchen Erkrankungen kommen die mikroimmuntherapeutischen Präparate zur Anwendung?

Da Fehlfunktionen des Immunsystems mit zahlreichen Krankheitsbildern in Verbindung stehen, ist der Anwendungsbereich der mikroimmuntherapeutischen Mittel weit gefächert. So gibt es für diverse Krankheitsbilder unterschiedliche Präparate, die jeweils ganz spezifische Kombinationen von Immunbotenstoffen beinhalten und verschiedene Ziele verfolgen. 

Bei rezidivierenden Infekten z. B. – die als Anzeichen von mangelnder Abwehrfähigkeit gelten – wird die Mikroimmuntherapie eingesetzt, um die Immunreaktion sanft zu fördern. Auch bei anderen Infektionskrankheiten (u. a. Pfeiffersches Drüsenfieber, Windpocken, Gürtelrose, Herpes simplex) soll durch die mikroimmuntherapeutischen Präparate der Virenvermehrung entgegengewirkt und dem Immunsystem im Kampf gegen die Eindringlinge geholfen werden. Im umgekehrten Fall, wenn das Immunsystem auf harmlose Stoffe „überreagiert“, wie das der Fall bei Allergien ist, soll durch die Wirkstoffe des entsprechenden Präparats die übermäßige Reaktion eingedämmt werden. Zusätzlich finden die Mikroimmuntherapeutika Anwendung bei entzündlichen bzw. autoimmunen Erkrankungen als Teil eines ganzheitlichen Therapieplanes. In diesen Fällen sind sie darauf ausgerichtet, fehlgeleitete Reaktionen des Immunsystems auszugleichen. 

Die Mikroimmuntherapeutika enthalten Immunbotenstoffe in niedrigen Dosierungen (low doses). Inwieweit sind diese wirksam? Wie sieht es mit der Studienlage aus?

Immer mehr Studien belegen die Wirksamkeit und die gute Verträglichkeit der mikroimmuntherapeutischen Präparate. So z. B. zeigen aktuelle In-vitro- und In-vivo-Studien die entzündungshemmende Wirkung des Mikroimmuntherapeutikums 2LARTH®.1–2 In diesem Sinne konnte in einer Studie von 2020, die an Mäusen mit rheumatoider Arthritis durchgeführt wurde, eine Senkung des Plasmaspiegels bestimmter entzündlicher Zytokine sowie eine Linderung der charakteristischen Symptomatik dieser Erkrankung beobachtet werden.2 Eine andere Studie aus dem Jahre 2020 zeigt die positiven Effekte des Mikroimmuntherapeutikums 2LALERG® in einem Tiermodell mit allergischer Atemwegserkrankung.3 Die Wirksamkeit und die gute Verträglichkeit dieser Behandlung wurde ebenfalls in einer placebokontrollierten Doppelblindstudie mit insgesamt 41 Heuschnupfenpatienten bestätigt. Nichtsdestotrotz ist durchaus mehr Forschung in diesem Bereich erforderlich, um die Wirkmechanismen besser verstehen zu können.4 


Die Mikroimmuntherapie wird als Low-Dose-Immuntherapie definiert. Wieso sind die Mikroimmuntherapeutika dann als homöopathische Arzneimittel klassifiziert?

Die Mikroimmuntherapie setzt, wie zuvor erwähnt, niedrig dosierte Immunbotenstoffe ein (Low-Dose-Immuntherapie). Da es sich um eine innovative Linie innerhalb der Immuntherapie handelt, verfügt die Mikroimmuntherapie noch nicht über eine spezifische regulatorische Klassifizierung. Aufgrund der Aufbereitung der Wirkstoffe in niedrigen Dosierungen nach einem spezifischen Verdünnungs-/Verschüttelungsverfahren – wie in der Homöopathie – sowie ihrer guten Verträglichkeit werden die heute zur Verfügung stehenden Mikroimmuntherapeutika von den Arzneimittelbehörden als homöopathische Medikamente klassifiziert.   

1. Floris I, Appel K, Rose T, Lejeune B. 2LARTH®, a micro-immunotherapy medicine, exerts anti-inflammatory effects in vitro and reduces TNF-α and IL-1β secretion. J Inflamm Res. 2018;11:397–405.
2. Floris I, García-González V, Palomares B, Appel K, Lejeune B. The Micro-Immunotherapy Medicine 2LARTH® Reduces Inflammation and Symptoms of Rheumatoid Arthritis In Vivo. Int J Rheumatol. 2020;2020:1594573.
3. Floris I, Chenuet P, Togbe D, Volteau C, Lejeune B. Potential Role of the Micro-Immunotherapy Medicine 2LALERG in the Treatment of Pollen-Induced Allergic Inflammation. Dose Response. 2020;18(1):1559325820914092.
4. Van der Brempt X, Cumps J, Capieux E. (2011). “Efficacité clinique du 2L ® ALERG, un nouveau traitement de type immunomodulateur par voie sublinguale dans le rhume des foins : une étude en double insu contre placebo”. Rev Fr Allergol 51(4):430-436.

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Immunologie

Hanh leidet unter der seltenen Erkrankung Lupus. Was die Diagnose für Ihr Leben bedeutet und wie sie es schafft, trotzdem hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken, erzählt sie uns im Interview.

Hanh, du lebst mit der seltenen Autoimmunerkrankung systemischer Lupus erythematodes. Wie hat sich die Krankheit bemerkbar gemacht und wie wurde die Diagnose gestellt?

Mit 17 habe ich die ersten Symptome bekommen, die ich jedoch ignorierte, weil man nicht gleich davon ausging, dass Schmerzen im Knie oder am Handgelenk etwas Schlimmes sein könnten. Es folgten durch privaten Stress und nach einem Sonnenstich im Sommer ein Ausschlag im Gesicht, hohes Fieber, Halluzinationen und Lähmungen im gesamten Körper. Unzählige Krankenhausbesuche haben nichts Konkretes ergeben. Nach weiteren ärztlichen Meinungen stellte man an der Uniklinik in Köln nach sämtlichen Blut- und körperlichen Untersuchungen fest, dass es sich um den systemischen Lupus erythematodes mit Niereninsuffizienz Stadium II handelt.

Wie ging es dann weiter? Wie gestaltet sich für dich der Alltag mit dieser seltenen Erkrankung?

Viele Fragen gingen mir durch den Kopf: Wie schlimm ist die Erkrankung, wie konnte das passieren? Warum ich? Mit 18 Jahren musste ich die meiste Zeit in der Klinik verbringen, während andere in meinem Alter endlich unabhängig sein konnten – einfach erwachsen sein. Bei mir fing alles erst später an, auch was den Einstieg in das normale Berufsleben angeht. Ich habe Jahre gebraucht, um zu akzeptieren, dass ich chronisch krank bin, von nun an jeden Tag Medikamente einnehmen und viel Zeit beim Arzt verbringen muss. Mein Alltag mit der Erkrankung ist aktuell relativ normal. Ich habe kaum Einschränkungen, bis auf dass ich häufiger erschöpft und müde bin. Ich arbeite aber in Vollzeit, mache Sport. Ich habe besonders beruflich das Glück, dass ich die Freiheit habe, mich auf meine Gesundheit konzentrieren zu können. Das bedeutet mir sehr viel. Obwohl es selbstverständlich sein sollte, habe ich in dieser Hinsicht leider in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen sammeln müssen.

Du hast eine Niereninsuffizienz Stadium IV – was genau bedeutet das und was sind die nächsten Schritte?

Ich stehe im Stadium IV quasi kurz vor einer möglichen Nierentransplantation/Dialyse. Aktuell versuchen die Ärzte, mit Immunsuppressiva meinen Gesundheitszustand stabil zu halten, um die Dialyse/Transplantation so weit wie möglich hinauszuzögern und zeitgleich schon notwendige Untersuchungen durchzuführen, um eine bevorstehende Transplantation zu ermöglichen. Es ist also eine Frage der Zeit, bis es so weit ist. Mein Partner und meine Eltern haben sich bisher für mich testen lassen – für mich bedeutet das sehr viel und ich bin ihnen sehr dankbar dafür. Ich habe mit meinen 28 Jahren noch viel vor, ich möchte so lange wie möglich ein relativ normales Leben führen können. Mein Wunsch, in der Zukunft Mutter werden zu können, ist sehr hoch und kann nur erfüllt werden, wenn ich transplantiert und stabil bin.

Wie gelingt es dir an schwierigen Tagen wieder positive Gedanken zu fassen?

Es gibt oft Momente, in denen ich viel nachdenke und mich frage, womit ich das verdient habe, aber im nächsten Moment merke ich, dass der Lupus sich auch positiv ausgewirkt hat. Ich achte mehr auf mich selbst und mein Wohlbefinden. Früher habe ich meine Sorgen lieber in mich hineingefressen, heute habe ich gelernt, mich mehr zu öffnen und meine Gedanken z. B. mit meinem Partner zu teilen. Er ist einer der wenigen Menschen, die mich an schlechten Tagen wieder aufmuntern können und der mir Mut zuspricht. Ich fühle mich damit nicht allein und das gibt mir ein positives Gefühl. Außerdem hole ich mir gerne Tipps von anderen Lupus-Erkrankten in einer Facebook- Gruppe ein, denn diese Menschen teilen das gleiche Leid mit mir und verstehen mich am besten.

Was möchtest du Betroffenen und Angehörigen mit auf den Weg geben?

Es ist leichter gesagt als getan, aber für Betroffene wünsche ich mir, dass jeder lernen sollte mehr an sich selbst zu denken und auf deren Wohlbefinden Acht zu geben. Denn erst wenn man krank ist, weiß man zu schätzen wie es ist gesund zu sein. Man sollte versuchen Sorgen und Probleme auszusprechen, denn Stress wirkt sich sehr schlecht auf die Erkrankung aus und gilt generell als Auslöser für viele Krankheiten.

Foto:  PicturePeople

Oft muss man sich verschiedene Meinungen der Ärzte einholen, bis man den richtigen Arzt gefunden hat, der die passende Therapie findet, womit man ein relativ normales Leben führen kann. Es ist sehr wichtig, den Rat des Arztes zu befolgen und die Medikamente niemals zu vernachlässigen, da der Lupus schubweise verläuft und auch wenn man sich körperlich gut fühlt, kann der Lupus vielleicht unbemerkt schon aktiv sein. Engmaschige Arztbesuche sind daher sehr wichtig!

Angehörigen kann ich auf den Weg geben: Zeigt Verständnis, wenn die erkrankte Person oftmals und schneller erschöpft ist. Vielleicht sieht man uns die Erkrankung nicht an, daher ist es für Angehörige oder auch Bekannte und Kollegen manchmal schwer zu glauben, ob die/der Erkrankte sich wirklich unwohl fühlt oder ob die Person es nur „vortäuscht“. Der Lupus hat tausend Gesichter und kann sich bei jedem Schub anders äußern, das ist das tückische an dieser Erkrankung.

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sprechen, dass ich zwar sehr froh bin, dass man den Lupus nicht immer nach außen hin erkennen kann, aber ich schon oftmals in der Vergangenheit zu spüren bekommen habe, dass es mir doch gar nicht so schlecht gehen kann. Gerade wenn man im Berufsleben steht und sogar ein schlechtes Gewissen haben muss, weil man krank ist. 

Sie möchten mehr über Hanh erfahren?

Verfolgen Sie ihren inspirierenden Weg auf Instagram unter @lupusundich

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