Home » Krankheitsbilder » Augen » Alterssichtigkeit korrigieren durch Augenoperation?
Augen

Alterssichtigkeit korrigieren durch Augenoperation?

Herr Dr. Schmid, Ihr Spezialgebiet ist das Einsetzen von Multifokallinsen und anderen Sonderlinsen, um Fehlsichtigkeiten zu korrigieren. Sind Sie ein Brillengegner?

(Lacht) Nein, ich bin kein Brillengegner. Aber es ist heutzutage in den allermeisten Fällen tatsächlich möglich, mittels Laser oder Einsetzen von Linsen das Hilfsmittel Brille überflüssig zu machen. Man braucht also vor solchen Eingriffen keine Angst zu haben. Bei Risiken oder zu großen Kompromissen würde man lieber weiterhin Brille tragen. Aber gerade Sonderlinsen bringen oft eine ungeahnte Lebensqualität.

Sie haben große Erfahrung mit Sonderlinsen – wo liegen die Unterschiede zwischen den einzelnen Systemen?

Der große Mehrwert liegt etwa bei Multifokallinsen darin, dass ein Sehen für Ferne und Nähe ermöglicht wird. Das kann die ideale Lösung bei Alterssichtigkeit sein. Hierfür gibt es zwei Linsentypen: Multifokallinsen und sogenannte EDoF-Linsen, übrigens auch um eine Hornhautverkrümmung zu korrigieren. Multifokallinsen (MIOL) ermöglichen ein Sehen in Ferne, PC-Abstand und Nähe und sind daher ideal für den PC-Arbeitsplatz geeignet. EDoF-Linsen („Extended Depth of Focus“) erhöhen die Tiefenschärfe und erlauben ein kontinuierlich gutes Sehen von der Ferne bis in den PC-Bereich – für die unmittelbare Nähe, zum Beispiel das flüssige Lesen eines Buches, ist aber meist eine Lesebrille erforderlich. EDoF-Linsen sind aktuell die modernste Entwicklung, wir konnten in Ulm und Dillingen/Donau bei der Markteinführung der Zeiss-LARA-EDoF-Linse 2017 mitwirken.

Sind diese Linsen für jeden geeignet?

Wir wählen hier sehr genau aus: Welches Auge ist geeignet, für welchen Patienten ist welche Linse geeignet – vom Beruf her, von der Freizeitgestaltung und nicht zuletzt von der Persönlichkeit her? Manchmal muss man dann auch einen Patienten enttäuschen und das Einsetzen einer bestimmten Linse ablehnen, zum Wohle des Patienten.

Entscheiden sich viele Menschen für das Einsetzen solcher Linsen?

Die Alterssichtigkeit ist für die meisten Menschen eine sehr störende Tatsache, und sie trifft jeden. Daher nimmt die Zahl derer deutlich zu, die nicht nur per Augenlaser ihre Brille loswerden wollen, sondern gleichzeitig auch einen Mehrwert für die Nähe haben möchten. Ebenso möchten viele ältere Menschen mit grauem Star nach der Operation möglichst ohne Gleitsichtbrille zurechtkommen. Wichtig hierbei ist: Der Wunsch nach solchen Linsen muss immer vom Patienten ausgehen – und der Augenarzt muss dann beurteilen, ob dies sinnvoll ist.

Das hört sich alles fast zu schön an. Wo liegen die Risiken?

Wir müssen hier eher über Kompromisse reden als über Risiken, denn diese Operationen sind langjährig etabliert, standardisiert und extrem sicher. Natürlich sollte man sorgfältig auswählen, von wem man sich operieren lässt! Bei einem erfahrenen, geschickten Operateur sehe ich kein Risiko für das Auge. Kompromisse sind bei Multifokallinsen nachts und in der Dämmerung vorhanden. Es wird mehr Licht beim Lesen benötigt und nachts werden Lichtringe um Lichtquellen wahrnehmbar sein, sogenannte Halos. Bei EDoF-Linsen zeigt sich dies deutlich weniger, allerdings wird man dafür in manchen Situationen nicht ohne Lesebrille auskommen.

Wenn ich mich jetzt für eine solche Operation entscheide – wie läuft denn das Ganze ab?

Moderne Linsensysteme werden heutzutage in einem kurzen ambulanten Eingriff ins Auge eingesetzt, meist in einem Dämmerschlaf, somit komplett schmerzfrei und entspannt. Beide Augen werden kurz nacheinander operiert. In aller Regel ist man am nächsten Tag wieder körperlich voll einsatzfähig und wird sehr bald gut sehen. Nach Abschluss der Behandlung kann ein Führerscheinattest ausgestellt werden. Am frisch operierten Auge reiben oder ins Wasser darf man für zwei Wochen nicht. Wichtig ist auch, dass dieser kurze, elegante Eingriff nicht bagatellisiert wird und konsequent nach Plan für einige Tage Augentropfen genommen werden.

Nächster Artikel