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Die Hörgerätanpassung geht Hand in Hand mit dem Gehörtraining

Worauf sollten Betroffene generell achten, wenn sie sich neue Hörgeräte anschaffen?

Auf jeden Fall sollte ein Hörtraining angeboten und auch durchgeführt werden. Das Hörtraining sollte mit in den Anpassprozess integriert sein, bestenfalls im Vorfeld der eigentlichen Hörgeräteauswahl stattfinden. Das ist deshalb so wichtig, weil das Gehör aus zwei Bausteinen besteht. Nämlich die Ohren, die für das Hören zuständig sind, und zum anderen die Hörverarbeitung, die im Gehirn stattfindet und das Gehörte interpretiert, sodass wir erst verstehen können, was überhaupt gesagt wurde.

Woher stammt die Idee, ein Gehörtraining mit in die Hörgeräteanpassung zu integrieren?

Das Gehör besteht wie schon vorab erwähnt aus zwei Bausteinen. Ein Hörverlust bleibt nie allein auf die Ohren beschränkt, auch die Hörverarbeitung leidet aufgrund des fehlenden akustischen Inputs. Deshalb sollte eine Hörgeräteanpassung immer ganzheitlich erfolgen, das heißt Hörgeräte für die Ohren und Hörtraining für das Gehirn. Aus der Praxis ist bekannt, dass viele Schwerhörige auf Hörgeräte verzichten oder trotz guter Technik mit dem Hörerfolg nicht zufrieden sind. Vor allem in geräuschvoller Umgebung wird das besonders deutlich.

Mittlerweile gibt es eine Flut von Hörtrainingskonzepten, die dem Akustiker oder HNO-Arzt zur Verfügung stehen.

Das liegt mitunter daran, dass das Gehirn durch die Hörentwöhnung nicht mehr in der Lage ist, die Fülle von Geräuschen, die durch Hörgeräte wieder hörbar werden, zu verarbeiten. Ein Hörtraining unterstützt, dass dies wieder besser gelingt. Bereits in den 70er-Jahren wurden im Rahmen der Hörgerätenachsorge zunehmend Maßnahmen wie Hörtraining und Hörtaktik vornehmlich im skandinavischen Sprachraum entwickelt und auch in Deutschland empfohlen und eingesetzt. Mittlerweile gibt es eine Flut von Hörtrainingskonzepten, die dem Akustiker oder HNO-Arzt zur Verfügung stehen.

Wie sollte ein Hörtraining aufgebaut sein und was kann damit erreicht werden?

Ein Hörtraining sollte vor allem strukturiert und gut in den Alltag integrierbar sein. Das heißt: festgelegter Zeitrahmen, festgelegte Übungen, tägliches Üben, Begleitung durch den HNO-Arzt oder Akustiker und verifizierbare Ergebnisse. Ein Knackpunkt der Hörgeräteanpassung ist oftmals die fehlende Lautstärkeakzeptanz gegenüber den notwendigen Verstärkungswerten, vor allem für die hohen Frequenzen. Dies ist aber ganz wichtig, um auch den bestmöglichen Versteherfolg zu erzielen.

Generell sollte die regelmäßige Überprüfung des Gehörs obligatorisch mit in die Gesundheitsvorsorge aufgenommen werden.

Ein Hörtraining hilft, sich nach und nach an die Lautstärke zu gewöhnen, sodass die Hörgeräte letztlich auch an den Ohren bleiben und somit den größtmöglichen Nutzen haben. Des Weiteren kann ein Hörtraining auch zur Reaktivierung beeinträchtigter Hörfilter beitragen. Das heißt, dass in geräuschvoller Umgebung Kommunikation wieder besser stattfinden kann. Man lernt das gezielte Hin-, aber auch Weghören, und das Gehirn lernt wieder, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.

Gibt es zusätzliche Möglichkeiten, der Hörentwöhnung entgegenzutreten?

Generell sollte die regelmäßige Überprüfung des Gehörs obligatorisch mit in die Gesundheitsvorsorge aufgenommen werden. Es sollte selbstverständlich sein, dass wir unser Gehör einmal im Jahr prüfen lassen, genauso wie wir regelmäßig zum Zahnarzt oder hausärztlichen Gesundheitscheck gehen. Nur dann kann rechtzeitig reagiert werden und einer Hörentwöhnung vorgebeugt werden. Denn bei einer Hörgeräteversorgung gilt: Je eher man damit beginnt, umso einfacher ist es, sich an die „neuen“ Höreindrücke zu gewöhnen.

Wie ist der aktuelle Stand der Forschung bezüglich des Gehörtrainings?

Die Forschung befasst sich schon sehr lange mit dem Thema Hörtraining. Mit der apparativen Versorgung lässt sich idealerweise der periphere Hörverlust optimal ausgleichen, während ein Hörtraining Einfluss auf das zentrale Hören der Hörverarbeitung nimmt. Es wird bewusst die Plastizität, also die Veränderbarkeit und Lernfähigkeit des Gehirns genutzt, um das Hören „neu“ zu lernen. Eine Studie von Anderson aus dem Jahr 2013 zeigte, dass ein auditorisches kognitives Training das Sprachverstehen in geräuschvoller Umgebung verbessert und altersbedingte Defizite des Gehirns bei der zeitlichen Verarbeitung von Signalen beheben kann.

Eine weitere Veröffentlichung titelt sogar: „Auch bei älteren Erwachsenen kann das Gehirn immer noch auf das Verstehen in geräuschvoller Umgebung trainiert werden“. Die Autorinnen ziehen das Fazit, dass ein Hörtraining auf jeden Fall bei der Versorgung schwerhöriger Menschen in Betracht gezogen werden sollte. Zusammenfassend kann man sagen, dass wissenschaftliche Studien bereits positive Erkenntnisse, die für die Durchführung eines Hörtrainings sprechen, gezeigt haben.

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Happy Ear

Nicht mal ein Gramm schwer und so wirkungsvoll? Wie funktioniert das HCP?

Normalerweise gelangt Störlärm bei offenen Hörgeräte-Versorgungen durch die Belüftungsöffnung an das Trommelfell. Eine Belüftungsöffnung muss sein, damit das Ohrgewebe mit Sauerstoff versorgt wird. Viele Hörgeräteträger entscheiden sich für eine offene Versorgung mit einer großen Belüftungsbohrung oder Schirmchen mit vielen Löchern.

Das war bisher so – ganz egal welches Hörgerät man trug. Zurück zu unserem HCP. Es ist eine kleine Otoplastik, die mit einem luftdurchlässigen akustischen Filter ausgestattet ist. Der lässt Störlärm nicht durch, sorgt aber für ein natürliches Hörgefühl.

Wie darf ich mir das vorstellen?

Ohne HCP sitzen Sie im Restaurant und hören Geschirrklappern und Geräuschbrei anstatt ihren Nachbarn. Mit HCP hören Sie was ihr Tischnachbar sagt, Geschirrklappern und Stühleknirschen sperrt unser Akustikfilter aus.

Ist die Lösung so einfach?

Jetzt ja. Dem fertigen Produkt sind aber unzählige Entwicklungsschritte in unserem Audiologie- Labor vorausgegangen. Zunächst mussten wir uns mit Störlärm auseinandersetzen: In welchen Frequenzen tritt er auf? Wie halten wir ihn so auf, dass er nicht ans Trommelfell gelangt? Schließlich gelang es uns, ein Material zu finden, das Luft zirkulieren lässt und Lärm linear dämmt: Kohlefaser (Carbon).

Im Labor haben wir unseren luftdurchlässigen Carbonfilter in eine leichte Folien-Otoplastik eingesetzt. Die ersten Produkttests liefen überragend, das HCP war geboren. Der Filter erreicht mit seiner linearen Dämpfung im Tieftonbereich bis zu 15 dB. Dadurch verringert sich der störende Tieftonanteil in lauter Umgebung. Wir messen ein um 20% verbessertes Sprachverstehen. Das hat sich inzwischen herumgesprochen, unsere Telefone laufen schon heiß.

Für wen ist diese Neuheit geeignet?

Für alle, die ein HdO („Hinter-dem-Ohr“) -Hörgerät tragen, ganz egal welches Modell. Denken Sie an einen Sportwagen mit Holzrädern. Das Sportfahrwerk wird seine PS nicht auf die Straße bringen können.

Genauso ist es mit einem Hörgerät ohne HCP. Die ausgeklügelte Technik nützt wenig, wenn Störlärm ungehindert ans Trommelfell gelangt. Unser HCP unterstützt alle technischen Features eines Hörgeräts und ist wasser- und schmutzunempfindlich. Der Akustiker kann aus drei optional einzusetzenden Filtern wählen und sogar eine individuelle Feinabstimmung vornehmen.

 

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