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Krankheitsbilder

Grund zum Feiern!

Foto: VectorMine via Shutterstock

Dieses Jahr feiern wir gleich zwei Jubiläen: 30 Jahre Weltdiabetestag und 100 Jahre Insulin! Im Sommer 1921 isolierten die Forscher Frederick Banting und Charles Best erstmals Insulin aus der Bauchspeicheldrüse von Hunden und ebneten damit den Weg für die erste erfolgreiche Behandlung des Diabetes mellitus. 

Dr. med. Jens Kröger

Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe

Dieser Meilenstein der Medizingeschichte kommt heute weltweit vielen Millionen Menschen zugute. Seit 30 Jahren finden am 14. November in zahlreichen Ländern Veranstaltungen statt, um auf Diabetes mellitus, die leider nach wie vor stetig steigende Zahl Betroffener und die Folgen der chronischen Stoffwechselerkrankung aufmerksam zu machen. Bereits im letzten Jahr musste die zentrale Veranstaltung als analoges Event in Berlin Corona-bedingt ausfallen. Auch dieses Jahr findet sie ausschließlich digital auf www.weltdiabetestag.de statt. Doch ob analog oder digital: Die Geschichten Betroffener machen die chronische Erkrankung Diabetes greifbar und legen deren Komplexität offen. Denn nicht alle Erkrankten sind gleich und lassen sich in das Cluster Diabetes Typ 2 (mehr als 90 Prozent der Betroffenen) oder Typ 1 (ca. fünf Prozent) einteilen: Es gibt diverse Subtypen von Diabetes Typ 2 oder auch späte Diabetes-Typ-1-Betroffene (Lada), hinzu kommen Schwangerschaftsdiabetes und „Diabetes Typ 3“.   

Die Diagnose Diabetes mellitus zieht bei vielen Menschen mit Diabetes die Angst vor möglichen Folgen nach sich. Zu erschreckend sind die Zahlen der diabetes-assoziierten Begleit- und Folgeerkrankungen, die die Lebensqualität und die Lebenserwartung massiv einschränken können, zum Beispiel an den Augen, Füßen oder am Herzkreislauf-System. Früh erkannt, lassen sie sich bei Diabetes Typ 1 und Typ 2 jedoch gut vorbeugen und behandeln. 

Es ist daher Zeit, mit Vorurteilen wie „Das bisschen Zucker“ (Typ 2) oder „Du hast Diabetes? Du bist doch gar nicht dick“ (Typ 1) aufzuräumen. Helfen würde dabei eine nationale Aufklärungskampagne, mit der die BZgA bereits seit 2016 beauftragt ist. Helfen würde auch endlich die Umsetzung der Nationalen Diabetesstrategie, die bereits im Juli 2020 im Bundes-
tag verabschiedet wurde und seitdem größtenteils brach liegt. Möge die neue Bundesregierung nun eine strukturierte Implementierung der Maßnahmen angehen, die den Menschen mit Diabetes besonders wichtig sind: 

1. Sektorenübergreifende Versorgung patientenorientiert und individualisiert voranbringen

2. Digitalisierung und Telemedizin ausbauen, Datenschutz und Datensouveränität sichern

3. Gesunde Ernährung, klare Nährwertkennzeichnung und mehr Bewegungsangebote für alle  

4. Bundesweit einheitliche Regelung für die Betreuung von Kindern mit Typ 1

Ihr Dr. med. Jens Kröger

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