Triathletin Teresa Walter-Leitzgen (@theatritralisch) kennt die Herausforderungen von Neurodermitis nur zu gut – besonders im Sport. Im Interview spricht sie über Schübe, Vorurteile und Resilienz.

Wie beeinflusst Neurodermitis deinen Alltag und Sport?

Meine große Leidenschaft ist der Triathlon. Schwitzen und Wasserkontakt gehören zum Trainingsalltag. Schweiß und Wasserkontakt können Ekzeme ggf. noch schlimmer machen oder die Haut zusätzlich austrocknen. Im (Trainings-)Alltag habe ich meine Pflegeprodukte immer parat und verzichte auch auf schwarze Kleidung, damit nicht jede Hautschuppe durchs Kratzen sofort sichtbar wird. Beim Triathlon habe ich z.B. in den Wechselzonen Pflegeprodukte platziert, um mich nach dem Schwimmen direkt an sensiblen Hautstellen (Arme + Gesicht) eincremen zu können.
Wie gehst du mit akuten Schüben um?
Akute Schübe machen mich sehr schlapp und fordern einen klaren Kopf: nicht kratzen! Ich versuche dann, Stress zu reduzieren, Schlaf zu fokussieren, die Haut zu kühlen und mich vom Juckreiz abzulenken. Vor allem versuche ich mir in dieser Zeit aber auch ganz bewusst zu sagen:
Du bist mehr als nur deine Haut!
Welche Pflegeprodukte oder Routinen sind für dich unverzichtbar?
Ich habe eine große Auswahl an Pflegeprodukten, die ich gut vertrage und situativ an die aktuelle Neurodermitis-Situation anpassen kann. Als Basispflege für den Körper nutze ich rückfettende, reizlindernde Formulierungen, die die Hautbarriere stärken. Bei sehr trockener Haut greife ich gerne auf parfümfreie Lotionen mit etwa 10 % Urea zurück. Im Gesicht setze ich auf leichte, feuchtigkeitsspendende Pflege – zum Beispiel mit Aloe Vera, Hyaluronsäure und Ceramiden – und kombiniere diese bei Bedarf mit einem Lichtschutzfaktor. Für besonders empfindliche oder gereizte Stellen verwende ich gerne Wund- und Heilsalben mit Dexpanthenol, die beruhigend wirken und die Regeneration unterstützen. Bei akuten Schüben helfen mir zudem gezielte, entzündungshemmende Pflegeprodukte für sensible Haut.
Hast du im Alltag Stigmatisierung oder Unverständnis bezüglich deiner Neurodermitis erlebt?
Leider ja. Mir wurde mal gesagt, dass ich ja „wie ein Clown“ aussehe. Da hatte ich stark gerötete und geschwollene Augen, Neurodermitis im Gesicht. Im ersten Moment habe ich mitgelacht. Später habe ich gemerkt, wie sehr mich die Situation verletzt hatte. Einmal hatte ich in der Bahn schlimmen Juckreiz und wollte meine Haut dann direkt mit einer Akutpflege behandeln. Die Person neben mir ist dann aufgestanden und hat sich von mir weggesetzt. Dabei ist Neurodermitis überhaupt nicht ansteckend.
Was würdest du dir von der Gesellschaft im Umgang mit sichtbaren Hauterkrankungen wünschen?
Ich wünsche mir, dass Betroffene schneller ernst genommen werden und die Komplexität hinter der „Hauterkrankung“ in all ihren Facetten erkannt wird. Neurodermitis ist nämlich nicht nur eine Hauterkrankung, sondern kann auch andere Erkrankungen auf physischer und psychischer Ebene begünstigen. Wir brauchen eine umfassende Aufklärung – auch geschlechtsspezifisch – und schnellen Zugang zu Fachärzt:innen, die innovative Therapien mitdenken.

Genau daher kommt mein Ansporn, über Neurodermitis aufzuklären und so viele Menschen wie möglich zu erreichen.




