Skip to main content
Home » Krankheitsbilder » Hautsache » „Mir und meiner Haut geht es besser, seitdem ich offener damit umgehe“
Hautsache

„Mir und meiner Haut geht es besser, seitdem ich offener damit umgehe“

Foto: Shutterstock, 2294206807

Zwischen Pflegeberuf und Social Media teilt Ricardo (@pfleger.ricardo) seine persönliche Geschichte mit Rosacea. Dabei macht er Mut, sich nicht über das eigene Erscheinungsbild definieren zu lassen.

Ricardo Lange

Intensivpfleger, Autor, Kolumnist (SZ)

Weitere Einblicke und Informationen auf YouTube & Instagram!

Lieber Ricardo, wie wirken sich die Rosacea-Schübe auf dein körperliches und emotionales Wohlbefinden im Alltag aus?

Rosacea ist für mich viel mehr als nur eine Rötung im Gesicht. Wenn ein Schub kommt, schwillt die Haut an, es entstehen pustelartige Entzündungen, die auch schmerzen. Die Haut wird dick, trocken, beginnt zu schuppen – manchmal fühlt es sich an, als wäre die oberste Hautschicht regelrecht abgetragen. Selbst einfache Dinge wie Duschen oder das Tragen einer Maske können dann unangenehm sein. Fast noch belastender ist aber die seelische Komponente. Es ist im Gesicht – man kann es nicht verstecken. Kommentare wie „Hast du zu viel getrunken?“ oder „Du bist ja knallrot“ haben dazu geführt, dass ich mich zeitweise zurückgezogen habe. Ich bin nicht mehr zum Sport gegangen, habe Menschenmengen gemieden und mich sogar auf Arbeit krankgemeldet.

Das hat mein Selbstbewusstsein und mein Sozialleben stark beeinflusst.

Welcher Moment hat deine Haltung zur Erkrankung und den Umgang damit grundlegend verändert?

Ein abfälliger Kommentar auf der Arbeit war der Auslöser. Ich habe daraufhin gemerkt, dass ich es leid war, mich ständig zu erklären oder zu verstecken, dann spontan ein Video auf Instagram gemacht und mich bewusst ohne Filter und ohne Make-up gezeigt. Die Reaktion war überwältigend: Millionen Menschen haben das gesehen, und plötzlich wurde mir klar, wie viele betroffen sind – in Deutschland sind es etwa zehn Millionen. Dieses Feedback hat mir geholfen, offener damit umzugehen. Ich habe gelernt, mich nicht mehr zu verstecken und meinen Fokus auf die positiven Reaktionen zu legen. Heute denke ich: Warum sollte ich mein Leben einschränken, nur weil andere etwas denken könnten? Ich lebe mein Leben für mich – nicht für andere.

Was hilft dir heute konkret dabei, deine Rosacea besser zu kontrollieren?

Fotos: Thorsten Wulff

Der wichtigste Punkt war für mich, meine Hautpflege komplett umzustellen. Früher habe ich einfach irgendein Duschgel für alles benutzt – heute weiß ich, dass Rosacea-Haut sehr sensibel ist und spezielle Pflege braucht. Ich verwende gezielt Produkte für empfindliche Haut, verzichte auf reizende Inhaltsstoffe wie Alkohol und setze auf seifenfreie Reinigung. Außerdem habe ich gelernt, meine persönlichen Trigger zu erkennen: Sonne, Temperaturwechsel und Stress spielen bei mir eine große Rolle. Seit ich konsequent Sonnenschutz nutze – auch im Winter – hat sich mein Hautbild deutlich verbessert. Zusätzlich bin ich in dermatologischer Behandlung und passe die Therapie je nach Zustand an.

Diese Kombination aus Pflege, Wissen und medizinischer Begleitung macht für mich den Unterschied.

Auch deine Augen sind von der Rosacea betroffen – wie hat sich das bemerkbar gemacht?

Das hat sich durch Brennen, Juckreiz und Schwellungen gezeigt. Die Haut um die Augen war gerötet, trocken und hat sich teilweise geschält. Beim Augenarzt wurde dann festgestellt, dass auch das mit der Rosacea zusammenhängt. Das ist vielen gar nicht bewusst. Deshalb ist es wichtig, solche Symptome ernst zu nehmen und abklären zu lassen. Ich behandle das heute dauerhaft mit entsprechenden Präparaten.

Welchen Rat möchtest du Menschen geben, die mit Rosacea oder anderen sichtbaren Hauterkrankungen kämpfen?

Mein wichtigster Rat ist: Verliert nicht den Mut. Es gibt heute viele gute Behandlungsmöglichkeiten, und mit der richtigen Pflege lässt sich viel erreichen. Genauso wichtig ist aber der Umgang damit. Wenn man anfängt, sich zu verstecken, zieht man sich immer weiter zurück – und das macht auf Dauer unglücklich. Ich habe gemerkt, dass es mir und meiner Haut besser geht, seit ich offener damit umgehe und mein Leben nicht mehr einschränke. Man muss sich nicht rechtfertigen. Es ist völlig in Ordnung zu sagen: Das geht dich nichts an. Gleichzeitig kann Offenheit helfen, anderen die Unsicherheit zu nehmen.

Am Ende geht es darum, seinen eigenen Weg zu finden – und Frieden mit sich selbst zu schließen.

Next article