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Hautsache

Was Rosazea ist und wie man sie am besten behandelt, klären wir im Interview mit der Dermatologin Dr. Elena Pardo.

Foto: sruilk via Shutterstock.com

In Deutschland leiden rund zehn Millionen Menschen an der chronischen Hauterkrankung Rosazea, damit hat sie den Status einer Volkskrankheit.

Frau Dr. Pardo, was versteht man unter Rosazea?

Bei Rosazea handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, bei der die Blutgefäße betroffen sind. Rosazea zeigt sich in unterschiedlichen Stadien oft durch Rötungen der Wangen und der Nase. Nicht nur die störenden Äderchen (Teleangiektasien), sondern auch rote Punkte und Papeln sowie Strukturverdickungen an Nase, Kinn oder Stirn gehören zu ihrem Erscheinungsbild.

Wie viele der Patientinnen und Patienten in Ihrer Praxis sind davon betroffen? Ist es auch eine Frage von Alter und Geschlecht?

In unserer Praxis wird die Rosazea sehr häufig behandelt. Sie tritt erst ab dem 30. Lebensjahr auf, nimmt allerdings bei Frauen und Männern einen unterschiedlichen Verlauf. Während Frauen häufig früher an Rosazea erkranken, leiden Männer meistens später daran, aber dafür an den ausgeprägteren Symptomen. Bei ihnen kommt es deutlich häufiger als bei Frauen zu dem wohl prägnantesten Symptom der Rosazea – der knollenartigen Hautverdickung an der Nase. Zudem kann es bei beiden Geschlechtern zu einer Augenbeteiligung bei Rosazea kommen (Ophthalmorosazea), welche unbedingt behandelt und nicht übersehen werden sollte.

Welche Faktoren beeinflussen die Erkrankung?

Es gibt eine Vielzahl von Triggerfaktoren, die häufig mit dem Lebenswandel der Patienten zusammenhängen. Hierzu gehören z. B. ein hoher Blutdruck, sportliche Betätigung, psychischer Stress, Sonneneinstrahlung, scharf gewürzte Speisen, heiße Getränke, wie Tee oder Kaffee, sowie Alkohol. Aber auch eine Vermehrung von Haarbalgmilben in der Haut kann die Rosazea verschlechtern. Allgemein sind aber die genetische Prädisposition und das Alter maßgeblich. 

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Wie können Betroffene auf die Rosazea Einfluss nehmen?

Sollte ein erhöhter Blutdruck bestehen, sollte dieser vom Arzt eingestellt werden. Der Patient selbst kann, insbesondere durch die Verminderung der oben genannten Triggerfaktoren, den Verlauf beeinflussen. Zu reichhaltige oder fettige Pflegeprodukte oder gar Kosmetika mit ätherischen Ölen sollten nicht angewendet werden. Sonnenschutz dagegen sollte unbedingt appliziert werden. Ich empfehle Sonnenschutzprodukte mit einem Lichtschutzfaktor von 50, in einer nicht fettenden Grundlage (Gel/leichte Lotion). Denn die Rosazea wird durch UV-Einstrahlung verschlechtert. 

Wie behandeln Sie in Ihrer Praxis Rosazea?

Es gibt typische Wirkstoffe in Gel- oder Cremeform zur äußerlichen Anwendung. Hierzu zählen Metronidazol, Azelainsäure oder auch Ivermectin. In akuten Phasen der chronischen Erkrankung oder bei Augenbeteiligung kommen auch Tabletten zur Anwendung (z. B. mit Doxycyclin). 

Gibt es noch weitere Produkte, mit denen man die Behandlung unterstützen kann?

Ja, es gibt Pflegeprodukte, die den Inhaltsstoff Gluconolacton enthalten. Dieser Inhaltsstoff kann auch gut mit einer medikamentösen Therapie kombiniert werden. Eine Studie zeigte, dass durch die Anwendung von Azelainsäure in Kombination mit Gluconolacton eine deutliche Verbesserung erzielt wurde.

Sind denn Gluconolacton-Produkte verschreibungspflichtig?

Nein, leider nicht. Sie müssen vom Patienten, genauso wie der UV-Schutz, eigenständig erworben werden. 

Wie lange sollten diese Produkte angewendet werden?

Generell sind die Verbesserungen durch die jeweiligen Behandlungen nicht sofort zu erwarten, es braucht Geduld. Die Wirkung tritt erst nach einigen Wochen ein, wird allerdings im Laufe von Monaten noch besser. Es handelt sich also nicht um eine kurzfristige, sondern um eine dauerhafte Behandlung dieser chronischen Erkrankung. 

Gibt es noch zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten?

Natürlich können noch weitere kosmetische Verbesserungen durch eine Laserbehandlung der auffälligen Gefäße an Wangen und Nase erlangt werden. Die Anwendung von Peelings ist ebenfalls möglich. Bei den oben genannten Verdickungen von Nase und Kinn (Phymen) kann auch eine operative Abtragung erfolgen. 

Was geben Sie Rosazea-Betroffenen mit auf den Weg?

Wünschenswert ist eine optimale Abstimmung zwischen der medizinischen Therapie durch den Hautarzt und der Vermeidung der Triggerfaktoren (z. B. durch ölfreien Sonnenschutz SPF 50 und Pflegeprodukte mit Gluconolacton)durch den Patienten selbst, um den bestmöglichen Krankheitsverlauf zu erwirken. Damit ist die Krankheit gut in den Griff zu bekommen. 

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