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Hautsache

Weniger ist mehr

Foto: Lina Tesch

Boris Entrup ist Deutschlands bekanntester Make-up-Artist. Im Interview verrät er, wie man sensible Haut am besten schminkt und auf was es bei Make-up wirklich ankommt.

Worauf achtest du besonders , wenn du eine:n Kund:in mit einer Hautkrankheit schminkst?

Als erstes frage ich natürlich nach was die Diagnose ist und ob es ggf. Medikamente gibt die aufzutragen sind. Ein Allergie Pass ist auch immer gut, damit ich gleich Bescheid weiß, welche Inhaltsstoffe nicht zu nutzen sind. Es ist auch immer gut, wenn mein:e Kund:in Produkte mitbringen, die sie kennen und selbst zuhause verwenden und somit wissen, dass sie gut vertragen werden. Die kann ich dann natürlich auch für das Make-up verwenden.  

Es gilt generell und in jedem Fall – weniger ist mehr. UND die Inhaltsstoffe müssen passen, damit die Haut ggf. nicht reagiert. Zum Beispiel bei Cuperose und Rosacea, keinen fettigen und öligen Konsistenzen, keine Duftstoffe und bereits beim Auftragen darauf achten, das nicht schon durch falsche Technik die haut gereizt wird.

Ist dir ein besonderes Erlebnis in deiner Laufbahn im Gedächtnis geblieben?

Oh ja – für das Jubiläum 100 Jahre Maybelline NY gab es eine Produktion in New York, zu der alle Key Make-up Artist aus den größten Maybelline Märkten gebucht wurden. Für diese Produktion waren alle internationalen Key-Models von Maybelline NY gebucht und dann auch alle im Studio versammelt – Christy Turlington, Adriana Lima,  Emily DiDonato, Jourdan Dunn, und einige mehr! Ein sehr seltener Moment solche Ausnahme Models in einer Produktion zu haben! Das war ein wirklich besonderes Erlebnis bei einem Job.

Wie kamst du vom Friseur zum Make-Up Artisten?

Ich habe zunächst eine Ausbildung als Friseur gemacht. Mir war von Anfang an wichtig, alle Möglichkeiten der Veränderung nutzen zu können, um einen Gesamtlook kreieren zu können. So habe ich bereits während meiner Ausbildung parallel mit Make-up begonnen. Ich hatte Glück und hatte die Möglichkeit anderen Artists als Assistent auf die Finger schauen zu dürfen, und auch mit ihnen arbeiten zu können. Mit der Zeit konnte ich so auch eigenständig als Artist für Shootings arbeiten.

Nach meiner Friseur-Ausbildung bin ich gleich in die Selbstständigkeit gesprungen und habe jede Chance genutzt weiter voran zu kommen. Mein Weg hat mich dabei schon ganz früh auch ins Ausland geführt.

Meinen Sprung in die Öffentlichkeit habe ich mit GNTM geschafft – ich habe mich bei einem Casting für die Jury beworben und bin genommen worden. Maybelline NY war der Make-up Partner, so kam eines zum anderen –  bis heute : Creative Director von BABOR.

Hast du besondere Tipps für Menschen mit Hautkrankheiten im Bereich des Gesichtes und Dekolletés?

Wichtig ist erst mal alles mit seinem Hautarzt zu klären. Alles was farblich auffällt lässt sich leicht abdecken – alles was strukturell ungleich ist wird schwierig auszugleichen .

Farblicher Ausgleich:

Erst die Haut mit einer Feuchtigkeitcreme ausgleichen – die Haut muss sich überall gleich anfühlen – dann ein hoch deckendes flüssiges Make-up oder ein Mineral pPwder in mehreren Schichten auftragen – so lange bis der gewünschte Effekt erzielt wird. Wer in mehreren Schichten arbeitet, kann auch sehr genau steuern, mit so wenig Produkt wie möglich zu arbeiten, um die Haut nicht unnötig zu belasten. Wenn Farlbiche Abweichungen extrem sind muss ggf. mit einem Gegenton ausgleichen. Ein Full Cover ist aufwändig und der richtige Farbton ausschlaggebend.

Meiner Meinung nach, einen „Makel“ nicht unbedingt komplett verstecken wollen, sondern selbstsicher und natürlich damit umgehen. Minimieren, optimieren, aber keine unnatürliche Abdeckung, denn das macht eher noch aufmerksam. Auch nicht nur an Make-up und Abdecken denken, sondern auch weite – tolle Haarstyles lenken den Blick weg, ein gelungener gesamtlook lässt Einzelheiten in den HUntergrund treten.

Wenn es um strukturelle Optimierung geht:

Hier geht es darum die richtige Auftrage Technik zu finden, dass Erhebungen, oder Schuppen beispielsweise nicht noch verstärkt werden. Falls es offene, nässende oder blutende stellen gibt – Finger weg von Make-up und der haut erst mal die Möglichkeit geben abzuklingen, bevor noch was on top gesetzt wird.

Wenn alles verheilt ist dann vorsichtig Make-up ohne Richtung, sondern nur tupfend aufragen. Mit den Fingern oder einem Schwamm. Kein Wischen oder Streichen , sonst schiebt sich die Textur beispielsweise unter Schüpchen, oder sammelt sich bei Erhöhungen – damit würde der entgegengesetzte Effekt zum Ausgleichen  erzielt werden.

Was hat sich im Bereich Make-Up im Laufe der Zeit verändert?

Es gibt weniger Musts – mehr Optionen, aus denen Frau sich bedienen kann, wie sie sich wohlfühlt und womit sie gut zurechtkommt.

Es gibt wie immer Trends an Farben, Texturen, Techniken und Styling jedoch nichts Zwingendes oder Langfristiges. Jedoch kann man seit langer Zeit verfolgen, dass Natürlichkeit bei Hair & Make-up ein mehr und mehr wichtiger Aspekt ist. Nun ist es kein kleiner Trend mehr, oder eine Beobachtung, sondern die große Styling Linie. Das sieht man nicht nur bei den aktuellen digitalen Fashion Shows der großen Labels, sondern der Look wird von Prominenten  genauso wie von Verbraucherinnen umgesetzt.

Es geht darum mit einem Hair & Make-up Look die Persönlichkeit zu unterstreichen, nicht etwas zu übermalen, und zu überdecken, sondern die natürlichen Gegebenheiten mit einem „sensiblen“ Touch up mit Styling zu verbessern oder eigene Vorzüge zu nutzen. Das heißt nicht, dass keine ausgefallen Highlights oder Akzente beim Styling gesetzt werden , aber eben eher on Purpose und Occasion.

Wenn dann noch Pflege und Nachhaltigkeit dazu kommen, dann ist man voll auf der Trend-Linie.…

Wie bereitest du die Haut in solchen Fällen auf das Make-Up vor?

Das kommt sehr auf die Haut an. Als erstes das Medikament was verschieben wurde. Dann Feuchtigkeit. Meistens gel Formulierungen . Keine Gesichtsmassage, damit nichts aktiviert wird. Alles so einfach und mit so wenig manueller Einwirkung wie möglich!

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Folgen Sie ihm auf Instagram @boris_entrup.

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