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Krankheitsbilder

Herzinsuffizienz

Foto: HDZ NRW

Eine akute oder chronische Herzleistungsschwäche kann den Einsatz von mechanischen Herzunterstützungssystemen oder Kunstherzen notwendig machen. Die wichtigsten Fragen an den Experten.

Prof. Dr. Jan Gummert

Er ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG), Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung, Vorsitzender der thorakalen Organkommission der Deutschen Transplantationsgesellschaft und Ärztlicher Direktor des Herz- und Diabeteszentrum NRW (Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum).
 
Als Schirmherr der Selbsthilfegruppe Organtransplantierter NRW setzt er sich für die Belange der Herzpatienten ein.

Bei welchen Krankheiten werden Herzersatz- oder Herzunterstützungssysteme eingesetzt?

Wenn eine medikamentöse Therapie oder andere Therapiemöglichkeiten wie konventionelle Operationen am Herzen nicht mehr ausreichen, die Pumpleistung des Herzens zu verbessern, spricht man von einer schweren Herzschwäche im Endstadium. Die künstliche Herzunterstützung wird dann meist eingesetzt, um die Wartezeit auf ein Spenderherz zu überbrücken. Aber auch ohne die Transplantation bieten einige dieser Systeme auf Dauer eine akzeptable Lebensqualität. Der Einsatz der Unterstützungssysteme sollte rechtzeitig erfolgen, bevor andere Organe des Körpers wie Leber oder Niere durch die Herzschwäche zu stark geschädigt wurden.

Welche Unterstützungssysteme stehen zur Verfügung und wie funktionieren sie?

Am häufigsten werden elektrisch betriebene Linksherz-Unterstützungssysteme eingesetzt. Sie pumpen das Blut aus der Spitze der linken Herzkammer in die Hauptschlagader. Das Antriebskabel wird aus dem Körper herausgeleitet und mit einem Steuerungscomputer und einer Batterie verbunden. Mit einem solchen mobilen System ist in einigen Fällen sogar eine Berufstätigkeit möglich. Je nach Grad und Schwere der Herzinsuffizienz stehen verschiedene Systeme zur Verfügung, die sowohl die rechte als auch die linke oder beide Herzkammern unterstützen.

Wann wird der Einsatz eines Kunstherzens notwendig?

Ein Kunstherz muss nur in seltenen Fällen implantiert werden. Das ist zum Beispiel dann nötig, wenn das Herz durch einen Infarkt fast vollständig zerstört wurde. Derzeit ist als einziges System ein druckluftbetriebenes Kunstherz der Firma Syncardia für den klinischen Einsatz zugelassen. Es werden aber elektrische Systeme klinisch erprobt, zum Beispiel das Carmat-System. Kunstherzen werden nur so selten eingesetzt, dass die Implantation ausschließlich in damit erfahrenen Herzzentren durchgeführt werden sollte.

Welche Komplikationen können beim Einsatz von Herzunterstützungssystemen auftreten?

Es besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko, da über den Kabelausgang an der Haut Erreger in den Körper gelangen können. Daher ist eine regelmäßige und sorgfältige Wundversorgung notwendig. Auch besteht ein Schlaganfallrisiko, da sich am künstlichen Pumpenkopf Gerinnsel bilden können. 

Wann wird es einen vollständigen Herzersatz oder tierische Spenderorgane geben?

Wann die Xenotransplantation, das heißt die Transplantation eines Herzens zum Beispiel vom Schwein auf den Menschen, einmal zu einer möglichen Alternative zählen wird,  ist derzeit noch offen. Die Münchener Arbeitsgruppe unter Prof. Reichert hat inzwischen schon viele Hürden auf diesem Weg beseitigt und im Tiermodell schon wesentliche Fortschritte erzielt. Ein vollständiger künstlicher Herzersatz mit implantierbarer Batterie wie bei einem Schrittmacher wird zu meinen Lebzeiten sicherlich ein Traum bleiben. Daher müssen wir uns alle nach wie vor für die Organspende aktiv einsetzen. 

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