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Herzschwäche: Therapie ohne große OP

Foto: PopTika via shutterstock

Leistungsminderung bei Mitralklappeninsuffizienz wirksam behandeln.

Zu Beginn einer Herzklappenerkrankung verspüren Betroffene nur selten Beschwerden. Im fortgeschrittenen Stadium treten jedoch typische Symptome wie Luftnot, schnelle Ermüdung und generelle Leistungsminderung auf.

„Bei der Mitralklappeninsuffizienz – dem zweithäufigsten Herzklappenfehler in Deutschland – fließt sauerstoffreiches Blut aufgrund einer defekten Klappe von der linken Kammer wieder zurück in die Lungenvenen“, weiß Professor Rainer Hambrecht, Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Herzzentrum Bremen, Klinikum Links der Weser, und erklärt: „Um genügend sauerstoffreiches Blut durch den Körper zu transportieren, muss die linke Herzkammer deutliche Mehrarbeit leisten.“

Neben Medikamenten zur Symptombehandlung sowie einem Klappenersatz oder der Klappenreparatur steht für Patienten mit hohem OP-Risiko heutzutage das katheterbasierte MitraClip-Verfahren bereit, welches ohne Herz-Lungen-Maschine auskommt.

Um genügend sauerstoffreiches Blut durch den Körper zu transportieren, muss die linke Herzkammer deutliche Mehrarbeit leisten.

Krankheitszeichen im Check

Als Symptome einer Mitralklappeninsuffizienz treten oftmals Kurzatmigkeit und Schwächegefühle nach alltäglichen Anstrengungen wie Treppensteigen auf. Auch Appetitlosigkeit oder häufiger Schwindel gelten als Hinweise. Zur ersten Einschätzung, ob Betroffene unter einer Herz- oder Mitralklappeninsuffizienz leiden, steht unter www.herzklappenhilfe.de ein Symptomcheck zur Verfügung. Dieser ersetzt jedoch keine umfassende und professionelle Untersuchung.

Um eine vollständige Diagnose zu erhalten, empfiehlt sich zusätzlich ein Besuch beim Arzt. Dort gibt das Abhören mit einem Stethoskop einen ersten Geräuschbefund. Untersuchungen wie der Sechs-Minuten-Gehtest oder eine Spiroergometrie, also die Messung von Atemgasen während körperlicher Anstrengung, ermitteln die Leistungsfähigkeit von Betroffenen. „Für eine deutliche Diagnose arbeiten wir heutzutage mit einem Herzultraschall, der sogenannten transthorakalen Echokardiografie. Hier lassen sich die Struktur der Herzklappen und deren Bewegungen erkennen sowie die Größe der Kammern und des gesamten Herzens“, erklärt Professor Hambrecht.

Individuelle Behandlung

Leiden Patienten unter einer leichten Form der Mitralklappeninsuffizienz, lassen sich Symptome mithilfe spezieller Medikamente therapieren. Dabei handelt es sich zunächst um entwässernde Arzneimittel, welche dafür sorgen, dass das Herz weniger Flüssigkeit durch den Körper pumpt und Wassereinlagerungen zurückgehen. Blutdrucksenkende Mittel wie ACE-Hemmer entlasten den Herzmuskel, da sie den durch Bluthochdruck entstehenden Widerstand in den Gefäßen verringern und die Zirkulation erleichtern.

Bei Patienten mit schwerer, operabler Mitralklappeninsuffizienz gilt ein chirurgischer Eingriff als gängig. Hierbei lässt sich die defekte Klappe entweder vollständig ersetzen oder reparieren. Für eine Vielzahl der Betroffenen bietet dieses Vorgehen aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters sowie anderer Begleiterkrankungen jedoch keine realistische Option. Hier schließt der sogenannte MitraClip als minimalinvasives Verfahren eine wesentliche Versorgungslücke und sorgt für eine sichere Behandlung. „Über die Leistenvene erlangen wir Zugang zum Herzen und setzen den Clip an der Mitralklappe ein, um dort den Blutrückfluss zu vermindern.

Die Entscheidung für diese Methode fällt gemäß den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie im sogenannten Heart-Team, also gemeinsam mit interventionellem Kardiologen, Herzchirurgen sowie Anästhesisten“, betont Professor Hambrecht.

Bereits direkt nach dem Eingriff verspüren Patienten eine deutliche Zunahme ihrer Leistungsfähigkeit. Auch im Rahmen der Nachsorge spielt ein ganzheitlicher Ansatz eine wichtige Rolle. Hausarzt, niedergelassener Arzt und interventioneller Kardiologe arbeiten hier gemeinsam für das Wohl des Patienten. Um bei diesen Themen eine interdisziplinäre Grundlage zu schaffen, fand in diesem Jahr bereits zum dritten Mal das deutsche Heart Failure Meeting in Frankfurt am Main statt, wo sich Mediziner aller relevanten Fachgruppen zu einem regen Meinungsaustausch trafen.

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„Für mich war klar: Ich kämpfe!“

Schockdiagnose Darmkrebs. Früh erkannt, ist diese Erkrankung gut behandelbar und in vielen Fällen sogar heilbar. Kerstin Mannes kämpft für Vorsorgeuntersuchungen für junge Menschen ab 25 Jahren, damit sie ihr Schicksal nicht teilen muss. Im Interview erzählt sie uns ihre Geschichte.

Frau Mannes, Sie sind mit 31 Jahren bereits an Darmkrebs erkrankt. Ist das nicht normalerweise bei älteren Menschen der Fall?

Ja, das stimmt, mit 31 wurde bei mir ein Rektumkarzinom festgestellt. Die meisten Menschen denken, dass es sich bei Darmkrebs um eine Erkrankung handelt, die ältere Menschen betrifft, das ist jedoch nicht richtig, wie man an mir sehen kann.

Welche Symptome hatten Sie? Wurde der Darmkrebs gleich erkannt?

Ich hatte immer einen regelmäßigen Stuhlgang, doch plötzlich hat sich das verändert, ich hätte Verstopfungen und Durchfälle. Es wurde immer schlimmer, stundenlange Sitzungen auf der Toilette und immer das Gefühl auf die Toilette zu müssen. Bei mir vergingen 6 Monate bis der Krebs erkannt wurde. Aufgrund meines Alters wurde ich nicht gleich zur Darmspiegelung geschickt, sondern es wurde davon ausgegangen, dass es andere Ursachen hat, wie z.B. Stress im Job.

Erst nachdem ich eine Überweisung zum Gastroenterologen gefordert habe, wurde der Krebs gefunden.

Und wie kamen Sie darauf, dass es sich um eine schwerwiegendere Erkrankung handeln könnte?

Ehrlich gesagt hat mir mein Gefühl gesagt, dass es was schlimmes ist.

Die Diagnose ist ja erstmal ein Schock. Wie sind Sie damit umgegangen?

Den Tag, an dem ich die Diagnose erhalten habe werde ich nie vergessen, ich habe sprichwörtlich den Boden unter meinen Füßen verloren. Am Nachmittag des Tages habe ich zu meinem Mann gesagt, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt, kämpfen oder daran verzweifeln. Für mich war klar: ich kämpfe! Mein Mann, unsere Familien, Freunde und meine Kolleginnen haben mich immer unterstützt und mir viel Kraft gegeben in dieser schweren Zeit, dafür bin ich Ihnen für immer dankbar.

Was ist dann passiert? Sind Sie direkt in eine Klinik eingewiesen worden?

Mein Gastroenterologe hat alles für mich geregelt. Ich musste nur noch ins Krankenhaus und den Therapieplan besprechen, auch die Tumorkonferenz war vor meinem ersten Termin bereits abgehalten worden. Zwei Wochen nach der Diagnose ging meine sechswöchige Radiochemotherapie los.

Welche Behandlung wurde bei Ihnen eingesetzt?

Eine Radiochemotherapie vor der Operation, hiermit wollte man den Tumor verkleinern und ein dauerhaftes Stoma vermeiden.

Hat das Stoma eine große Umstellung für Sie bedeutet? Wie lange haben Sie mit dem künstlichen Darmausgang gelebt?

Das schlimmste für mich war die Zeit mit dem Stoma. Ich konnte mich damit einfach nicht anfreunden und war sehr glücklich, als es nach drei Monaten wieder entfernt wurde.

Wie geht es Ihnen mittlerweile?

Jetzt geht es mir gut, ich gehe wieder arbeiten, mache wieder Sport und versuche das Leben noch bewusster zu genießen. Sicherlich hat die Behandlung körperlich einige Spuren hinterlassen, aber ich habe gekämpft und gewonnen! Das war es wert.

Sie setzen sich in einem Pilotprojekt der Felix Burda Stiftung dafür ein, dass bereits junge Menschen zur Darmkrebsvorsorge angehalten werden. Erzählen Sie kurz was dort Ihre Aufgabe ist.

Das FARKOR Projekt ist eine Initiative in Bayern (erstmal), in der durch die Familienanamnese bereits ein Darmkrebsrisiko erkannt wird und somit junge Menschen ab 25 Jahren eine Darmspiegelung erhalten oder eine Stuhlprobe abgeben können, da immer mehr junge Menschen davon betroffen sind, vor allem mit familiärem Risiko.

Meine Aufgabe ist es junge Menschen durch meine Geschichte darauf aufmerksam zu machen, dass auch sie, wenn in der Familie jemand Darmkrebs hatte, wie auch bei mir, davon auch in jungen Jahren betroffen sein können und sie sich testen lassen sollen, damit sie nicht mein Schicksal teilen, sondern es Ihnen erspart bleibt.


Vorsorge ist essentiell:
Kerstin Mannes setzt sich für frühe Darmkrebsprävention ein.

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