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Von der Reha in die Realität

Motivationspreis für Betroffene: v. l. Ullrich Weber, Prof. Harald Pulch, Angelika Dittrich, Eric Beyers, Veronica Ferres, Jennifer Knäble.

Nach einem Schlaganfall im Jahr 2005 änderte sich das Leben von Eric Beyers von heute auf morgen. Heute gibt er anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen Kraft sowie praktische Tipps, um den Weg ins Leben wieder zurück zu finden.

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Eric Beyers

Schlaganfalllotse und Schlaganfallpatient

Können Sie kurz das Ereignis Ihres Schlaganfalls schildern?

Ich musste frühmorgens zur Toilette. Unbewusst merkte ich schon, dass mein linkes Bein gelähmt ist, wollte es aber wohl nicht wahrhaben. Vor der Toilette bin ich dann zusammengebrochen. Mein Glück war, dass sich meine Frau mit Schlaganfall auskennt, weil es ähnliche Fälle in ihrem Elternhaus gab.

Die schnelle Hilfe über die Notrufnummer 112 und das Krankenhaus haben mich dann so weit stabilisiert. Erst später in der Reha habe ich dann realisiert, was überhaupt passiert ist. Meine linke Körperhälfte war gelähmt.

Wie haben Sie die Reha erlebt?

Ich habe dort in zwölf Wochen wieder laufen gelernt und auch mein Sprachvermögen verbesserte sich. Dort ist man unter Gleichgesinnten und fühlt sich nicht behindert. Die Probleme treten auf, wenn man aus der Reha zurück in die Realität kommt und allein zu Hause ist.

Ich verfiel in eine starke Depression. Schwierigkeiten traten auch bei meinem Sohn auf, der zu dem Zeitpunkt in der Pubertät war und von uns als Eltern wegen meiner Erkrankung nicht die Aufmerksamkeit erhielt, die er brauchte. Erst mit der Zeit habe ich wieder Kraft gefunden, weiterzumachen.

Konnten Sie wieder in Ihrem Beruf tätig sein?

Ich war vorher sehr erfolgreich Elektrotechniker. Nach der Eingliederung habe ich vier Jahre weiter gearbeitet. Wenn Sie aber zum Beispiel an Maschinen tätig sind, kommen Sie mit einer Hand irgendwann an Ihre Grenzen. Denn mein linker Arm ist weiter gelähmt. Allerdings kann ich Auto fahren, bin deshalb unabhängig und engagiere mich nun in der Selbsthilfe.

Welchen Aufgaben widmen Sie sich in diesem Bereich?

Ich bin seit 13 Jahren Schlaganfall-Lotse im Evangelischen Krankenhaus in Wesel. Dort gebe ich einmal pro Woche eine Sprechstunde. Außerdem habe ich mich zum Behindertenlotsen weitergebildet. 2010 gründete ich den Schlaganfall-Landesverband Nordrhein-Westfalen.

Welches Anliegen haben Sie bei Ihrem Engagement und wie erleben Sie die anderen Betroffenen?

Viele vereint die Ohnmacht. Ihr Leben verändert sich von einer Minute auf die andere. Gleiches gilt für die Angehörigen. Hinzu kommen finanzielle Probleme, weil mit einem Mal das Einkommen wegfällt. Angehörige Kinder stecken das nicht so schnell weg, wie viele meinen. Ihr elterliches Vorbild hat sich nach dem Schlaganfall nämlich komplett verändert.

Ich bin im Web aktiv und werde inzwischen bundesweit angerufen. Ich begleite Betroffene während der Reha und informiere Angehörige. In den Rehazentren kann schnell ein Therapeut ausfallen. Aber bei diesen Patienten ist Kontinuität in der psychologischen Betreuung wichtig. Danach braucht es Struktur, Schritt für Schritt das Leben in die neue Bahn zu lenken. Und es geht darum, bestimmte Leistungen im Gesundheitssystem einzufordern. Ohne Behandlung leide ich zum Beispiel unter Rückenschmerzen, weil mein linker Arm gelähmt ist. 

Sie haben wegen Ihres Engagements sogar den Motivationspreis der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe erhalten.

Ja, ich bin da vorgeschlagen worden. Es freut mich, dass ich mit gutem Vorbild vorausgehen kann. Aber mir ist das eigentlich eher unangenehm. Ich agiere lieber in der zweiten Reihe. Da gibt es genug zu tun.

Welche Botschaft haben Sie zum Schluss an andere Betroffene?

Wir sollten nicht nur auf den Beruf fixiert sein. Jeder von uns hat andere Fähigkeiten, mit denen er sich in der Gesellschaft einbringen kann. Mir tut es gut, mit meinen Kenntnissen anderen zu helfen. Das macht mir mehr als Spaß.

STIFTUNG DEUTSCHE SCHLAGANFALL-HILFE

Beratung unter 05241/9770-0 oder [email protected]
www.schlaganfall-hilfe.de

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