Skoliose ist eine dreidimensionale Verkrümmung der Wirbelsäule und für viele Betroffene ein lebenslanger Begleiter. Der Bundesverband Skoliose-Selbsthilfe e. V. informiert, vernetzt und unterstützt Betroffene und Angehörige aller Altersgruppen. Dass Skoliose keine reine Jugenddiagnose ist, sondern auch Jahrzehnte später wieder relevant werden kann, zeigt die Geschichte von Renate. Sie ist 63 Jahre alt – und lebt bewusst mit ihrer Skoliose.
Renate, 63 Jahre
Skoliose-Betroffene
Meine Skoliose-Geschichte ist ziemlich typisch für meine Generation
Wahrscheinlich hat sich seit meiner Jugend gar nicht so viel geändert. Begonnen hat alles, als ich 13 Jahre alt war. Ich bekam ein Korsett, Physiotherapie und die Empfehlung, möglichst viel zu schwimmen. Mit 16 wurde das Korsett abgeschult und ich wurde aus der Behandlung entlassen. „Alles gut“, hieß es, „machen Sie viel Sport.“
Und tatsächlich ging es mir viele Jahre gut. Ich bekam zwei Kinder, beide Schwangerschaften verliefen komplikationslos. Herausfordernd war eher die Baby- und Kleinkindzeit – das viele Heben und Tragen. Wirklich schwierig wurde es erst viel später, zu Beginn der Wechseljahre, kombiniert mit einer sehr fordernden Phase im Beruf. Plötzlich hatte ich starke Rückenschmerzen und massive Einschränkungen im Alltag.
Ich hatte meine sportlichen Aktivitäten vernachlässigt, stress- und hormonbedingt deutlich zugenommen – und irgendwann ging es einfach nicht mehr. Durch Zufall erfuhr ich, dass es spezialisierte Krankengymnastik für Skoliose gibt und sogar einige wenige Rehakliniken mit Schwerpunkt Schroth-Therapie. 2015 trat ich mit 53 Jahren meine erste Reha in einer auf Skoliose spezialisierten Klinik an. Diese drei Wochen waren ein Wendepunkt. Ich lernte nicht nur Übungen, sondern verstand erstmals mein individuelles Skoliosemuster – und wie wichtig eine aufrechte Haltung im Alltag ist. Wir alle wissen, wie wichtig eine gute Muskulatur für den Rücken ist. Für uns Skoliose-Betroffene gilt das umso mehr.
Nach der Reha begann meine eigentliche Reise
Ich blieb regelmäßig in der Schroth-Physiotherapie, fing wieder an, mich sportlich zu betätigen und reduzierte mein Gewicht. Ich probierte verschiedene Sportarten aus und fragte mich immer: Tut mir das gut? Und macht es mir Spaß? Denn nur dann bleibt man dran. Heute gehe ich zwei- bis dreimal pro Woche ins Fitnessstudio, am liebsten in Gruppenstunden – reines Gerätetraining finde ich ehrlich gesagt langweilig.
Zusätzlich mache ich dynamisches Faszientraining, um mein Bindegewebe geschmeidig zu halten. Das lindert Schmerzen und erleichtert mir die Bewegung im Alltag. Für starke Schmerzphasen habe ich mir über die Jahre einen kleinen Erfahrungsschatz aufgebaut: Wärme – ob Infrarotkabine oder Wärmflasche –, ein TENS-Gerät, Magnesium, Arnika. Vor allem aber bleibe ich in Bewegung. Dem Körper Ruhe gönnen, ja – aber mit achtsamem Dehnen und gezielten Schroth-Übungen wieder aus dem Schmerz herausfinden.

Heute trage ich wieder ein Korsett. Früher war es ein unbequemer, im Sommer kaum erträglicher Plastikpanzer. Heute ist es nicht wirklich bequemer, aber ein stützender Begleiter, der mir Halt gibt, wenn mein Rücken ihn braucht – vor allem bei Haushaltstätigkeiten und beim Radfahren, das ich sehr liebe.
Auch meine ehrenamtliche Arbeit im Bundesverband Skoliose-Selbsthilfe e. V. und in meiner Selbsthilfegruppe gibt mir viel zurück. Der Austausch und das Gefühl, nicht allein zu sein, sind unbezahlbar. Ich lebe nach einer einfachen Devise:
Wer sich nicht bewegt, verklebt





