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Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz

Foto: Cookie Studio via Shutterstock

Primär oder sekundär? Kater, Cluster oder Migräne? Finden Sie nachfolgend einen kleinen Katalog der Kopfschmerzarten.


Priv.-Doz. Dr. Charly Gaul

Generalsekretär Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft

Kopfschmerzen sind nicht gleich Kopfschmerzen. Die überwiegende Mehrzahl der Fälle wird zwar den sogenannten „primären“ Kopfschmerzerkrankungen zugeordnet – das heißt, der Kopfschmerz stellt die Erkrankung selbst dar. Aber immerhin fast jeder zehnte Kopfschmerzpatient leidet an einer „sekundären“ Kopfschmerzerkrankung. Hier können sich harmlose, aber auch schwerwiegende Erkrankungen hinter den Kopfschmerzen verbergen; weiterführende Diagnostik und eine gezielte Behandlung sind unbedingt notwendig.

Zu den sekundären Kopfschmerzen zählt zum Beispiel der Kopfschmerz im Rahmen eines viralen Infektes („Grippe“), jedoch auch der Kopfschmerz bei Hirnblutungen oder einer Hirnhautentzündung. Bei der Erstbeurteilung eines Kopfschmerzpatienten muss der behandelnde Arzt darum darauf achten, ob sich Hinweise auf einen sekundären Kopfschmerz ergeben.

Migräne

Migräne ist die Kopfschmerzerkrankung, die am häufigsten zum Arzt führt. Frauen sind zwei- bis dreimal häufiger von der Migräne betroffen als Männer. Eine Migräne wird diagnostiziert, wenn es zu halb- oder beidseitigen, überwiegend pochenden Kopfschmerzen kommt, die mit Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit und zum Teil Erbrechen einhergehen.

Typisch ist auch eine Schmerzzunahme bei körperlicher Anstrengung; Betroffene haben ein Rückzugs- und Ruhebedürfnis. Attacken dauern bei Erwachsenen zwischen vier und 72 Stunden an, bei Kindern oft kürzer – diese legen sich häufig hin und „schlafen die Attacke weg“.

Clusterkopfschmerz

Das Gute am Clusterkopfschmerz: Nur etwa einer von 1.000 Menschen ist betroffen. Alles andere ist nicht so gut: streng halbseitige Kopfschmerzen, die in der Regel die Kopfseite nicht wechseln und mit autonomen Begleitsymptomen einhergehen – einseitiges Augentränen, ein hängendes Augenlid auf der Kopfschmerzseite oder Naselaufen.

Ein weiteres Charakteristikum ist eine ausgeprägte Bewegungsunruhe während der Kopfschmerzattacken, die zwischen 15 und 180 Minuten andauern und mehrfach täglich auftreten können; üblich ist das gehäufte Auftreten in der Nacht. Die Diagnose wird auch hier aus dem ärztlichen Anamnesegespräch gestellt – aber da beim Clusterkopfschmerz Veränderungen bestimmter Hirnareale vorliegen können, ist immer eine Kernspintomografie des Schädels zum Ausschluss einer anderen Erkrankung erforderlich.

Zur Akuttherapie des Clusterkopfschmerzes wird die Inhalation von reinem Sauerstoff über eine Mund-Nasen-Maske oder ein Triptan (als Spray in die Nase oder als Pen unter die Haut) eingesetzt – Tabletten sind beim Clusterkopfschmerz aufgrund der Kürze der Attacken zu langsam. Die Wirksamkeit von reinem Sauerstoff ist gut untersucht, etwa 80 Prozent  der Patienten sprechen auf diese Behandlung an.

INFORMATION

Weitere Informationen unter: www.dmkg.de.

Sind auch Sie betroffen? Informationen zu Selbsthilfegruppen finden Sie auf www.migraeneliga.de und clusterkopf.de.

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Depressionen- Die im Dunklen sieht man nicht.

Psychische Erkrankungen fristen in unserer Gesellschaft ein Schattendasein. Sie sind ein Tabuthema. 

Während man aus einem Termin beim Orthopäden oder Zahnarzt keinen Hehl macht, wird ein Besuch bei der oder dem Psychiater(in) verschwiegen. In der Praxis ist man von einer Gleichstellung physischer und psychischer Erkrankungen weit entfernt. Der Grund? Seelische Probleme stoßen meist auf wenig Verständnis und sind stark vorurteilsbehaftet. So wird depressiven Personen Trägheit und Bequemlichkeit vorgeworfen, Menschen mit Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis gelten als gemeingefährliche Sonderlinge und Betroffenen einer Angststörung wird gerne geraten, sich doch nicht so anzustellen.

Die Betroffenen hüllen sich häufig – ebenso wie Angehörige – in Schweigen. Sie versuchen, so lange wie möglich nicht von ihrer Erkrankung zu sprechen. Die Befürchtung, ausgegrenzt oder belächelt zu werden, ist zu groß, dies gilt gleichermaßen im Familien- und Freundeskreis als auch in noch höherem Maße im Berufsleben. Je länger sie ihre Erkrankung verstecken, aufgrund von Scham und Ängsten, desto größer wird der Leidensdruck. Nicht zuletzt kann ein Teufelskreis entstehen, dem sie nicht entrinnen können. 

Die Folgen von Stigmatisierung und Diskriminierung sind für Betroffene allgegenwärtig. Sie kämpfen mit geringeren Einstellungschancen und schlechteren Bedingungen auf dem  Arbeitsmarkt, dem Verlust sozialen Ansehens, gesellschaftlichem Ausschluss und einhergehender Vereinsamung sowie nicht zuletzt der Selbststigmatisierung.

Mutlosigkeit, Ohnmachtsgefühle und eine zunehmende Instabilität können lebensbedrohlich werden. Die Suizidalität in Deutschland ist erschreckend hoch. Jährlich sterben mehr Menschen durch Suizid als durch Autounfälle. Davon betroffen sind mehrheitlich Männer.

Die #Mutmachleute: Wir müssen darüber sprechen – und wir müssen Mut machen

Wir brauchen dringend ein Umdenken. Doch wie erreicht man dies breitflächig?
Psychisch Kranke haben keine Lobby. Wir müssen Betroffenen (und ihren Angehörigen) eine Stimme geben, damit sie heraustreten können aus ihrem Schattendasein. Wenn Menschen Gesicht zeigen können, wenn Menschen zu sich und ihrer Erkrankung stehen können, wenn Menschen ohne Angst und Scham zeigen können, dass sie viel mehr sind als nur ihre Diagnosen, dann haben wir einen weiteren Schritt erreicht, das Stigma zu nehmen.

Damit dies öffentlich geschieht, müssen Informationen angeboten werden und damit die Möglichkeit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen – selbst wenn man keine Berührungspunkte im persönlichen Umfeld hat. Und wir müssen ein Bewusstsein in der Gesellschaft erreichen, dass eine psychische Erkrankung jede(n) betreffen kann!

Sie möchten mehr erfahren?

Weitere Informationen finden Sie unter mutmachleute.de

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