Home » Krankheitsbilder » Krebs » Als OncoCoach vermittle, übersetze und überzeuge ich!
Krebs

Als OncoCoach vermittle, übersetze und überzeuge ich!

Nicole Semmler-Lins arbeitet seit sechs Jahren als OncoCoach in der onkologischen Praxis im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) am Aschaffenburger Klinikum. Im Interview berichtet sie, wie sie dank dieser Fortbildung eine neue und wichtige Kommunikationsrolle zwischen Arzt und Patient übernimmt.

Nicole Semmler-Lins

Studienkoordinatorin phase drei im MVZ am Klinikum Aschaffenburg

Nicole, Sie sind ein sogenannter OncoCoach. Was ist das und wie wird man das?

Als OncoCoach stehe ich zwischen Arzt und Krebspatient. Meine Vermittlerrolle ist Teil einer neuen Versorgungsform. Gerade für Patienten, die mit der Diagnose Krebs zum ersten Mal konfrontiert werden, sind die vielen Informationen, die der Arzt im ersten Gespräch an sie heranträgt, schnell zu viel. Das wissen wir aus einer qualitativen Patientenbefragung, bei der viele unserer Patienten angaben, dass ihnen die Arztgespräche oft „zu lang“ und „zu voll“ waren. Unser Chefarzt, der Onkologe Dr. med. Manfred Welslau, nahm das Befragungsergebnis zum Anlass, die Kommunikation zwischen Arzt und Patient zu verbessern. Die Idee zur Ausbildung OncoCoach als Vermittler zwischen Arzt und Patient entwickelte er im Arbeitskreis Klinische Studien e. V. und mit der Care and Coach Akademie. 

Die entstandene Fortbildung zum OncoCoach ist von der Landesärztekammer (LÄK) Hessen anerkannt und inzwischen sehr gefragt. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Medizin, Psychoonkologie, Patientenedukation und Patientenkommunikation sowie Arzneimittelsicherheit. Ich habe die 102 Unterrichtseinheiten umfassende Fortbildung vor sechs Jahren an acht Wochenenden absolviert. Als OncoCoach schule ich seitdem die Patienten in einem sogenannten Therapiegespräch zu allen wichtigen Bereichen ihrer Erkrankung, unterstütze sie mit Rat und Tat beim Bewältigen des Alltags und koordiniere ihre Versorgung seitens Dritter, zum Beispiel einer palliativen Pflege. Dieses Therapiegespräch findet bei uns wenige Tage nach dem Ersttermin mit dem Arzt, aber vor Therapiebeginn statt. Anschließend stehe ich den Patienten nach Bedarf zur Verfügung – persönlich, telefonisch oder per E-Mail. 

Was bringt das OncoCoaching Ihren Patienten?

Als OncoCoach helfe ich den Patienten zunächst, ihre Diagnose und die geplante Behandlung zu verstehen. Ich „übersetze“ dazu die Informationen des Arztes in eine dem Laien verständliche Sprache. Dabei hole ich den Patienten dort ab, wo er steht. Das erfordert nicht nur medizinisches, sondern zum Beispiel auch psychoonkologisches Wissen, denn mit der Krebsdiagnose bricht für viele die Welt zusammen. Der Patient ist dank meiner Arbeit besser informiert und hat in mir immer einen kompetenten Partner an der Seite, der ihn auf seinem Weg mit der Krebserkrankung begleitet. Der Weg beinhaltet sowohl die Therapie mit allen Nebenwirkungen als auch eine Menge an Bürokratie und Terminen. Die Angehörigen sollten auch nicht vergessen werden. 

Haben Sie ein konkretes Beispiel für ein erfolgreiches OncoCoaching?

Ich freue mich sehr für einen 80-Jährigen mit einem bereits metastasierenden (streuenden) malignen Melanom (schwarzer Hautkrebs), der sich lange Zeit äußerst schwertat, zu Hause seine orale Therapie pünktlich und auf nüchternen Magen einzunehmen. Wenn er laut Therapieplan ein neues Rezept hätte bekommen müssen, hatte er immer noch „reichlich Tabletten zu Hause“. Mehrmals erklärte ich ihm geduldig, dass seine ohnehin schwierige Therapie ohne korrekte Einnahme nicht wirken kann. Ich habe dann einen Deal mit ihm ausgehandelt, indem ich den Patienten bat, seine Tablettenvorräte jedes Mal zu uns mitzubringen, sodass wir den Überblick behielten. Verbunden mit vielen Tipps schaffte er es und es geht ihm heute, nach anderthalb Jahren, weiterhin gut unter der Therapie.

Nächster Artikel