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Bestens versorgt in der Praxis!

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Bei niedergelassenen Onkolog(inn)en erhalten Krebspatienten eine ganzheitliche Betreuung, ohne auf Innovationen verzichten zu müssen. Ein Interview mit Prof. Dr. Wolfgang Knauf, Vorstandsvorsitzender des Berufsverbands der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (BNHO).

Prof. Dr. Wolfgang Knauf

Vorstandsvorsitzender des Berufsverbands der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (BNHO)

Wie hat sich die Behandlung von Krebserkrankungen verändert?

Stahl, Strahl und Chemo – früher bediente sich der Onkologe bei der Behandlung seiner Patienten ausschließlich dieser drei Mittel. Mit Stahl war das Skalpell des Chirurgen gemeint, das im Kampf gegen den Krebs meist noch von einer Chemo- und/oder Strahlentherapie unterstützt wurde. Heutzutage haben wir nicht nur eine Flut an neu zugelassenen, oral einzunehmenden oder intravenös zu verabreichenden Medikamenten zur Verfügung, sondern auf Basis sehr feiner, molekularer Analysen der Tumoren auch ganz andere Ansatzpunkte, die uns erlauben, differenzierter vorzugehen – nicht nur in wenigen großen Zentren, sondern auch in den Schwerpunktpraxen für Hämatologie und Onkologie. 

Was können die Schwerpunktpraxen leisten?

Nahezu alles. Während es vor 20 Jahren unter Umständen noch hieß: „Da müssen wir Sie mal an die Uniklinik schicken“, können wir heute sagen: „Die Innovationen kommen zum Patienten – nicht der Patient zu den Innovationen.“ Egal ob es dabei zum Beispiel um die Möglichkeit zur Teilnahme an Studien, die Behandlung mit einer Immuntherapie oder neue Medikamente geht – all das können Schwerpunktpraxen leisten. Voraussetzung ist ein hoher diagnostischer Aufwand, an dem mehrere untereinander eng vernetzte Fachärzte beteiligt sind, die ihren Patienten dank ihrer Expertise individuell passende Therapien schneidern können. Dabei spielt aber nicht nur das spezielle biologische Profil des Tumors eine Rolle, sondern selbstverständlich auch der Patient in all seiner Individualität. Und genau das macht die Sache knifflig und zeitaufwendig. 

Worauf kommt es dabei besonders an?

Moderne, zielgerichtete Therapien bedürfen eines besonders engen Arzt-Patienten-Kontakts. Zu entscheiden, welche Behandlung die richtige ist, erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit dem Patienten und dessen Lebensumfeld, die durch den niedergelassenen Onkologen mit eigener Praxis oft besser geleistet werden kann als im stressigen Klinikalltag mit wechselndem ärztlichen Personal. Ist der Patient gebrechlich und überwiegend bettlägerig, oder ist er jung und sportlich? Sagt er „Ich will die Krankheit radikal loswerden“ oder „Ach, wissen Sie, ich bin schon 85, ich will eigentlich nur noch die Hochzeit meiner Enkelin in einem halben Jahr miterleben“? Die onkologische Kompetenz in Beziehung zu setzen mit der individuellen Lebenssituation des Patienten – genau das ist die Domäne des niedergelassenen Onkologen. 

Welche Therapieinnovationen stehen gerade im Fokus?

Der Trend geht zur chemotherapiefreien Behandlung – herausragende Beispiele dafür sind die chronische lymphatische Leukämie, bei der man auch unabhängig von speziellen biologischen Profilen der Erkrankung mit neuen Medikamenten beeindruckende Erfolge erzielen kann, oder das metastasierte Lungen- und das Nierenzellkarzinom. Insbesondere bei Letzterem hatte man früher mit klassischer Chemotherapie ganz schlechte Karten. Durch die Kombination von Signalhemmern einerseits und Immuntherapie auf der anderen Seite ergeben sich ganz neue therapeutische Möglichkeiten. 

Über den BNHO e. V.

Der Berufsverband der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen in Deutschland vertritt bundesweit die berufspolitischen, wirtschaftlichen und sozialpolitischen Interessen seiner Mitglieder. Die rund 600 im BNHO vereinten Fach­ärztinnen und -ärzte behandeln zusammengefasst etwa die Hälfte aller Tumorpatient(inn)en in Deutschland. 

Weitere Informationen finden Sie unter www.bnho.de.

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