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    Hirntumor: Den Feind im Kopf besiegen

    Die Diagnose Glioblastom trifft Hauke unerwartet und trotzdem strahlt er eine ungebrochene Lebensfreude aus. Foto: MCG

    Mit massiven Kopfschmerzen und Sehstörungen beim Sport fing es an. Hauke ließ sich durchchecken. Diagnose: Glioblastom – der bei Erwachsenen häufigste bösartige Hirntumor.

    „Ich fühlte mich nach der Diagnose wie vor den Kopf gestoßen“, berichtet der 42-Jährige und rückt seine Basecap zurecht. Die Kappe verdeckt Keramikgelpads, die auf seiner Kopfhaut kleben und durch dünne Kabel mit einer Tasche verbunden sind. Darin trägt Hauke ein Gerät, das im Bereich des Tumors elektrische Felder erzeugt, deren Frequenz schnell wechselt: Haukes Hoffnung, den mörderischen Krebs doch noch zu besiegen – oder zumindest das Tumorwachstum zu stoppen. Normalerweise wird zunächst versucht, den Hirntumor operativ zu entfernen. Bei Hauke erwies sich das als zu riskant. Sein Tumor sitzt zu tief im Gehirn. Lebenswichtige Funktionen hätten durch den Eingriff ausfallen können. Die Experten der Tumorkonferenz am Uniklinikum Gießen um PD Dr. Marco Stein beschlossen daraufhin, den Hirntumor mit einer kombinierten Strahlen- und Chemotherapie zu bekämpfen. Zusätzlich rieten die Ärzte zum Einsatz von Tumortherapiefeldern, der Optune-Therapie.


    Hauke ist ein grundsätzlich optimistischer Mensch. Er nahm den Kampf gegen den Feind in seinem Kopf auf. Die Bestrahlung stand er durch. Auch die Nachricht, dass die sechsmonatige Chemotherapie nicht wie gewünscht wirkte, warf ihn nicht um. Er hoffte auf die Tumortherapiefelder. „Der Hauptgrund, warum ich mich für diese Therapie entschieden habe, war, dass ich – und vor allem auch meine Partnerin – aktiv an der Behandlung teilnehmen kann“, erzählt Hauke.


    Zusammen kleben sie regelmäßig die Pads auf Haukes Kopfhaut und schalten das elektrische Feld ein. Der Hesse muss mindestens 18 Stunden täglich an das mobile Gerät angeschlossen sein. Sonst könnten die sich rasch teilenden Krebszellen schnell die Oberhand gewinnen und weiter vordringen. Hauke: „Ich hatte zuerst Angst, dass meine Haut die Pads nicht verträgt. Nebenwirkungen habe ich kaum, mal leichte Hautirritationen.“

    Inzwischen hat Hauke das Gerät fast überall dabei. Bei der Arbeit, beim Spazierengehen oder Radfahren. Seine ungebrochene Lebensfreude strahlt er weiterhin aus. „Der Umgang damit ist für mich so alltäglich wie Zähne putzen“, meint Hauke. Nur wenn er Spiele seiner geliebten Eintracht Frankfurt besucht, bleibt das Gerät zu Hause. PD Dr. med. Marco Stein, Bereichsleiter Neuroonkologie, Klinik für Neurochirurgie, UKGM, Standort Gießen, bescheinigt Hauke, dass er das Gerät fleißig nutzt. Berechnungen ergaben, dass der Tumor gut von dem elektrischen Feld abgedeckt wird.

    Hauke setzt die Tumortherapiefelder jetzt seit mehr als einem Jahr ein. PD Dr. Stein: „Bei den letzten drei MRT-Untersuchungen zeigte sich kein Hinweis auf ein erneutes Tumowachstum.“ Sicherheitshalber muss Hauke nun alle drei Monate zur Nachuntersuchung.

    Das Wissen um den bösartigen Hirntumor hat das Leben des 42-Jährigen grundlegend verändert. „Man lebt viel bewusster und versucht, viel Zeit mit den Liebsten zu verbringen“, sagt Hauke ernst und prüft mit gewohntem Griff, ob die Pads noch richtig sitzen.

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