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Krebs

„I’m a survivor!“

Foto: Alan Ovaska

Der beliebte Schauspieler Thorsten Nindel (56) bekam vor sieben Jahren die Diagnose Lungenkrebs. Wie er damit umgegangen ist und was er Betroffenen sowie Angehörigen rät, erzählt er im Interview. 

2014 sind Sie an Lungenkrebs erkrankt und haben den Kampf gewonnen. Ist die Angst, erneut an Krebs zu erkranken, ein ständiger Begleiter in Ihrem Alltag?

Nein. Von Zeit zu Zeit poppt aber ein merkwürdiges Gefühl auf. Ich lasse aber die Finger von Dr. Google und Co. Der Krebs begleitet mich im Alltag also nicht. Ich weiß aber um Risiken und erhöhte Risiken.  

Wie sieht Ihr Terminkalender in Bezug auf Vorsorgeuntersuchungen heute im Vergleich zu damals aus?

Ich bin ein begeisterter Arztgänger. Früher war ich das hauptsächlich bezüglich meines Gelenkapparates, der aufgrund der intensiven Benutzung Verschleißerscheinungen zeigt (lacht). Heute gehe ich zu jeder Vorsorgeuntersuchung, die es gibt. Früher musste ich auch vierteljährlich zum MRT/CT, um zu schauen, ob der Krebs wieder da ist. Heute ist diese Untersuchung nur noch einmal im Jahr. Das ist Fluch und Segen zugleich. Als ich engmaschiger kontrolliert wurde, war das Gefühl der Sicherheit natürlich größer. Heute gehe ich einmal im Jahr und habe ein paar Tage vorher ein mulmiges Gefühl. Wenn alles okay ist, habe ich gefühlt für ein Jahr einen Freifahrtschein. 

Haben Sie in der Zeit Ihrer Krankheit immer nur an das Kämpfen und Überleben gedacht oder auch an das Aufgeben?

Selbstverständlich gab es schwache Momente. Das lag zum einen an dieser unschönen Situation, der Diagnose, und zum anderen an der teilweise sehr ruppigen Art eines Arztes – Empathie gleich null. Das war für mich unbegreiflich. Da hat ein Mensch die Angst seines Lebens und er spricht mit einem, als würde er den Wocheneinkauf planen. Da hatte ich schon Momente, in denen ich kurz gedacht habe: „Jetzt reicht’s mir, dann sterbe ich halt jetzt.“ Eher aus Trotz (lacht). Alles in allem war ich bereit, das durchzuziehen, und war guter Hoffnung. Eine andere Wahl blieb mir ja auch nicht – ich wollte ja leben.

Wie haben Sie die Behandlung erlebt?

Außer dass ich ein ziemlicher Stinkstiefel war, eigentlich ganz gut – von Brüllen zu Lachen zu Heulen und wieder von vorn. Eine doofe Nebenwirkung der Chemo. Das war für meine Mitmenschen auch nicht schön. Ich habe mich während der Chemotherapie akupunktieren lassen. Das hat mir sehr geholfen und das kann ich allen Betroffenen nur empfehlen. 

Wie haben Sie sich gefühlt, nachdem Sie die Therapie hinter sich hatten?

Die Onkologen und mein Körper haben gut zusammengearbeitet, und dafür bin ich beiden sehr dankbar.

In der Zeit der Bestrahlung und Chemotherapie war Ihre damalige Lebensgefährtin immer an Ihrer Seite, jedoch sind Sie mittlerweile getrennt. Nachdem man gemeinsam den Krebs besiegt hat, denkt man als Außenstehender vielleicht, dass dieses Paar nun alles schaffen kann. Ist das nicht so?

Ich bin Saskia unendlich dankbar, dass sie das mit mir zusammen durchgestanden hat, auch wenn ich oft alles andere als freundlich war. Das war schon eine Belastung für die Beziehung. Nachdem das alles hinter uns lag, haben wir uns nach und nach auseinandergelebt und uns zwei Jahre später getrennt. Der Krebs, so denke ich, hatte damit nichts zu tun. Nach wie vor gehört Saskia zu meinen Lieblingsmenschen, wir sind sehr gut befreundet, und das wird hoffentlich auch immer so bleiben. 

Was raten Sie rückblickend Erkrankten und deren Angehörigen?

Niemals, aber auch wirklich niemals im Internet recherchieren! Das ist so gefährlich, weil vieles einfach schlichtweg falsch ist. Die Onkologie ist eine Wissenschaft: Körpergewicht x Tumorgröße / Mortalitätsrate, Alter = Milligramm Anwendung. Wie soll Dr. Google das wissen? Ein weiterer Tipp: Stelle niemals die Frage: „Werde ich sterben?“ Denn das wird dir niemand beantworten. Und mein letzter und wichtigster Tipp: Eine Krebserkrankung ist auch eine Prüfung für die Angehörigen. Bevor sie an ihre Grenzen stoßen, sollten sie sich Hilfe holen. Egal ob psychologisch oder auch eine Haushaltsunterstützung. Eine Krebstherapie ist kein Sprint, sondern ein Marathon, und damit auch Angehörige diesen schaffen können, brauchen sie Unterstützung.  

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