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Ein Gespräch mit Liesbeth Coeckelberg (35) und Stefaan Van Gool, MD, PhD, Facharzt für pädiatrische Hämato-Onkologie mit dem Schwerpunkt Hirntumore, am Immun-Onkologischen Zentrum Köln (IOZK), über ihren Kampf gegen einen bösartigen Gehirntumor, die letzte Hoffnung Immuntherapie und das Entstehen von neuem Leben. 

Stefaan Van Gool

MD, PhD, Facharzt für pädiatrische Hämato-Onkologie am Immun Onkologischen Zentrum Köln (IOZK)

Bei Ihnen wurde vor ein paar Jahren ein Glioblastom diagnostiziert, es zählt zu den tödlichsten Krebsarten. Können Sie kurz diese Zeit der Diagnose und ersten Therapie beschreiben? 

Liesbeth Coeckelberg: Ich hatte 2016 mehrere epileptische Anfälle, die Ärzte jedoch nicht ernst nahmen. Erst ein Neurologe wurde hellhörig. Man entdeckte einen Tumor im Kopf mit Grad 4, also mit höchstem Schweregrad. Das war natürlich ein Schock. Die Ärzte gaben mir eine Lebenserwartung von ein, zwei Jahren und starteten eine Radio- und Chemotherapie. Meine Eltern, bei denen ich damals noch wohnte, sind genauso wie ich erst mal positiv eingestellt, was bei einem solchen Befund natürlich schwerfällt. Dennoch wollten wir den Kampf aufnehmen. Neben der Therapie stellten sich die ersten Nebenwirkungen ein, wie Müdigkeit oder Gewichtsverlust, die meine Lebensqualität erheblich einschränkten. Leider stellten die Ärzte während der Therapie fest, dass meine Blutwerte nicht in Ordnung waren. Es war notwendig, zwischen den einzelnen Blöcken der Chemo eine längere Pause einzulegen, weil ich die Therapie nicht vertragen habe und sogar mein Knochenmark geschädigt wurde. Es gab keine alternative Therapie bei uns hier in Belgien, aber warten war für mich natürlich auch keine Option. Wir haben daher selbst recherchiert und das IOZK in Deutschland gefunden. 

Auf welchen Ansatz setzen Sie in Ihrem Zentrum? 

Stefaan Van Gool, MD, PhD: Etablierte Therapien zielen darauf ab, durch Operationen oder Medikamente den Tumor zu vernichten – oft verbunden mit schweren Nebenwirkungen für die gesunden Zellen und das Immunsystem. Die IOZK-Immuntherapie nutzt und stärkt dagegen das patienteneigene Abwehrsystem spezifisch im Kampf gegen den Krebs. Sie aktiviert nachhaltig das Immunsystem gegen neu wachsende Krebszellen – gesunde Zellen werden dabei aber nicht zerstört. Wichtig ist außerdem: Jeder Tumor ist in seinem Wachstum dynamisch. Jede Krebserkrankung ist anders und bedarf einer differenzierten Analyse und einer persönlich zugeschnittenen Behandlung. Daher planen wir für jeden Patienten eine individuelle IOZK-Immuntherapie und erstellen einen abgestimmten Behandlungsplan. Die Basis bildet eine umfassende Laboranalyse des Immunsystems. Auf dieser Grundlage entscheidet unser Ärzteteam, welche Behandlungsmethode und Folgebetreuung am besten geeignet sind. 

So sind wir auch bei Liesbeth vorgegangen. Wir haben sie mit einer Immuntherapie und einer Elektrohyperthermie behandelt. Sie erhielt eine Ersttherapie mit einem Impfzyklus von acht Tagen und nach drei Wochen diesen Zyklus erneut. Modulierte Elektrohyperthermie erzeugt durch Radiowellen eine Erwärmung und Reizung von Tumorzellen, ohne das umliegende gesunde Gewebe zu beeinträchtigen. Die Tumorzellen zeigen dadurch auf ihrer Oberfläche bestimmte Gefahrensignale, die ebenfalls die Immunreaktion provozieren und verstärken.

Wie haben Sie die Behandlung wahrgenommen und wie geht es Ihnen inzwischen? 

Liesbeth Coeckelberg: Zu Beginn ging es mir nicht besser, aber wenigstens auch nicht schlechter. Ich war noch sehr müde. Irgendwann konnte ich jedoch eine Entwicklung sehen. Die Therapie war dann tatsächlich erfolgreich und ich bin tumorfrei. Es gibt eine Vollremission, allerdings nach wie vor Nachuntersuchungen. Ich war irgendwann fit genug, wieder Sport zu machen. Heute bin ich wieder als Lehrerin tätig, habe einen Freund und wir haben sogar gemeinsam ein Baby bekommen.

Stefaan Van Gool, MD, PhD: Unsere Therapie ist, wie gesagt, so angelegt, dass der Körper selbst die Tumorzellen erkennt, sie aktiv bekämpft und im Wachstum hemmt. Nur so konnte im Fall von Liesbeth mit ihrem Kind sogar neues Leben entstehen. Die Medizin sollte sich stärker solchen neuen Wegen öffnen, denn es gibt erfolgreiche Alternativen zur Standardtherapie. Man sollte es zudem nicht den Patienten überlassen, dass sie, wie bei Liesbeth, selbst danach recherchieren, so vorbildlich das auch sein mag. Die Ärzte müssen hier zusammen mit ihren Patienten nach Alternativen suchen, die wissenschaftlich fundiert sind. Für den jeweiligen Patienten kann schließlich Leben oder Tod davon abhängen.

Welche Botschaft haben Sie nach der Therapie für andere Betroffene?

Liesbeth Coeckelberg: Andere Betroffene haben mir bereits berichtet, dass mein positives Beispiel sie motiviert. Wichtig ist, mit positiven Gedanken Kraft zu finden. Ich gebe solche Interviews bewusst, weil ich andere ermutigen möchte, die Hoffnung nicht zu verlieren.  

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