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Integrative Onkologie

Foto: Africa Studio via Shutterstock

Mehr Lebensqualität durch Komplementärmedizin

Erfahrungen mit der komplementären Krebstherapie in der Praxis: Interview mit Dr. med. Markus Pfisterer, niedergelassener Arzt in Heilbronn mit den Schwerpunkten Naturheilverfahren, Akupunktur und Ernährungsmedizin

Herr Dr. Pfisterer, sie führen eine hausärztliche Privatpraxis mit naturheilkundlichem Schwerpunkt. Wann kommen Krebspatienten zu Ihnen – vor, während oder nach der Krebstherapie?

Am liebsten ist uns natürlich, wenn wir den Patienten gleich nach der Diagnose sehen. Dann können wir erst einmal eine Standortbestimmung machen: Wie funktioniert das Immunsystem? Wie ist die Nährstoffversorgung? Gibt es vielleicht eine chronische Umweltbelastung, die wir eliminieren können? So können wir den Körper optimal aufbauen, damit er die onkologische Therapie gut überstehen kann.

Leider ist das aber nicht immer der Fall. Oft kommen Patienten erst sehr spät zu uns, wenn sie schon viele Therapien hinter sich haben und die Krankheit weit fortgeschritten ist. Dann bietet auch die Naturheilkunde kaum noch Chancen auf einen Heilungserfolg.

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Wie profitieren Ihre Patienten von der integrativen Medizin?

Sie profitieren ganz extrem. Das sehen wir täglich in der Anwendung, wenn wir Krebspatienten begleiten. Sie durchstehen ihre Primärtherapien, wie Chemotherapie und Bestrahlung, sehr gut. Sie haben weniger Nebenwirkungen. Zum Beispiel treten Venenentzündungen seltener auf, Magen-Darm-Probleme sind geringer. Erbrechen oder Übelkeit nach Chemotherapie können wir mit der integrativen Medizin reduzieren. Damit haben die Patienten natürlich höhere Chancen, die angesetzten Primärtherapien wie geplant durchzuführen. Und wir sehen eine wesentlich bessere Lebensqualität bei den Patienten, die komplementäre Therapien erhalten.

Die integrative Onkologie hat für unsere Patienten deshalb einen sehr hohen Stellenwert. Für uns und für mich natürlich auch. Ich habe die Praxis im Jahr 2000 mit dem Ziel gegründet, komplementär und integrativ tätig zu sein, um die klassischen schulmedizinischen Therapien zu unterstützen und zu erweitern. Das Schöne ist, dass die Patienten die Behandlungen gut annehmen und sich in der Regel sehr gut dabei fühlen.

Viele Onkologen sind der Naturheilkunde gegenüber sehr kritisch eingestellt. Wie funktioniert da die Zusammenarbeit?

Ich bin immer dafür, mit offenen Karten zu spielen. Wir weisen den Patienten darauf hin, dass er den behandelnden Onkologen über die geplanten komplementären Maßnahmen informieren soll. Aber das ist nicht verpflichtend. Natürlich geben wir ihm auch entsprechende Argumente an die Hand, um Bedenken der klassischen Schulmedizin auszuräumen – etwa gegen zusätzliche Vitamin- oder Mineralstoffgaben. Da gibt es ja heute gute Studien, die zeigen, dass beispielsweise Selen den Erfolg der Chemo- und Strahlentherapie sogar steigern kann. Die endgültige Entscheidung liegt aber selbstverständlich immer beim Patienten. Manche machen lieber zuerst die klassische Therapie und schließen danach eine naturheilkundliche Behandlung an.

Sie bieten in Ihrer Praxis Mikronährstoffanalysen an. Welchen Einfluss haben diese auf die Therapie Ihrer Patienten?

Mikronährstoffanalysen bilden die Grundlage der Therapieplanung und der Behandlung unserer onkologischen Patienten. Wir wissen, dass Mikronährstoffe, also Vitamine, Mineralien und Spurenelemente, die Basis des Zellstoffwechsels sind und damit auch Teil der Regeneration und der Gesundung. Deswegen müssen wir Kenntnis haben, wie der Mikronährstoffstatus des Patienten ist, was ihm fehlt und wovon er profitieren wird. Und das können wir dann entsprechend in unseren Behandlungsplan einbauen und dem Patienten zur Verfügung stellen.

Bei welchen Mikronährstoffen finden Sie häufig Defizite?

Nahezu immer ist schon vor der Therapie der Selenspiegel zu niedrig. Wie wir aus Studien wissen, stehen die Häufigkeit von Krebserkrankungen und der Selenstatus in engem Zusammenhang. Und die Selenversorgung über die Nahrung ist generell in Europa und besonders in Deutschland suboptimal. Bei Zink finden wir häufig ebenfalls zu niedrige Werte, gelegentlich außerdem bei Kupfer, Kalzium und Magnesium.

Unter der Chemo- oder Strahlentherapie gehen die Mikronährstoffspiegel in der Regel weiter zurück. Grund sind oft Resorptionshindernisse, Entzündungen und reduzierte Entgiftungsmechanismen. Umso wichtiger ist dann eine gezielte Substitution.

Wann setzen Sie bei Tumorpatienten beispielsweise Vitamin C, Zink oder Vitamin D ein?

Vitamin C, Zink und Vitamin D spielen eine entscheidende Rolle in unserer Therapie. Zink zum Beispiel ist wichtig für das Immunsystem, für die Regeneration der Zellen und für die Wundheilung. Vitamin D hat in den letzten Jahren sehr viele Studien durchlaufen. Durch Vitamin D haben wir viel Neues über den Stoffwechsel des Körpers gelernt und viele Funktionen kennengelernt. Wir sehen, dass viele Patienten einen sehr niedrigen Vitamin-D-Status haben. Den gleichen wir dann zunächst aus, um die Immunfunktion und die Zellregeneration zu optimieren. Vitamin C hilft bei der Wundheilung, der Wiederherstellung des Gewebes und der Gefäße.

Welche Bedeutung hat das Spurenelement Selen bei der Behandlung Ihrer onkologischen Patienten?

Selen gehört zur Basis unserer Therapie für die Krebspatienten. Selen hat sehr vielfältige Aufgaben und Funktionen im Organismus. Zum einen ist es für die Entgiftung wichtig, zum anderen für die Regeneration, zum dritten schützt es gesunde Zellen vor dem negativen Einfluss von Chemotherapie und Bestrahlung. Dadurch haben wir weniger Therapieabbrüche und bessere Heilungserfolge. Das belegen Studien. Hochdosiertes Selen wirkt zudem selektiv zytotoxisch gegen Tumorzellen. Grund dafür ist der veränderte Stoffwechsel in der Krebszelle, der zu einer erhöhten Selenaufnahme führt. Gesunde Zellen sind davon nicht betroffen.

Somit haben wir für Selen ein sehr großes Einsatzgebiet sowohl vor der Therapie, während der Therapie und auch in der Nachsorge.

Besteht nicht die Gefahr, dass Selen in hoher Konzentration toxisch wirkt?

Hier müssen wir zwischen organischem und anorganischem Selen unterscheiden. Als Arzneimittel zugelassen ist nur anorganisches Selen in Form von Natriumselenit. Das wird spezifisch in selenabhängige Proteine eingebaut und bei einer Überdosierung über den Urin ausgeschieden. Organisches Selen, also beispielsweise Selenhefe oder Selenomethionin, kann sich dagegen im Körper anreichern. Wir beobachten das manchmal, dass Patienten auf eigene Faust jahrelang unkritisch Präparate mit organischem Selen einnehmen und dann Spiegel entwickeln, die durchaus in den toxischen Bereich gehen können.

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Glauben Sie, dass sich die integrative Onkologie künftig in die schulmedizinische Behandlung einfügen wird?

Davon bin ich fest überzeugt. Das wird allerdings nicht schlagartig vonstattengehen, sondern es muss sich langsam entwickeln. Die Studien mit integrativen Substanzen nehmen zu. Denken wir an Selen, Vitamin D, Vitamin C oder Zink oder auch Vitamin K, das in den letzten Jahren einen Aufschwung erlebt hat. Wir sehen nach und nach, dass diese dann in der onkologischen Primärtherapie Eingang finden. Man stellt fest, dass die Primärtherapien besser vertragen werden. Und wenn wir die Regeneration und den Zellstoffwechsel wieder in Ordnung bringen, kann der Patient eine schnellere Heilung erwarten.

Sie möchten mehr über Dr. med. Markus Pfisterer erfahren?

Dr. Markus Pfisterer ist niedergelassener Arzt in Heilbronn mit den Zusatzbezeichnungen Naturheilverfahren und Akupunktur. Er leitet eine der wenigen zertifizierten Schwerpunktpraxen für Ernährungsmedizin in Deutschland. Seine Tätigkeitsschwerpunkte sind sowohl die übliche hausärztliche Patientenversorgung als auch besonders Erkrankungen und Symptome, die üblicherweise meist nur medikamentös „eingestellt“ werden.

Info und Kontakt: www.drpfisterer.de

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